Zeig dein Depot #1: Marios Depot

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Depotvorstellungen 2 Kommentare

Heute möchten wir euch unsere neue Beitragsserie, zeig dein Depot, vorstellen. Hierbei habt ihr die Chance euer Depot und eure Anlagephilosophie vorzustellen und von uns und unseren Lesern Feedback zu erhalten. In jedem Beitrag werden wir unsere Einschätzung zu den von euch eingesendeten Depots und Strategien nennen. Genaueres erfahrt ihr hier. Wenn ihr interessiert seid, könnt ihr euch gerne bei uns melden!

Über Mario

Profilbild von Mario

Mario hat einen Bachelor in Economics und arbeitet nun bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und Unternehmensberatung Pricewaterhouse Coopers (PwC). Neben seinem aktiv laufenden Masterstudium ist er außerdem Vorsitzender des Akademischen Börsenvereins Bochum e.V.

Wie bist du zum Investieren gekommen?

Es ist schwer zu sagen wie genau ich zum Investieren gekommen bin, aber eine große Faszination übte die Börse bereits in frühester Jugend auf mich aus.
Warum etwa musste ich auf die 3% Zins meines Sparbuches ein ganzes Jahr lang warten, während ich im Live Ticker des Fernsehens genau erkennen konnte, dass dies auch an einem einzigen Tag möglich war?
Die Begeisterung hat sich gehalten und motiviert mich bis zum heutigen Tag.
Meine Familie konnte meine Fragen eigentlich nie wirklich beantworten – heute kümmere ich mich um ihre Portfolios.

Warum investierst du dein Geld in Aktien?

Ziel der Investitionen ist der langfristige Vermögensaufbau und die frühere Erreichung des Ruhestands.

Der geneigte Börsianer weiß genau, dass fast jede Nachricht einen Bezug zur Börse hat, sie bringt uns dazu über unser Umfeld und unsere Zukunft nachzudenken. Ist das neuste Krebsmedikament der Durchbruch, kommt unser Salat aus der Fabrik oder gibt es bald noch Taxi Fahrer?
Börse ist weit Mehr, als nur krakelige Linien!

Welche Strategie verfolgt du bei deinen Investitionen?

Meine primäre Strategie ist das langfriste und nachhaltige Investieren in Unternehmen, die über Jahre wachsende Mehrwerte generieren. Ich möchte bereits früh an den Stars und Cash Cows von morgen partizipieren. In Ermangelung adäquater Einstiegsgelegenheiten und der Möglichkeit kurzfristige Chancen zu nutzen, wird aktuell eine Cashquote von 35% vorgehalten.

Interessant sind für mich vor allem zwei Arten von Unternehmen: Günstige, ertragsstarke Value Aktie und zukunftsorientierte Wachstumsaktien – High Yield- High Growth. Beide Typen zusammen bilden bereits eine wichtige Basisdiversifikation gegenüber Konjunktur und Anlagezyklen. Weitere Streuung wird durch eine starke Branchen-Diversität und aus der Kombination von Large-, Mid- und Smallcaps erreicht. Ich bin grundsätzlich sehr affin gegenüber kleinen Gesellschaften, da sie das größte Potential bieten. Jedoch müssen sie bereits über ein gefestigtes Geschäftsmodell verfügen und dies nachhaltig mit Zahlen untermauern können. Von Fantasie getriebene Hype Aktien sind grundsätzlich uninteressant.

Wie wählst du diese Aktien genau aus?

In einem ersten Schritt verschaffe ich mir einen groben Überblick über das Unternehmen. Produkte, Länder, Kunden, Absatzwege…? Gefühlt dreimal täglich erwische ich mich dabei zu googeln, wer dieses oder jenes eigentlich herstellt und ob ich mich an dieser Firma beteiligen kann.
Klingt das Unternehmen interessant, wird zunächst das Geschäftsmodell sehr gründlich analysiert und der Geschäftsbericht durchgearbeitet. Ich achte insbesondere auf Burggräben, Innovationen, Zukunftsaussichten, Unternehmensstrategie, Kunden, Abhängigkeiten und Verhandlungsmacht.

In einem zweiten Schritt wird geprüft, ob sich das dargestellte Bild durch Zahlen untermauern lässt. Sowohl die allgemeine Entwicklung in Bilanz und GuV, als auch Kennzahlen sind dafür erheblich. Ist die Faktenlage zufriedenstellend abgearbeitet und vermittelt ein insgesamt positives Bild, landet die Aktie auf der Watchlist, wie aktuell 36 andere Kandidaten.

Um ins Depot aufgenommen zu werden, muss die Aktie zu einem attraktiven Preis zu erwerben sein. Growth Aktien bewerte ich, aufgrund schwieriger Prognostizierbarkeit von Cash-Flows, in der Regel anhand von Multiplikator-Modellen. Bei Value Titeln bevorzuge ich DCF-Verfahren sowie Levermann Kriterien. Die Bewertung wird jeweils in Bezug zur Unternehmensanalyse interpretiert und ist keine rein mathematisch getriebene Kaufentscheidung.

Hat es eine Aktie ins Depot geschafft, wird ihr Gelegenheit gegeben sich zu entwickeln. Man muss erst einmal akzeptieren, dass Vermögensaufbau im Kern etwas sehr Langwieriges ist und auch gute Aktien schwächere Phasen haben. Eine Überprüfung erfolgt unregelmäßig und Anlassbezogen.
Auf ein Rebalancing wird hingegen vollständig verzichtet. Um es mit den Worten von Markus Elsässer auszudrücken, man muss das Unkraut herauszupfen und nicht die Rosen abschneiden.

Marios Depot

Zeig dein Depot - grafische Darstellung Marios Depots

Marios Depot besteht aus 14 Positionen und einem Cashanteil von 35%.

  • Gazprom
  • Fuchs Petrolub
  • Kion
  • M1 Kliniken
  • British American Tobacco
  • Mowi
  • Kraft Heinz
  • Walt Disney
  • Intuitive Surgical
  • Daikin Industries
  • Activision Blizzard
  • CTS Eventim
  • Yum China
  • Teva Pharmaceuticals

Unsere Einschätzung

Vorab vielen Dank, Mario, dass du uns zu der Idee, Zeig dein Depot, angeregt hast und gleich auch deine Strategie und dein Depot offenlegst.

Deine Strategie gefällt uns sehr gut, da du dir viele Gedanken über die Auswahl, aber auch beim Finden neuer dir unbekannter Unternehmen machst. Dein Depot ist mit 14 Einzeltiteln gut aufgestellt und kann auch noch neben dem Beruf gut überblickt werden. Auf den ersten Blick stimmen deine ausgewählten Unternehmen mit deiner Strategie überein, wobei du gerade bei deiner zweiten Säule, den Wachstumswerten, mit Unternehmen wie M1 Kliniken, CTS Eventim und Kion anscheinend deutsche Unternehmen bevorzugst. Eine Cashquote von 35% ist natürlich relativ hoch und kostet langfristig Rendite, allerdings sind wir auch der Meinung, dass man sich seiner Strategie treu bleiben sollte, um nicht heißgelaufenen Trends hinterherzurennen. Auf der anderen Seite gab es unserer Meinung nach im letzten Jahr einige Gelegenheiten für attraktive Investments, so dass für uns der Cashanteil tendenziell geringer sein könnte und man trotzdem noch genügend Reserven hat, um Chancen wahrzunehmen.

Man kann zudem eine gewisse Fokussierung auf ausschüttungsstarke Unternehmen erkennen, welche teilweise stärker abgestraft wurden. Dies ging bei einer Gazprom, welche die größte Einzelposition bilden, in den letzten Jahren sehr gut, da sie ihre Ausschüttungspolitik überdacht haben und so den Aktionären in Zukunft deutlich höhere Ausschüttungen in Aussicht gestellt haben. Wie sich dies im Zusammenhang mit dem präsenten und politischen Russlandrisiko entwickelt, bleibt abzuwarten.

Interessant sind einige „fallen angels“ wie Kraft Heinz oder Teva Pharmaceuticals, welche historisch in betrachtet zur Strategie passen, unserer Meinung nach jedoch eher in die Kategorie „value trap“ zählen. Kraft Heinz ist im Vergleich zur Konkurrenz hoch verschuldet mit einem op. Gewinn / Net Debt > 4 und hat zudem mit fallenden Umsätzen und Margen zu kämpfen, was zeitgleich die Situation verschlechtert. Die Dividende hat man zu zaghaft gekürzt, um den anhaltenden Problemen entgegenzutreten.
Teva Pharmaceuticals steckt in einer ähnlichen Lage. Preisdruck der Konkurrenz führte zu sinkenden Erlösen und Gewinnen, so dass zeitgleich Sonderabschreibungen auf vorhandene Medikamente durchführen musste. Zusätzlich sind sie noch stärker verschuldet als Kraft Heinz, so dass man sich die Frage stellen kann, ob sie sich aus eigener Kraft aus dieser Situation befreien können. Der Markt mit Generika wird weiterhin hart umkämpft bleiben.

Unserer Meinung nach könnte man an dieser Stelle über einen Austausch in solidere Peers nachdenken. Für Kraft Heinz wären dies beispielsweise Nestlé oder eine aktuell weniger teure Unilever, welche beide deutlich konservativer finanziert sind und ein zukunftsgerichteteres Portfolio aufweisen. Für Teva wäre zu überlegen, ob man von Pharma verstärkt in die Richtung MedTech wechselt. Ein Allrounder wäre hier selbstverständlich Johnson & Johnson, welche in den letzten Jahren jedoch ebenfalls eher schwach gewachsen sind. Alternativ sehen wir Stryker als wachstumsstarke Alternative an, welcher ein reiner MedTech-Player ist.

Mit Kion, Fuchs Petrolub und Daikin Industries hältst du zudem Unternehmen im Depot, welche tendenziell konjunktursensibler sind. Kion ist als Anbieter von Gabelstablern und Logistikfahrzeugen- sowie Systemen neben Toyota der direkte Konkurrent zu der von uns analysierten Jungheinrich. Kion weist selbst ebenfalls eher schwache Margen auf und wuchs in der Vergangenheit vor Allem anorganisch, was Spuren in der Bilanz hinterließ. Wir persönlich sehen hier Jungheinrich etwas besser aufgestellt. Fuchs Petrolub halten wir hingegen für ein spannendes Unternehmen, sogleich eine stärkere Abhängigkeit vom Automobilsektor vorhanden ist. Als Nischenspezialist konnten sie über viele Jahre eine sehr stetige Umsatz- und Gewinnentwicklung aufweisen. Da du somit über 20% deines Depots in Industrieunternehmen investiert hast, halten wir stärkere Schwankungen in diesem Bereich nicht für unwahrscheinlich, was dir jedoch bewusst sein wird.

Abschließend wollen wir jedoch besonders Walt Disney, CTS Eventim und Intuitive Surgical hervorheben. Alle drei sind in ihren Kernsegmenten die Marktführer. Wer gerne ins Kino geht oder Serien sieht, wird an Walt Disneys Imperium an Content kaum vorbeikommen. Mit Disney+ baut man sich zudem eine Plattform auf, mit der man seine einzigartigen Inhalte gezielt und vor allem exklusiv vermarkten kann. In unserer kürzlich veröffentlichten Analyse findet ihr weitere Details dazu. Wenn man hingegen eher an musikalischer Unterhaltung oder Events interessiert ist, so wird man fast zwangsweise beim Ticketportal von CTS Eventim landen. Sie sind in diesem Bereich im deutschsprachigen Raum Quasi-Monopolist, so dass manche Konzerte nur über sie buchbar sind.

Intuitive Surgical ist der Hersteller vom OP-Roboter Da-Vinci, welcher besonders für minimal-invasive Eingriffe verwendet wird und seit Einführung noch kaum bis keine Konkurrenz hatte, so dass man in diesem Segment in der Vergangenheit stark wachsen konnte. Etablierte Medizintechniker haben auf diesen Trend zu spät reagiert und ihnen das Feld überlassen. Ob dies jedoch zukünftig auch der Fall sein wird und inwiefern ihre Roboter dem Menschen überlegen sind, bleibt zudem abzuwarten.

So herausragend diese Unternehmen sind, so hoch bewertet sind sie gleichzeitig. Zumindest von Disney erwarten wir aktuell keine großen Kurssprünge.

Fazit

Zusammenfassend halten wir dein Depot für solide aufgestellt. Man merkt, dass du auch abseits der großen bekannten Unternehmen nach Chancen suchst und an diesen auch partizipierst. Als Kritikpunkt sehen wir persönlich lediglich den leichten Home Bias, das einzelne Festhalten an Teva und Kraft Heinz, welche keine Anzeichen auf operative Verbesserungen zeigen und den tendenziell eher hohen Cashanteil, welcher so keine wirkliche Rendite für dein Depot erwirtschaften kann. Dies sind jedoch unsere persönlichen Einschätzungen. Am Kapitalmarkt führen bekannterweise viele Wege nach Rom.

Wir sind gespannt, wie sich dein Depot weiterhin entwickelt und freuen uns über weitere Updates zu deinem Depot, sofern du sie mit uns teilen möchtest.

Nun seid ihr dran!

Was haltet ihr von Marios Depot? Gebt ihm und uns gerne Feedback. Falls ihr selbst euer Depot bei uns veröffentlichen wollt, schreibt uns eine Mail an kontakt@junge-investoren.de mit euer Depotaufstellung und jeweils kurzen Antworten auf unsere Fragen.

In unserer Facebook Community könnt ihr zudem Fragen zu unseren Analysen, Beiträgen stellen oder eure Depots diskutieren.

Felix Alexander Müller

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Thorben Grabinski

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2 Kommentare zu “Zeig dein Depot #1: Marios Depot”

  1. Hallo junge-Investoren,

    eine prima Idee mit „zeig dein Depot“. Ich finde es immer spannend in andere Depots zu schauen und vor allem die Intentionen der Besitzer zu erfahren.
    Zur konkreten Vorstellung: Mir gefällt, dass du, Mario, eine klare Strategie hast! In der Umsetzung bist du nicht 100%ig stringent – ich teile die Einschätzung der jungen Investoren.

    Beste Grüße
    Bastian

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