Zeig dein Depot #4: Franz‘ Depot

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Depotvorstellungen 6 Kommentare

Im vierten Beitrag unserer Serie „Zeig dein Depot“ möchten wir euch das Aktiendepot von Franz vorstellen.

Neben Ludwig, Zeig dein Depot #3, kennen wir beide auch Franz bereits seit vielen Jahren persönlich. Franz ist Teil einer Art „Mastermind-Gruppe“, in der wir uns regelmäßig über vielversprechende Investments oder Anlagestrategien austauschen. Franz ist sehr belesen, kennt beispielsweise nahezu jeden Aktionärsbrief von Warren Buffett – Berkshire Hathaway auswendig und hat sich bereits in frühen Jahren mit wirtschaftlichen Belangen auseinandergesetzt. Franz verfügt über umfassende Kenntnisse rund um das Versicherungs- und Bankengeschäft und hat zudem durch sein Studium und seine berufliche Tätigkeit technisches Verständnis, was sich in der Zusammenstellung seines Aktiendepots widerspiegelt. Wir schätzen diese Expertise sehr und sind dankbar, dass er sich zu dieser Depotvorstellung bereiterklärt hat.

Über Franz

Franz ist 30 Jahre alt und arbeitet in der IT als Produktmanager bei einem Unternehmen mit Bezug zur Versicherungsbranche, obwohl sein Studienhintergrund im Ingenieurswesen liegt – Schwerpunkt Elektrotechnik.

Wie bist du zum Investieren gekommen?

Das Phänomen des Zinseszins hat mich schon als kleines Kind sehr fasziniert. Mit 9 Jahren habe ich mein erstes Spieldepot eingerichtet und die Dotcom-Blase damit voll mitgemacht, erst nach 9/11 habe ich das Experiment frustriert aufgegeben. Die Themen Wirtschaft und Geld haben mich aber danach weiter begleitet. Im Zuge der Finanzkrise 08/09 wurde die Beschäftigung dann immer detaillierter. Ich wollte verstehen was vor sich ging und wie die Zusammenhänge funktionierten.

Warum investierst du dein Geld in Aktien?

Aktien sind als Beteiligungen an Firmen ein Realwert. Durch die Thesaurierung von Gewinnen zu attraktiven Renditen ergibt sich für den Anleger, der zu mäßigen Preisen kauft, eine attraktive Rendite. Aufgrund der geringeren Stückelung kann man mit dem Investieren in Aktien bereits mit recht überschaubaren Summen anfangen und muss dafür, im Unterschied zu Immobilien, nicht noch das zusätzliche Risiko eingehen, zu einem Zeitpunkt noch begrenzter Expertise mit großen Mengen Fremdkapital arbeiten zu müssen.

Welche Strategie verfolgst du bei deinen Investitionen?

Meine Strategie ist relativ simpel, Qualitätsunternehmen mit stabilem Geschäftsmodell identifizieren und dann ins Depot zu nehmen, wenn sie günstig sind. Dann behalte ich sie einfach. Die meisten meiner Werte befinden sich seit vielen Jahren im Depot und werden da aller Voraussicht nach auch bleiben.

Wie wählst du diese Aktien genau aus?

Die erste Frage, die sich stellt, ist diejenige nach dem Geschäftsmodell. Verstehe ich wie das Unternehmen Geld verdient und von welchen Faktoren sein Erfolg in den nächsten 10 Jahren abhängig ist? Danach schaue ich mir an, wie rentabel die Firma ihr Geschäft betreibt, wie die Wettbewerbssituation aussieht und wie finanziell solide sie aufgestellt ist. Zuletzt kommen dann noch Ankeraktionariat und Qualität des Managements dazu. Das sind die Kriterien nach denen Firmen auf der Agenda landen. Über die Käufe entscheidet dann zu gegebener Zeit der Preis.

Was waren bislang deine wichtigsten Erfahrungen?

Die wichtigste Börsenerfahrung war der Kauf von RWE 2010. Ich hatte die Brennelementesteuer und alles mit einberechnet und ins Kalkül einbezogen. Dann trafen mehrere Dinge zusammen. Die Gaspreise fielen ins Bodenlose, die Kernkraftwerke wurden schlagartig stillgelegt und das hoch verschuldete RWE macht, um sein A-Rating zu halten, zu Niedrigst-Kursen eine Kapitalerhöhung. Das war mir eine Lehre, Unternehmen mit hoher Verschuldung besser zu meiden. Es hat mein Bewusstsein dafür geschärft (genauso wie zeitgleich die Enteignung Repsols durch die Regierung Argentiniens), dass man noch so gut rechnen und bewerten kann, es gibt Risiken die kann man nicht ausschalten. Der größte Erfolg MSFT hat mir unter Beweis gestellt, dass man die besten Ergebnisse erzielt, wenn Branchenwissen, eine megagünstige Bewertung und Glück aufeinandertreffen.

Der dümmste und teuerste Fehler war, dass ich in den Jahren 2013/14 zu ungeduldig war und gestiegene Qualitätswerte (MSFT, JNJ) verkauft habe, um in andere günstige Werte umzuschichten. Man fährt eigentlich immer besser, wenn man solche Werte einmal gekauft, schlichtweg behält, solange sich am grundlegenden Geschäftsmodell nix negativ ändert.

Wir wissen, dass du in deiner Freizeit sehr viel liest. Welche Bücher haben dich in Bezug auf das Thema Börse geprägt?

  • Phil Fisher: Common Stocks & Uncommon Profits
  • Lowe: Damn right! (Charlie Munger Biografie)
  • Stiles: the first tycoon
  • Chernow: Titan
  • Chernow: the House of Morgan

Die letzten drei um ein Gefühl zu bekommen, wie sich Zeiten und der Kapitalismus im Laufe der Zeit wandeln und wie sich Unternehmen an neue Gegebenheiten anpassen müssen.

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Franz‘ Depot

Junge Investoren - Zeig dein Depot - Aktiendepot von Franz
  • Wells Fargo
  • Berkshire Hathaway
  • Münchener Rück
  • Bank of Nova Scotia

Unsere Einschätzung

Zunächst möchten wir die Chance nutzen und dir für die Teilnahme an unserer Beitragsreihe „Zeig dein Depot“ danken. Wie wir bereits in der Einleitung geschrieben haben, können die Unternehmen deines Aktiendepots deinen persönlichen Interessen, deinem Studium oder Beruf zugeordnet werden. Damit legst du den Fokus klar auf Branchen, in denen du dich bestens auskennst und wohl fühlst. Deine Strategie ist von dir bewusst darauf ausgerichtet, lediglich in Unternehmen zu investieren, deren Geschäftsmodell du verstehst und einschätzen kannst.

Die Fokussierung auf wenige Unternehmen weniger Branchen tritt in der Regel häufig Diskussionen mangelnder Diversifikation nach sich. Wir sehen das jedoch nicht so kritisch, da das höhere Risiko durch umfassenderes Wissen respektive besseres Verständnis ausgeglichen wird. Ein mögliches Investment in ein Unternehmen dessen Geschäftsmodell nicht verstanden wird, macht unter dem Aspekt einer zu erzielenden Verbesserung der Diversifikation wenig bis keinen Sinn. Auf der anderen Seite lässt einen dieser Fokus womöglich auf dem anderen Auge blind werden, so dass andere vielversprechende Investments verpasst oder nicht erkannt werden könnten.

Mit Microsoft und IBM hast du zwei Schwergewichte aus dem Technologiesektor im Depot, welche sich in den vergangenen Jahren sehr unterschiedlich entwickelten. Beide hatten bis 2014 operative Probleme und waren deshalb sehr günstig bewertet. Seitdem divergierte sowohl die Kursentwicklung als auch die operative Performance. Microsoft konnte sich durch einen CEO-Wechel in vielen Zukunftsbereichen neu positionieren und ist mittlerweile das weltweit wertvollste Unternehmen, mit weiterhin blendenden Zukunftsaussichten. IBM hingegen investiert auch verstärkt in die Cloud und weitere Technologien, hat jedoch immer noch operative Schwierigkeiten in ihrem Kerngeschäft, so dass man umsatzmäßig weiterhin auf der Stelle tritt. Durch Aktienrückkäufe hat man zudem die Eigenkapitalquote stark reduziert und konnte trotzdem die Kurse nicht weiter antreiben.

Zudem lässt sich ein starker Fokus auf Finanzwerte erkennen. Mit Wells Fargo und Bank of Nova Scotia hast du zwei Banken im Depot, welche während der Corona-Krise noch mal stark an Boden verloren haben und durch gesunkene Zinsen im US-Raum auch ertragsmäßig betroffen sind. Aktuell geht der Markt bei Betrachtung ihrer Aktienbewertungen von deutlichen Einbußen in ihren Geschäften über einen längeren Zeitraum aus. Es ist somit schon sehr viel im Kurs eingepreist, so dass man hier möglicherweise eher positiv überrascht werden kann. Berkshire mit General Re, Admiral und Münchener Rück sind auf der anderen Seite starke Versicherungsunternehmen und decken fast die gesamte Wertschöpfung in der Branche mit den Top-Peers ab, welche eine außerordentliche finanzielle Stabilität mitbringen. Falls ihr mehr über die Ertragskraft und Besonderheiten von Admirals Geschäftsmodell wissen wollt, könnt ihr dazu unsere Analyse lesen.

Berkshire hat neben ihrem profitablen Versicherungsgeschäft zusätzlich zahlreiche andere Beteiligungen, welche meist äußerst erfolgreich laufen, so dass du über sie indirekt in vielen weiteren Branchen investiert bist. Auch sie investieren eher in langweilige Geschäftsmodelle mit planbaren Renditen, was vollständig deiner Anlagephilosophie entspricht.

Durch den Cash-Anteil in Höhe von 15% hast du genügend Handlungsspielraum, um bei Kursrückschlägen Nachkäufe zu tätigen oder gar neue Unternehmen, die temporär günstig bewertet sind, aufzunehmen.

Fazit

Mit deinem sehr konzentrierten Depot ist es dir möglich alle Portfolio-Unternehmen äußerst genau zu analysieren und zu beobachten. Man erkennt deutlich einen Deep-Value Ansatz, mit dem du langfristig tendenziell zu sehr günstigen Kursen kaufen kannst, so dass eine deutliche Sicherheitsmarge vorhanden sein sollte. Zudem gibt eine Fokussierung auf den eigenen Kompetenzbereich beim Investieren eine gewisse Sicherheit, die einen auch in stürmischen Zeiten ruhiger schlafen lassen sollte.

Diese Strategie birgt auf der anderen Seite das Risiko auch Value-traps zu erwischen, welche eine günstige Bewertung suggerieren, aber trotzdem im Zusammenhang mit den Erwartungen weiterhin nicht günstig sind oder nicht die entsprechende Rendite liefern. BMW könnte hier so ein Fall sein, wobei wir trotzdem davon ausgehen, dass du deine Hausaufgaben sehr gründlich gemacht hast.

Als Anregung von unserer Seite könntest du über eine Ausweitung deines Anlagehorizonts auf andere zukunftsträchtige Branchen, wie dem Healthcare-Sektor, nachdenken. Des Weiteren könnten deine Bewertungskriterien bei der Auswahl etwas zu streng sein, so dass man tendenziell viele Top-Unternehmen direkt aussortiert, obwohl diese nachhaltig über viele Jahre gegenüber ihren Peers eine Höherbewertung gerechtfertigt haben.

Insgesamt haben wir selten eine so stringente Strategie gesehen und wünschen dir weiterhin viel Erfolg bei deinen Investments!

Nun seid ihr dran!

Was haltet ihr von Franz‘ Depot? Gebt ihm und uns gerne Feedback. Falls ihr selbst euer Depot bei uns veröffentlichen wollt, schreibt uns eine Mail an kontakt@junge-investoren.de mit euer Depotaufstellung und jeweils kurzen Antworten auf unsere Fragen. Weitere Informationen dazu erhaltet ihr hier.

Folgt uns gerne auch auf Instagram oder tretet unserer Facebook Community bei, in der ihr Fragen zu unseren Analysen und Beiträgen stellen oder eure Depots diskutieren könnt. Zudem gibt es einige unserer Aktienanalysen nun auch auf unserem Youtube-Kanal.

Thorben Grabinski
Felix Alexander Müller

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6 Kommentare zu “Zeig dein Depot #4: Franz‘ Depot”

  1. Toller Beitrag und eine interessante Geschichte von Franz. Respekt, das er sich schon mit 9 Jahren für Aktien interessiert hatte und wusste was der Zinseszinseffekt ist.

    Immer schön weiter machen Franz, vielleicht solltest du noch etwas mehr Einzelwerte mit reinnehmen um mehr diversifiziert zu sein.

    Gruß Stefan

    1. Hi Stefan,

      vielen Dank für dein tolles Feedback! Wir waren damals auch erstaunt, dass Franz sich schon in diesem Alter mit dem Thema Börse befasst hat. Man kann nie früh genug damit anfangen 😉

      Für mich persönlich wäre das Depot auch zu konzentriert. Auf der anderen Seite überlegt Franz jede Neuaufnahme einer Aktie äußerst genau und handelt sehr konsequent, so dass diese Konzentration auch verhindern kann, dass man schwächere Werte nur aus Diversifikationsgründen in das Depot aufnimmt.

      Viele Grüße
      Felix

  2. Mal ein Tipp zur Visualisierung des Depots: hier würde ich evtl sogar zur Tabellenform greifen, wenn das so wenige Titel sind, weil man muss immer links die Farbe nachschauen und dann rechts die Farbe suchen. Zudem sind die Farben zu ähnlich. Weiterhin wird nicht klar bei euren Partnern, was ihr Ziel des Sparens ist.

    VG

    Flo

    1. Hallo Flo,

      danke für deine Ideen! Jeder hat da natürlich seine eigenen Vorlieben bei der grafischen Darstellung. Wir setzen auf ein einheitliches Design und wollen die Depotgewichtung auch visuell sichtbar machen. Zudem sehen Tabellen in der mobilen Version meistens weniger schön aus, so dass wir lieber bei Grafiken bleiben.
      Den letzten Punkt können wir jedoch nicht ganz nachvollziehen. Franz investiert sein Geld in Aktien, um sich am weltweiten Produktivkapital zu beteiligen und dann daraus eine möglichst attraktive Rendite zu erzielen. Geflügelte Begriffe wie „finanzielle Freiheit“, „passives Einkommen“ oder „eigener Cashflow“ müssen in diesem Zusammenhang nicht immer verwendet werden.

      Viele Grüße
      Felix

  3. Schon beim Teaserbild war mir klar wessen Depot hier gleich folgen würde! 🙂 Ich schätze ihn schon seit langem sehr für seinen stringenten und konzentrieren Portfolioansatz und seine immer sehr klaren Gedanken. Danke für eure Vorstellung!

    1. Gern! Franz pflegt wirklich einen sehr disziplinierten Depotaufbau, was ich persönlich sehr beeindruckend finde. Stehe gerne mit ihm im Austausch über potenzielle Investments und bin dabei immer wieder überrascht, wie viel Wissen wie aus der Kanone geschossen aus ihm herauskommt 😀

      VG

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