Depotupdate Teil 2: Aussortiert!

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Depotupdate: Beitragsbild Verkäufe

Im zweiten Teil meines Depotupdates werde ich auf meine Verkäufe eingehen, die ich im Rahmen meiner angepassten Anlagestrategie vorgenommen habe. Was mich dazu bewegt hat, meine Strategie zu überdenken und anzupassen, könnt ihr gerne hier im ersten Teil des Depotupdates noch einmal nachlesen.

Meine Verkäufe

Wells Fargo

Mein Investment in Wells Fargo habe ich komplett aufgegeben, da sämtliche meiner Überlegungen fehlgeschlagen sind. Wells Fargo war und ist auch noch durch den auferlegten Asset-Cap stark beeinträchtigt. Dieser scheint länger Bestand zu haben, als ich das ursprünglich angenommen habe. Im Rahmen der etablierten Corona-Hilfsprogramme, bei denen die Banken einen essentiellen Anteil bei der Ausführung und Umsetzung hatten, wurde der Asset-Cap durch die FED zwar angehoben, Wells Fargo dürfe daraus resultierende Profite jedoch nicht behalten. Es scheint so, als ob diese Einschränkung noch länger Bestand haben wird.

Die Qualität der Wells-Fargo-Assets ist sehr hoch und würde durch den Asset-Cap noch weiter erhöht, so dass Wells Fargo im Falle einer Krise deutlich besser vs. derer Peers abschneiden dürfte. So habe ich gedacht und dies stellte sich als großer Fehler heraus. Entgegen meinen Überlegungen musste Wells Fargo erhebliche Rückstellungen für Kreditausfälle bilden, höher als deren Konkurrenz. Um die Rücklagen bilden zu können, hat Wells Fargo sowohl die Aktienrückkäufe beendet als auch die Dividende signifikant reduziert. Mein Investmentcase hat zu einem Großteil auch auf deren Ausschüttungspolitik beruht, die damit hinfällig wurde.

Nun ist es nicht so, dass ich meine Investments sofort über den Jordan schicke, sobald diese in operative Schwierigkeiten geraten. Bei Wells Fargo habe ich jedoch verstärkt den Eindruck gehabt, dass sich diese mittel- bis langfristig weiter schwer tun werden. Das Zinsumfeld macht den Banken zu schaffen und die Notenbanken haben bereits angekündigt, das Zinsniveau in den nächsten Jahren nicht wieder anheben zu wollen. Dann die Auflagen durch den Skandal in 2016, die hohen Rechtskosten sowie der anhaltende Asset-Cap.

Unterm Strich war Wells Fargo mein erster richtiger Fehlgriff in nun knapp 8 Jahren an der Börse. Durch meine hohe Gewichtung haben mich die Kursverluste durchaus empfindlich getroffen und sind der Hauptgrund dafür, dass sich mein Depot im Vergleich zum Jahresbeginn noch nicht vollends erholen konnte. Inkl. ausgezahlter Dividenden habe ich hier einen Verlust von knapp 40% zu realisieren.

BASF

BASF habe ich ebenfalls komplett verkauft, nachdem mir dort letztlich auch die Geduld gefehlt habe. Seit über 6 Jahren hatte ich diese Aktie im Depot und trotz dieser langen Haltedauer ist bei der Performance nichts passiert. Das Investment hat sich irgendwann wie ein Bremsklotz angefühlt, der das Depot immer wieder zurückhält. Die Kursentwicklung an sich gibt wenig Aussage darüber, ob ein Investment nun wirklich gut ist oder nicht, jedoch gab es auch in den 6 Jahren keinerlei operative Verbesserung des Geschäfts. Viel wurde in Angriff genommen und doch kam am Ende nichts bei herum. Schade ist, dass BASF als Unternehmen oft auch von äußeren Einflüssen geschädigt wurde, wofür das Management nicht viel konnte, das Geschäft aber doch immer wieder zurückgeworfen hat. Beispiel dafür war u.a. das Rhein-Niedrigwasser. Der Ausblick ist ebenfalls nicht sehr gut, die Abspaltung von dem Öl- & Gasgeschäft ist durch die sich drastisch veränderte Marktlage ebenfalls vorerst vom Tisch und auch das Kerngeschäft wird nicht von einer schnellen Erholung profitieren können. Für mich ein Grund, das Investment zu beenden. Die Performance belief sich inklusive erhaltener Dividenden auf +/- Null.

Walt Disney

Bei Walt Disney habe ich einen Teilverkauf vorgenommen, was mir durchaus schwergefallen ist. Mir gefällt das Unternehmen sehr gut und insbesondere die Marke „Walt Disney“ halte ich für eine der stärksten auf der ganzen Welt. Disney ist jedem Menschen auf der Welt ein Begriff. Was vor Corona noch eine Gelddruckmaschine gewesen ist, verbrennt nun aktuell gleichermaßen Geld. Die Parks, Resorts & Kreuzfahrtflotten mussten herbe Umsatzrückgänge verbuchen und auch das Kinogeschäft ist massiv eingebrochen. Bleiben noch der Sportsender ESPN, aber welche Sportveranstaltungen soll dieser eigentlich übertragen? Das Geschäft von Disney wurde durch Corona empfindlich getroffen und nach meiner Einschätzung wird sich das in naher Zukunft nicht ändern. Disney+ ist bislang ein toller Erfolg, mit dem in dieser Form nur die wenigsten gerechnet hätten. Dieser reicht jedoch nicht aus, um die anderen Geschäftsbereiche auffangen zu können. Die Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten ist weiterhin hoch, während die Hilfsprogramme auslaufen. Viele Menschen können und werden sich teure Park- oder auch Kinobesuche mit der Familie schlicht nicht mehr leisten können. Erst mit einer deutlichen wirtschaftlichen Verbesserung wird Disney wieder an alte Erfolge anknüpfen können, vorausgesetzt, die Menschen haben durch Corona keine bleibenden Ängste, was Ansammlungen vieler Personen an engen Orten betrifft. Meine Position habe ich daher um etwas weniger als die Hälfte reduziert. Insgesamt konnte ich hier einen Gewinn von 30% realisieren.

Jungheinrich

Jungheinrich halte ich ebenfalls für ein sehr gutes Unternehmen, das wir euch hier auf dem Blog auch schon vorgestellt haben. Hier hat mich letztlich die Bewertung zu einem Teilverkauf bewogen. Vor Corona lief es für Jungheinrich operativ sehr gut und man konnte in allen Geschäftsbereichen fortschritte erzielen. Dann kam Corona und die Auftragseingänge sind deutlich zurückgegangen, wobei Jungheinrich noch von einem sehr guten Auftragsbestand zehren konnte. Die gute Bilanz und die konservative Geschäftsführung haben Jungheinrich sehr gut durch die Krise kommen lassen. Der Aktienkurs hat sich in Folge dessen auf zwischenzeitlich fast 30€ erholt, was ich dann doch für übertrieben halte. Damit liegt Jungheinrich bewertungstechnisch deutlich über dem Niveau vor der Krise und das, bei dann doch spürbar niedrigeren Umsätzen und Gewinnen. Meine Position habe ich um knapp 2/3 reduziert und konnte so schöne Kursgewinne sichern. Grundsätzlich kann ich mir eine erneute Ausweitung meiner Position vorstellen, sollte sich das Kursniveau wieder auf ein ansprechendes Maß begeben. Unterm Strich habe ich einen Gewinn von knapp 50% erzielt.

Hotel Chocolat

Bei Hotel Chocolat habe ich ebenfalls einen Teilverkauf durchgeführt. Für mich ein tolles und vielversprechendes Unternehmen, welches voraussichtlich auch längerfristig von Corona betroffen sein dürfte. Hotel Chocolat verkauft Produkte rund um das Thema Schokolade. Es handelt sich bei den Produkten um hochpreisige Luxusartikel, wo Artikel schnell über 30 Euro kosten. Zu Anlässen wie Weihnachten, zum Geburtstag oder zu wichtigen Jubiläen sind diese Produkte im Grunde ein Selbstläufer, da man gerne hochwertige Produkte verschenken möchte. Nun haben wir jedoch eine wirtschaftliche Schwächephase, durch die viele Menschen arbeitslos geworden sind oder nur noch zu reduzierten Bezügen arbeiten können. Da stellt sich dann schon die Frage, ob man dann Schokolade für über 30 Euro kauft, wenn man gerade mit geringerem Einkommen zu kämpfen hat oder sogar von Arbeitslosenhilfe leben muss. Ähnlich wie bei Disney, gehe ich von einer nur moderaten Erholung der Wirtschaft aus, so dass auch bei Hotel Chocolat eine längere Leidenszeit bevorstehen könnte. Das Unternehmen gefällt mir nach wie vor sehr gut, einen Teil meiner Position habe ich jedoch aus den oben genannten Gründen verkauft, um Kapital für andere Investments zu schaffen. Das Ergebnis beläuft sich auf +/- Null.

Fazit

Im dritten Quartal habe ich mich von zwei Unternehmen komplett, von drei weiteren in Teilen getrennt. Dabei handelte es sich um Unternehmen, die massiv durch Corona beeinträchtigt wurden und wohl auch mittelfristig mit weiteren Schwierigkeiten zu kämpfen haben werden. Für mich war es eine ungewöhnlich hohe Dichte an Verkäufen, die ich in einer solch kurzen Zeit durchgeführt habe. Insbesondere Wells Fargo war für mich ein herber Rückschlag für das Depot. Die Realisierung des Verlustes hat durchaus Überwindung gekostet und doch fühle ich mich jetzt im Nachhinein sehr gut mit dem Verkauf. Aus Fehlern muss man lernen und das tue ich aus dem genannten Beispiel.

Im nächsten Beitrag erfahrt ihr, wie ich die erhöhte Liquidität genutzt habe und bei welchen Unternehmen ich zugekauft habe. Lasst mich bis dahin doch gerne wissen, wie ihr über die genannten Unternehmen denkt? Wie wäret ihr vorgegangen? Habt ihr ähnliche Entscheidungen für euer Depot treffen müssen?

Hinweis: Schaut gerne auch auf Facebook in unserer Junge-Investoren-Community vorbei, die nun schon über 100 Mitglieder zählt. Tausche dich dort direkt mit anderen Investoren über vielversprechende Investments aus oder hole dir spannende Ideen und Anregungen.

Viele Grüße
Thorben

Thorben Grabinski
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2 Kommentare zu “Depotupdate Teil 2: Aussortiert!”

  1. Hallo Thorben,

    ich finde es richtig und konsequent, Wells Fargo und BASF komplett zu veräußern. Wenn wie in diesen Fällen der Investmentcase nicht eintritt, besteht Handlungsbedarf. Den scheuen viele Anleger, weil es meist auch ein Eingestehen von eigenen Fehlern oder Fehleinschätzungen ist. (Ich selbst will mich davon auch nicht freisprechen.)
    Die Krux ist immer den richtigen Zeitpunkt zu erwischen, d.h. dem Unternehmen angemessen Zeit zum Gegensteuern einzuräumen und gleichzeitig nicht zu viel Boden zu verlieren. Mit Blick auf meine vergangenen Transaktionen bin ich da fast immer zu geduldig gewesen.
    Ist aber auch eine Frage der Gewichtung:
    Positionen mit 8-12% Gewicht haben maßgeblichen Einfluss auf die Depotperformance und da sollte man tendenziell nicht zu lange mit einer Entscheidung warten.
    Wenn -wie bei mir- beispielsweise mein Trauerspiel RDS nur noch 0,8% Depotgewicht ausmacht, braucht es keine stundenlangen Überlegungen. Die Zeit kann man besser investieren. 🙂

    Beste Grüße
    Bastian

    1. Hey Bastian,

      mit deinem Kommentar hast du es so ziemlich auf den Punkt gebracht. Ist der Investmentcase nicht mehr vorhanden, sollte man entsprechend handeln und das mit der nötigen Konsequenz. Oftmals besteht dabei jedoch eine mentale Hürde. Auf der einen Seite, wie du richtig sagst, weil man mit dem Verkauf quasi den eigenen Fehler „unterschreibt“, auf der anderen Seite, weil die Realisierung eines Verlustes ebenfalls hemmen kann. Oft kommt auch der Gedanke, dass das entsprechende Unternehmen bereits so tief gefallen sei, dass weitere Kursverluste unrealistisch seien. So ging es mir bei Wells Fargo, bei der ich auf die klassische „Value Trap“ hereingefallen bin. Die fallenden Kurse ließen das Investment zunächst günstig erscheinen, jeweils bis zur nächsten Veröffentlichung der Quartalszahlen.

      In Zukunft werde ich solche Fallen (hoffentlich) vermeiden, letztlich auch durch die angepasste Depot-Strategie, keine Abstriche mehr bei der Qualität, zugunsten einer niedrigeren Bewertung, machen zu wollen.

      Viele Grüße
      Thorben

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