Zeig dein Depot #2: Leons Depot

Depotvorstellungen 2 Kommentare

Heute möchten wir euch im zweiten Beitrag unserer Serie „Zeig dein Depot“ das Depot von Leon vorstellen.

Über Leon

Leon ist 27 Jahre alt und Diplom Finanzwirt und arbeitet für das Land Niedersachsen. Er ist bereits seit 5 Jahren an der Börse aktiv und verwaltet zusätzlich zwei Wikifolios.

Wie bist du zum Investieren gekommen?

Ich habe mein Abitur an einem Wirtschaftsgymnasium gemacht und habe dadurch begonnen mich mit der Wirtschaft und Unternehmen zu beschäftigen. Die Möglichkeit von der wachsenden Wirtschaft profitieren zu können brachte mich dann zum Aktienhandel. Begonnen habe ich dann mit einem eher passiven Ansatz über ETFs, doch je mehr ich mich mit der Materie auseinandergesetzt habe, desto mehr habe ich mich auch mit dem Investment in Einzelaktien beschäftigt, um noch gezielter von der Entwicklung einzelner Unternehmen teilhaben zu können.

Warum investierst du dein Geld in Aktien?

Ich möchte zum einen natürlich für das Alter vorsorgen, da ich mich nicht auf den Staat verlassen möchte, dass er mir im Alter meine Rente bezahlt. Für die private Altersvorsorge waren Aktien für mich die ideale Wahl, da sie langfristig betrachtet eine gute Rendite abwerfen und man hier im Gegensatz zu Immobilien auch schon mit kleinen Beträgen starten kann.

Zum anderen macht es mir aber auch einfach Spaß mich mit den verschiedenen Unternehmen auseinanderzusetzen und dort möglichst tief einzusteigen, um so zu versuchen die besten Aktien auszuwählen.

Welche Strategie verfolgst du bei deinen Investitionen?

Im Grunde verfolge ich drei Strategien für verschiedene Zwecke.

Als erstes steht die private Altersvorsorge. Hier soll bis zum Renteneintritt ein monatlicher Betrag zu Seite gelegt werden. Das Risiko soll hier nicht zu groß sein, daher wird breit gestreut. Hier habe ich nicht den Anspruch den Markt zu schlagen, sondern möchte von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung langfristig profitieren. Hierfür lege ich den Betrag zu 2/3 in einen ETF auf den MSCI World und zu 1/3 in einen ETF auf den Emerging Market an.

Neben dem monatlichen Sparen möchte ich allerdings auch durch gezielte Einzelinvestments versuchen eine Überrendite zu erzielen. Hierbei setze ich auf Qualitätsaktien in Wachstumsmärkten. Die Unternehmen sollten bereits seit mehreren Jahren profitabel wachsen und auch finanziell solide aufgestellt sein. Diese Qualitätsaktien sind häufig teuer, weshalb ich neben ein paar „Big Playern“ auch auf Nebenwerte setze. Diese sind für große Investoren meist zu klein, um darin investieren zu können und der breiten Masse oft noch unbekannt, sodass bei frühzeitigem Einstieg das ein oder andere Schnäppchen gemacht werden kann. Von diesen „Hidden Champion“ lassen sich gerade im deutschsprachigen Raum einige finden, die in ihrer Nische als Weltmarktführer in die ganze Welt exportieren.

Als drittes darf beim investieren meiner Meinung nach der Spaß auch nicht zu kurz kommen. Daher ist ein kleiner Teil meines Portfolios auch in Unternehmen investiert, die meine Kriterien eines Qualitätsunternehmens nicht erfüllen. Es handelt sich um langfristig angelegte Spekulationen in Wachstumsunternehmen. Gerade in jungen wachsenden Märkten sind die Unternehmen häufig noch nicht profitabel und teilweise auch erst seit ein paar Jahren am Markt. Das Potenzial ist hier allerdings enorm. Da eine hohe mögliche Rendite jedoch immer mit einem hohen Risiko einhergeht wird hier nur ein sehr geringer Anteil investiert.

Wie wählst du diese Aktien genau aus?

Ich schaue mir Branchen oder Märkte an, die voraussichtlich in den nächsten Jahren wachsen werden. Anhand von Fundamentaldaten versuche ich dann hier das Unternehmen zu finden, welches hiervon in den nächsten Jahren überproportional profitieren kann. Bei den Qualitätsunternehmen ist mir hier wie bereits beschrieben wichtig, dass sie bereits profitabel wachsen. Nach Möglichkeit liegen die Margen bei dem Unternehmen höher als bei den Wettbewerbern bzw. schaffen sie es ihre Margen kontinuierlich zu steigern. Das spricht dafür, dass die Produkte, denen der Konkurrenz überlegen sind. Auch eine solide finanzielle Grundlage ist mir wichtig, wie eine gute Eigenkapitalquote oder ein positiver operativer Cashflow. Erst wenn ich ein Unternehmen gefunden habe, was meinen Kriterien entspricht schaue ich auf den Aktienkurs und die Bewertungskennzahlen, denn nur bei einer fairen Bewertung kommt es dann auch zu einem Kauf. Hierfür wird zum einen die DCF-Analyse verwendet aber auch Kennzahlen wie das faire KGV oder gerade für Unternehmen mit hohem Wachstum das PEG-Verhältnis.

Leons Depot

  • Wirecard
  • MSCI World ETF
  • MSCI Emerging Markets ETF
  • Wikifolio Zukunftsbranchen
  • Mowi
  • Secunet Security Networks
  • Amazon
  • Steico
  • Fabasoft
  • Facebook
  • Dr. Hönle
  • Grenke
  • Isra Vision
  • Mynaric
  • Aphria
  • Cash

Unsere Einschätzung

Vielen Dank, Leon, dass du dein Depot bei uns vorstellst. Wie man auf den ersten Blick sieht, hast du einen deutlichen Fokus auf Technologiewerte und wachstumsstarke Unternehmen, welche entsprechend höher bewertet werden. Deine Cashquote ist zudem relativ gering. Zusammen mit dem hohen Techanteil ergibt sich daraus ein recht offensives Portfolio, zumal allein Wirecard über 20% deines Depots ausmachen. Da du jedoch ähnlich wie wir noch recht jung bist, kann sich dies durchaus auszahlen oder auch durch die zu erwarteten zukünftigen Zuflüsse ausgeglichen werden, sofern sich diese Werte nicht wie erwünscht entwickeln.

Die gedankliche Trennung von Altersvorsorge und dem restlichen Depot ist nach deiner Erklärung schlüssig, da du hier kontinuierlich deinen Vermögensstock erhöhst und langfristig auf den Gesamtmarkt setzt, ohne dass hier Emotionen einen Einfluss haben können. Mit ca. 25% steckt somit ein ordentlicher Betrag in diesen Investments, der nur geringen Monitoringaufwand mit sich bringt und trotzdem ein solide Rendite liefert.

Das Investment in dein eigenes Wikifolio mag für deine Investoren konsequent und positiv sein, allerdings finden sich hier viele Dopplungen zu deinem echten Depot. Dieses Investment wird sich folglich sehr ähnlich zu deinem restlichen Portfolio entwickeln, hat jedoch erhebliche Nachteile was die laufenden Kosten und Sicherheit betrifft. Ein Wikifolio erzeugt laufende Kosten, was die Rendite im Vergleich zu einer Direktinvestition schmälert. Zeitgleich erwirbt man hier nur ein Zertifikat, welche im Vergleich zu Aktien nur einen rechtlichen Anspruch gegenüber dem Emittenten bedeuten, wodurch im Falle einer Insolvenz von L&S erhebliche Verluste auftreten können.

Wie du selbst schon sagst, setzt du, ähnlich wie wir, auf einen Mix aus großen, ertragsstarken Unternehmen und weniger diversifizierten Small- und Midcaps, von denen du dir eine höhere Rendite erhoffst. Rechnet man Wirecard mittlerweile auch zu den größeren Unternehmen dazu, so liegt der Anteil der größeren Unternehmen, bestehend aus Amazon, Facebook und Wirecard, zwischen 25% und 30% deines Gesamtdepots. Uns persönlich ist die hohe Gewichtung von Wirecard zu hoch angesetzt, da die Entwicklung von Wirecard dein Portfolio maßgeblich bewegen wird, was in Anbetracht derer Volatilität und Newsflow-gesteuerten Kursschwankungen unserer Meinung nach nicht ideal ist. Wir sehen dort hohe Ungewissheit über die zukünftige Entwicklung, gerade in Hinblick auf die immer wieder aufkommenden Vorwürfe der Bilanzmanipulation. Gerade bei Unternehmen aus dem Finanzdienstleistungsbereich halten wir dies für besonders kritisch, da diese Geschäftsmodelle meist auf Vertrauen gegenüber dem Anbieter beruhen. Unserer Meinung nach ist der Ausgang für Außenstehende nur schwer sachlich zu beurteilen, da die dazu notwendigen Informationen nicht öffentlich zugänglich sind, so dass man hier auf einen glücklichen Ausgang setzt, sofern man diese Aktie im Depot hat.

Amazon und Facebook hingegen zählen international zu den Börsenschwergewichten, wobei sich besonders bei Amazon die Geister scheiden. Ob man ein unserer Meinung nach relativ hoch bewertetes Konglomerat im Depot haben muss, sollte jeder selbst entscheiden. Wir persönlich sehen da einige Kandidaten, welche in deinem Portfolio größeres Wachstumspotenzial durch ihre Fokussierung aufweisen. Facebook hingegen punktet aktuell jedoch durch eine eher niedrige Bewertung im Vergleich zu den Peers, was zum einen interessant ist, jedoch zeitgleich mit einem Gewinneinbruch einhergeht. Der Markt scheint hier dem Wachstum als auch der aktuell hohen Marge eher skeptisch gegenüberzustehen. Langfristig sehen wir bei Facebook, neben Google und Microsoft, das Potenzial eine Art neue Kategorie von Staples zu schaffen, die neben den „alten“ Staples wie Procter & Gamble, Johnson & Johnson oder Nestlé bestehen und ihre Aktionäre mit planbaren Dividenden- und Gewinnsteigerungen belohnen können.

Ähnlich wie Mario bevorzugst du bei deinen Small- und Midcap Investments besonders deutsche oder aus dem deutschsprachigen Raum stammende Unternehmen. Mit Fabasoft, Steico, Grenke, Isra Vision und Secunet und Dr. Hönle fallen fast 20% deines Portfolios auf diese Kategorie. Da diese Unternehmen im Vergleich zu anderen Smallcaps teilweise eher regional tätig sind, hängt deren Entwicklung maßgeblich an der mitteleuropäischen Konjunktur. Wir persönlich bevorzugen an dieser Stelle regional diversifiziertere Smallcaps, wie beispielsweise Medistim oder Vetoquinol, da die gefühlte Sicherheit und Transparenz bei Unternehmen aus der eigenen Region meist quantitativ nicht nachweisbar ist.
Fabasoft ist uns jedoch bereits durch unsere Analyse sehr gut bekannt und fällt besonders durch die Tochter Mindbreeze weiterhin sehr positiv auf, wodurch sie zudem auch international diversifizieren, da diese bereits mit renommierten Institutionen wie der FDA, Wells Fargo oder Freddie Mac zusammenarbeiten. Isra Vision hatten wir länger, seit 2016, auf dem Radar, haben diese jedoch seit ihrem Anstieg etwas aus den Augen verloren. Da diese jedoch kürzlich übernommen wurden, sind wir gespannt, wie du dieses Unternehmen ersetzen wirst. Cognex wäre beispielsweise eine Alternative in diesem Bereich.

Zudem hältst du dir laut deiner Beschreibung ein gewisses Budget für noch spekulativere Investments vor. Auf den ersten Blick zählen dazu Aphria und Mynaric. Solange diese Investments weiterhin einen kleinen Anteil am Depot haben, kann man diese aus Motivationsgründen noch einigermaßen rechtfertigen und sich über kurzfristige Spekulationsgewinne freuen, sofern diese eintreten. Im Falle eines Flops halten sich die Verluste zudem in Grenzen. Wir persönlich verzichten eher auf solche Investments, da diese trotzdem Zeit bei der Beobachtung und Analyse kosten und der Depotanteil meist zu klein ist, als dass sich hohe Kurssteigerungen signifikant auf die Depotperformance auswirken, wodurch für uns das Aufwand-Ertrags-Verhältnis ungünstig ist.

Fazit

Dein Portfolio besteht auf den ersten Blick aus einer Vielzahl von Unternehmen und scheint gerade optisch durch die zusätzlich vorhandenen ETFs gut diversifiziert zu sein. Insgesamt verfolgst du eine relativ aggressive Investitionsstrategie, was in Anbetracht deines Alters und beruflichen Tätigkeit durchaus gerechtfertigt sein kann, wenn man höhere Volatilität ertragen kann. Dieser Schwerpunkt sorgte zudem in der Vergangenheit für sehr attraktive Renditen.

Genauer betrachtet besitzt du allerdings ein sehr konzentriertes Portfolio, was mit Wirecard ein hohes Positionsrisiko hat und aus unserer Sicht eine schwer einschätzbare Wette auf den Ausgang der Untersuchungen zu den Betrugsvorwürfen ist, was sich auch in dem aktuellen Kursniveau widerspiegelt. Neben Wirecard finden sich zudem noch einige deutsche Unternehmen in deinem Depot, die auf einen Home Bias hindeuten, wodurch du unserer Meinung nach tolle Investitionschancen im amerikanischen und europäischen Wirtschaftsraum aufgrund des bereits investierten Kapitals verpassen könntest.

Dieser Fokus, neben den anderen offensiven Investments, ist jedoch nach deinen Ausführungen beabsichtigt und wird somit von dir konsequent durchgezogen. Bei deinen Bewertungsmethoden verwendest du zudem ein breites Spektrum an Verfahren, welche teilweise sehr sensitiv bei der Parameterwahl sind und in gewissen Fällen eine gefühlte Sicherheit bei der Bewertung geben können, die in zu optimistischen Annahmen begründet sein kann. Wir wollen dich an dieser Stelle auf das dir wahrscheinlich bereits bekannte Risiko hinweisen und dir weiterhin viel Erfolg beim Depotaufbau wünschen!

Nun seid ihr dran!

Was haltet ihr von Leons Depot? Gebt ihm und uns gerne Feedback. Falls ihr selbst euer Depot bei uns veröffentlichen wollt, schreibt uns eine Mail an kontakt@junge-investoren.de mit euer Depotaufstellung und jeweils kurzen Antworten auf unsere Fragen.

In unserer Facebook Community könnt ihr zudem Fragen zu unseren Analysen, Beiträgen stellen oder eure Depots diskutieren.

Felix Alexander Müller

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2 Kommentare zu “Zeig dein Depot #2: Leons Depot”

  1. Hallo Felix und Thorben,

    danke für eure Einschätzung! Die aggressive Ausrichtung meines Depots ist mir bewusst. Gerade in Zeiten der Verunsicherung wie aktuell durch das Coronavirus ist die Volatilität natürlich enorm. Bisher bin ich damit jedoch ganz gut klar gekommen. Isra vision habe ich nach dem Übernahmeangebot mit ca. 65 % Gewinn verkaufen können. Damit habe ich mir vor kurzem dann die Frequentis AG und Appen Ltd. ins Depot gelegt.

    Schöne Grüße und macht weiter so! 🙂

    1. Hallo Leon,

      wir danken dir, dass du dein Depot mit uns geteilt hast und dabei auf deine Überlegungen und Ideen eingegangen bist. Wir finden es immer sehr interessant, Einblicke zu erhalten und so ggf. auch Anregungen für das eigene Depot zu erhalten.
      Die Tage aktuell sind tatsächlich sehr spannend – wer jedoch seine „Hausaufgaben“ gemacht hat, dürfte jedoch ganz ruhig und entspannt sein und diese Chance für sich nutzen. Gefühlt schon etwas länger her, dass sich an der Börse günstigere Kurse angeboten haben.

      Danke dir,
      Thorben

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