Interview mit dividend.doctor: Vom Medizinstudenten zum Pharma- & IT-Investor

und

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Im Gespräch mit Dividend.Doctor Beitragsbild

dividend.doctor ist der Instagram-Kanal von Marvin, mit dem er bereits über 10.000 Follower erreicht. Er ist 22 Jahre alt, studiert Medizin und investiert seit Anfang 2019 in Einzelaktien. Wegen seines Studiums hat er einen besonderen Faible für Pharma, MedTech und Biotech, was man an seinem Depot als auch an den bei Instagram vorgestellten Unternehmen deutlich erkennen kann. Uns gefällt dabei insbesondere der Fokus auf vielversprechende Smallcaps, die wir ja selbst bevorzugt analysieren.

Wem Unternehmen wie Cellink, Appen oder Surgical Science Sweden noch nichts sagen, der sollte unser Interview mit ihm unbedingt zu Ende lesen. Wir freuen uns sehr darüber, dass er sich die Zeit genommen hat einige unserer Fragen zu beantworten. Viel Spaß beim folgenden Interview!

Du bist Medizinstudent und fokussierst dein Depot auf Unternehmen aus dem Gesundheitssektor – wie wirkt sich dein Studium auf deine Anlageentscheidungen aus?

Genau, ich studiere Humanmedizin und bin frisch im klinischen Abschnitt angekommen. Somit habe ich bisher hauptsächlich die „Vorklinik“ (die ersten 4 Semester des Studiums) erlebt, welche natürlich primär auf den Basics rund um Anatomie, Physiologie, Biochemie und deren Grundlagen aufbaut. Deswegen muss ich ehrlich sagen, dass sich das Studium bisher noch nicht wirklich auf meine Anlageentscheidungen ausgewirkt hat. Das starke Übergewicht des Healthcare-/Medizin-Anteils kommt daher, dass ich mich auch neben dem Studium gerne mit medizinischen Themen beschäftige, und dadurch vermehrt in Kontakt mit derartigen Unternehmen komme. Da ich nun frisch „echte Klinik-Luft“ schnuppere, ändert sich das zurzeit jedoch. Das habe ich jetzt während meines Mikrobiologie-Praktikums gemerkt. Vor mir eine Packung Desinfektionstücher von Ecolab, am Tischende ein Entsorgungsbehälter für scharfe Gegenstände von Becton Dickinson, und für die Beimpfung einer „bunten Reihe“ (für die Bestimmung/Differenzierung von Bakterien) ein Teststreifen von bioMérieux.

Findest du auch über dein Studium oder Praktika die vielversprechenden Smallcaps, die du immer wieder auf deinem Instagram-Profil vorstellst? Es ist wirklich beeindruckend, wie viele teils total unbekannte Unternehmen du da immer wieder ausgräbst!

Hier kann ich an die erste Frage oben anknüpfen, bei der es um meine Anlageentscheidungen durch das Medizinstudium geht. Dieselbe Antwort könnte ich hier nämlich auch geben: da ich gerade erst im klinischen Abschnitt meines Studiums angekommen bin, kamen aus der „Praxis bzw. dem Klinikalltag“ noch keine wirklichen Impulse. Das sollte sich aber in der kommenden Zeit ändern. Wie finde ich nun diese eher unbekannten Unternehmen? Zum einen lese ich gerne in Börsenforen, z.B. bei Wallstreet Online, Stocktwits oder Ariva, wo häufig vielversprechende Unternehmen besprochen werden. Desweiteren nutze ich auch kostenlose Screener wie Finviz, Marketscreener oder den Equity Screener der Financial Times. Dort kann man ganz einfach nach Marktkapitalisierung, Branchen, EPS-Wachstum und/oder anderen Kriterien filtern. Zu guter letzt tausche ich mich auch sehr oft mit meinem Vater aus, der ebenfalls leidenschaftlicher Börsianer ist und immer einen guten Ratschlag parat hat.

Welche Kriterien beeinflussen dich bei der Anlageentscheidung für ein Investment in solche Smallcaps wie CELLINK? Ist es die Aussicht auf eine völlig neue Behandlungs- respektive Heilungsmethode oder zählen auch fundamentale Aspekte mit in die Entscheidungsfindung rein?

Eine sehr gute Frage. Von CELLINK habe ich erstmals im Börsenforum Wallstreet Online gelesen, dort wurde der Wert „ausgegraben“/vorgestellt. Nachdem ich mir die Homepage des Unternehmens angesehen hatte, war ich eigentlich direkt angetan von der „Bioprinting“-Technologie (näheres dazu weiter unten). Bisher hatte ich mich nicht allzu intensiv mit dieser Technologie beschäftigt und habe sie für zu futuristisch gehalten. Doch nachdem ich mich mehr und mehr mit dem Geschäftsmodell von CELLINK vertraut gemacht habe, wurde mir klar, dass hier viel Potenzial schlummert. Der CEO selbst bezeichnet das Unternehmen auch als „Uber des Bioprintings“. Das beruht darauf, dass frühe Bioprinter oftmals Unsummen an Geld gekostet haben. CELLINK aber hat effiziente und funktionsfähige Geräte für einen viel attraktiveren Preis auf den Markt gebracht, und so den Markt revolutioniert. Und nicht nur das, der Burggraben, den ich bei CELLINK sehe, liegt nicht nur in den Druckern (Bioprinter), sondern in der „Tinte“ (auch Bioink genannt). Denn während viele Unternehmen die Bioprinter herstellen, ist CELLINK Pionier in der Herstellung und im Vertrieb von Bioink. Auch namhafte Kunden wie Johnson&Johnson, AstraZeneca, Novo Nordisk uvm. sorgen für ein Alleinstellungsmerkmal. Um zur Frage zurückzukommen: Die Aussicht auf eine neuartige Behandlungsmethode ist auf jeden Fall Teil meines Investment-Cases, aber natürlich achte ich auch auf fundamentale Aspekte. Aber auch hier kann CELLINK überzeugen. Das Unternehmen wächst rasant, im zweistelligen Bereich, und ergänzt das Portfolio gleichermaßen geschickt und aggressiv mit Übernahmen. Das Management gefällt mir auch sehr gut, und der Fakt, dass CEO, CTO und CFO zusammen über 40% der Aktien halten, spricht auch für sich. Also überzeugt mich CELLINK als Komplettpaket, sowohl aus fundamentaler Sicht, als auch hinsichtlich der Technologie und ihrem Einsatz in der Medizin.

Tauschst du dich mit deinen Kollegen / Kommilitonen über vielversprechende Unternehmen aus?

Mit meinen Kommilitonen tausche ich mich tatsächlich überhaupt nicht aus, dort kann sich leider niemand wirklich für den Aktienmarkt begeistern lassen. Auch im Freundeskreis gibt es nur einige wenige Leute, mit denen ich mich öfter mal über die Börse austausche. Dieser Umstand war mit auch ein Grund, warum ich meinen Instagram-Account erstellt habe. Dadurch finden sich viele Gleichgesinnte, die sich für die Börse interessieren, und es entstehen tolle Diskussionen mit echtem Mehrwert. Man lernt ständig neue interessante Unternehmen kennen, und leistet nebenbei einen Beitrag für die Förderung der Aktienkultur in Deutschland.

Was ist dein Ziel deines Depotaufbaus – wo siehst du dich in 20 Jahren? Als renommierter Arzt oder als Manager eines Gesundheits ETFs? 😉

Medizinstudium und Fondsmanager? Da war doch was… Klingt nach Michael Burry’s Karriere (“The Big Short”). Mein Depotaufbau zielt in erster Linie natürlich auf eine Altersvorsorge ab, bzw auf eine gewisse finanzielle Stabilität. Ich will mir über die Jahre ein gut selektiertes Portfolio aufbauen, und versuche schon in diesen jungen Jahren einen Grundstein zu legen. Wo ich mich in 20 Jahren exakt sehe, weiß ich aktuell natürlich nicht. Erstmal gilt es, das Studium und einen Facharzt erfolgreich abzuschließen (in der engen Auswahl stehen Orthopädie, Neurologie, Radiologie und Kardiologie), dann steht noch alles offen. Ob es mich in die Klinik, in eine eigene Praxis oder doch in die Pharmaindustrie bzw. Forschung verschlägt, steht noch in den Sternen – alles valide Optionen für mich. Primär will ich in der Medizin einen Beitrag für die Menschheit leisten und helfen, egal auf welcher Art und Weise.

Ähnlich wie wir investierst du auch gerne in kleinere Unternehmen mit solidem Hintergrund. Möchtest du uns abschließend noch mal ein paar deiner Favoriten im Depot vorstellen? Mittlerweile sind ja viele deiner Unternehmensvorstellungen auch direkt ins Depot gewandert.

Sehr gerne. Meine mit Abstand größte Position im Depot (15% Depotanteil) ist das australische Unternehmen Appen (ISIN: AU000000APX). Auf das Unternehmen bin ich erstmals Ende 2018 gestoßen, damals habe ich sogar neben dem Studium für Appen gearbeitet. Meiner Meinung nach ist Appen großer Gewinner des Megatrends KI, und ist global führend im Bereich der Datensammlung. Prinzipiell läuft es folgendermaßen ab: Mehr als eine Million “Remote Worker” aus über 130 Ländern (so damals auch ich) liefern dem Unternehmen Ton-, Bild-, Text- und Videodaten in über 180 Sprachen, welche dann als hochwertige Datenpakete aufbereitet an führende Tech-Unternehmen wie Microsoft oder Apple verkauft werden, die damit KI-Systeme verbessern. Die künstliche Intelligenz wird immer dominanter, und wird bald in vielen Bereichen im Alltag präsent sein. Mit Appen sehe ich mich bestens positioniert, um an diesem Megatrend profitieren zu können. Beispielsweise hat Appen mitgeholfen, die Spracherkennungs-Software “Siri” (Apple) zu entwickeln, und weist allgemein starke Partner, wie Amazon (AWS), Microsoft (Azure), IBM (Watson Studio) und Google (Google Cloud), auf. Auch fundamental steht das Unternehmen exzellent da. Der Umsatz ist in den letzten Jahren mit einer jährlichen Wachstumsrate von 80% gestiegen, der Gewinn steigt ebenso rasant, und das Unternehmen ist schuldenfrei. Wem Dividendenwachstum wichtig ist, wird sich bei Appen ebenfalls freuen: die Dividende wird jährlich kräftig gesteigert, zuletzt im Februar um 25%. Für mich also ein starkes Allround-Paket, welches im Zuge der Corona-Krise sogar die Prognose für das laufende Jahr bestätigt hat. Global festigt das Unternehmen seine Position auch sehr gut, indem es vermehrt nach China und in die USA expandiert, zwei starke KI-Wachstumsmärkte. Appen war eine eine meiner ersten Aktien im Portfolio, und ich bin gespannt, was hier die Zukunft bringt.

Wie schon oben bei Frage 3 angesprochen, habe ich mir Ende April eine kleine Anfangsposition CELLINK ins Portfolio geholt. CELLINK (ISIN: SE0013647385). Zudem hatte ich die tolle Gelegenheit, vor einigen Wochen den CEO von CELLINK eine halbe Stunde lang persönlich zu interviewen, was eine absolut neue Erfahrung für mich war (Ausschnitte dieses Interviews gibt es auch auf meinem Instagram-Kanal). Bioprinting ist grob gesagt eine Technologie, die einen 3D-Druck mit organischen Substanzen (Biomaterialien wie Hydrogel, angezüchteten Zellen und Wachstumsfaktoren,..) ermöglicht. So kann man lebensechtes Gewebe herstellen, wie z.B. funktionierende Herzmuskelzellen. Diese können dann in der Pharmaindustrie verwendet werden, um beispielsweise Medikamente zu testen, die speziell auf Herzmuskelzellen wirken (z.B. Adrenalin) – und das alles ohne Tierversuche. Das große Ziel im Bioprinting ist, ganze funktionsfähige Organe (z.B. eine Leber) drucken zu können, aber das ist selbstverständlich noch Zukunftsmusik. Aber schon jetzt helfen die Produkte, die mithilfe von Bioprintern gedruckt werden können, in der Pharmaindustrie, Kosmetikindustrie und weiteren Gebieten.

Ein weiteres Unternehmen, das ich sehr spannend finde, ist Surgical Science Sweden. Hier habe ich mir Anfang Mai ebenfalls eine erste Anfangsposition ins Portfolio eingekauft. Surgical Science Sweden (ISIN: SE0009947948) ist weltweit führender Anbieter von VR-Simulatoren (sowohl Soft- als auch Hardware) für medizinisches Training im Bereich der Chirurgie/Diagnostik. Das Unternehmen hat 58 Mitarbeiter und verkauft seine Produkte in 40 Ländern. Die Produkte sind LapSim (Laparoskopie), EndoSim (Endoskopie), TeamSim und weitere. LapSim ist hierbei das Flaggschiff des Unternehmens und ist nachgewiesen eines der besten Systeme zur Simulation der minimalinvasiven laparoskopischen Chirurgie (Operationen innerhalb des Bauchraums). Grob gesagt wird so angehenden Ärzten ermöglicht unter realen Umständen mit haptischem und optischem Feedback einen Eingriff (z.B. eine Cholezystektomie – Gallenblasenentfernung) oder spezielle chirurgische Prozeduren (z.B. Nahttechnik) zu üben.

Der Geschäftsbereich von Surgical Science Sweden teilt sich in 2 Bereiche auf: “Educational Products”, hier werden Soft-/Hardware an Unikliniken oder anderen Schulungszentren verkauft (meist auch per Abomodell), und “Industry/OEM”, hier wird die Medtech-Industrie v.a. mit der Simulationssoftware versorgt. Der Umsatz lag im Geschäftsjahr 2019 bei rund 102 Mio SEK (55%-Steigerung gegenüber dem Vorjahr), und bis 2024 erwartet man einen Umsatz von 400 Mio SEK, bei 40% EBITDA-Marge. Um den (schneller wachsenden) “Industry/OEM”-Bereich zu stärken, hat man 2019 für 300 Mio SEK das Unternehmen Sensegraphics übernommen, meiner Meinung nach eine strategisch äußerst kluge Übernahme. Sensegraphics entwickelt Simulationsprogramme für wichtige Bereiche wie die Roboterchirurgie (hier ist Platzhirsch Intuitive Surgical Hauptkunde), Augenchirurgie und weitere. Die Konkurrenz ist ebenfalls überschaubar, da die Markteintrittsbarrieren sehr hoch sind, und ein Burggraben durch die Komplexität der Software und Patente vorhanden ist. Als direkte Konkurrenten könnte man Simbionix und CAE Healthcare sehen.

Diese und viele weitere Unternehmen stelle ich gerne auf meinem Instagram-Kanal vor. Ich versuche so, etwas abseits vom “Mainstream” auch mal auf eher unbekannte Unternehmen einzugehen und lasse andere an meinen Gedankengängen teilhaben – ganz transparent. Natürlich bin ich kein Experte, der jede fundamentale Kennzahl beurteilen kann, oder Bilanzen bis ins kleinste Detail bewerten kann. Ich lerne aber jeden Tag dazu, und ein (nicht nur börsentechnisch) erfahrenes familiäres Umfeld hilft mir viel weiter. Dieses Wissen gebe ich gerne weiter, und hoffe somit vielen anderen aufzuzeigen, dass die Börse nicht “kompliziertes” ist, sondern man auch als “Otto-Normalanleger” an der Börse seinen Platz hat. Vielen Dank für das Interview, liebe Grüße an euch und bleibt gesund! 🙂

Wir bedanken uns auch bei dir für das Interview und wünschen dir sowohl für dein Studium als auch deine Investments viel Erfolg!

Nun seid ihr dran: Schaut gerne auf Marvins Instagram-Kanal vorbei und lasst ihm ein Abo da. Es lohnt sich! Wenn euch das Interview gefallen hat, lasst es Marvin und uns gerne in einem Kommentar wissen.

Wenn ihr euch für weitere vielversprechende Smallcaps interessiert, könnt ihr euch auch gerne unsere Aktienanalysen von Medistim oder Vetoquinol anschauen, die beide im Gesundheitssektor tätig sind.

Felix Alexander Müller
Thorben Grabinski

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6 Kommentare zu “Interview mit dividend.doctor: Vom Medizinstudenten zum Pharma- & IT-Investor”

    1. Hallo Finanzbär,

      es gibt ja immer wieder Diskussionen darüber, ob solche Konzentrationen jetzt sinnvoll sind oder letztlich doch ein zu hohes Risiko bedeuten. Ich kann beide Gedankengänge verstehen, auch wenn ich meinen Depotaufbau auch eher fokussiert angehe.

      Fokussierung ermöglicht einem fundiertes Wissen, wodurch das Risiko auch reduziert werden kann. Marvin macht das sehr gut mit seinen Investments und fokussiert sich auf Branchen, die er versteht und einschätzen kann. Damit besteht natürlich ein gewisses Branchenrisiko, welches er womöglich durch die tiefgreifenden Kenntnisse ausgleichen kann.

      Wie investierst du in Aktien? Welche Kriterien hast du dir für deinen Depotaufbau gesetzt? Würde mich sehr interessieren!

      VG
      Thorben

  1. Super Interview, aber das nächste Mal sollte man nicht nur die Pro‘s erwähnen, sondern auch die Contra Seite. So sehe ich dann wirklich, ob jmd. seine Due Dilligence gemacht hat. Zu oft werden Unternehmen vorgestellt, aber allfällige Downturns nicht erwähnt.

    1. Hallo Raj,

      Risiken bei Investments in kleinere Unternehmen sind natürlich höher als bei bereits etablierten Unternehmen. Es ging uns an dieser Stelle eher darum, dass Marvin die Chance hat einzelne Werte exemplarisch für seinen Investmentstil vorstellen zu können. Con’s existieren hier selbstverständlich auch, denn meist sind diese Unternehmen schon sehr euphorisch bewertet und müssen zudem noch beweisen, dass sie nachhaltig am Markt bestehen können, was auf den Aktienkurs bezogen auch eine entsprechende Erfüllung der gesetzten Ziele impliziert.

      Viele Grüße
      Felix

  2. Das Interview hat auch mir gefallen. In einem Land mit leider viel zu hoher Staatsgläubigkeit sprich gern delegierter Eigenverantwortung besonders anerkennenswert, mit welcher Verve »junge Investoren« an die Aktiendinge heran gehen, und wie besonders in diesem blog abseits des investment mainstream agiert wird. Marvin reiht sich ein in die Riege der ‚Jungen Investoren‘ auf bestem Wege nach Rom. Vorbildlich, wie gewissenhaft (auch) er die operativen Grundlagen unter Einbezug von Produktadressen und Konkurrenten seziert und darüber seine gefühlten Bilanz-Mankos zu einem Gutteil kompensiert.

    Ich finde es zielführend – und wie es auch die Investment-Legende Peter Lynch in seinem Werk ‚Der Börse einen Schritt voraus‘ empfiehlt – als »newbie« auf das zu fokussieren, womit man persönlich im Job zu tun hat, was man als Geschäft(smodell) versteht. Und wenn es dabei um nicht nur potenziell 😉 *) fortschrittrelevante Dinge geht, umso besser. Später, mit mehr Markt- und Analyseerfahrung und bei größerem Kapitalstock, kann man immer noch »früh genug« risikostreuend weg von seinen beruflichen cashflows diversifizieren, neue Spielfelder erkunden.
    *) ad bioprinting bspw. gab’s(/gibt’s) bereits einen, auch in diversen Finanzmedien so herausgestellten, verheißungsvollen Entrepreneur, dessen Kurs sich ebenfalls vervielfachte, bevor ihn ~2 Jahre post ipo Mr.Market’s Ungeduld ereilte und er >95 % verlor: Organonovo [ONVO]

    Für ein perfektes Interview stimme @Raj zu, auch wenn es in Zeiten einer Geldsintflut scheinbar nicht mehr auf »Suppenhaare« anzukommen scheint. Der Schein dürfte, wie bislang noch immer in der Wirtschaftsgeschichte, trügen; v.a. für junge Investoren, die noch mittlere xx Anlagejahre vor sich haben, 😉

    Es kommt in diesem Kontext in praxi i.d.R. gar nicht auf ‚kleinste Details‘ in Bilanzen an. Die Entwicklung vlt. einer Handvoll wesentlicher Kenngrößen möglichst unter Einbezug der Gewinnrücklagenentwicklung über mehrere Quartale hinweg in die richtige Richtung ist bei smallcaps meist schon mehr als die halbe Miete, hat man genügend Wachstumspotenzial für das zugrunde liegende Geschäft ausgemacht. Und wenn sich das in einem rel. umsatzfrühen breakeven zeigt … Man wird darüber freilich kaum vorherige (Allzeit-)Tiefs erwischen, aber darauf kommt’s an der Börse am wenigsten an.

    1. Hallo Investival,

      vielen Dank für deine positive Einschätzung zu uns „jungen Investoren“ (Marvin eingeschlossen). Es ist immer wieder motivierend, wenn die eigenen Bemühungen auch entsprechend wahrgenommen werden. Wir haben dahingehend schon viele Beobachtungen machen können, von wirklich fundierten Ideen, Anregungen und überlegten Strategien, zu leider oft noch sehr oberflächlichen Anlageentscheidungen.

      Wir als „junge Investoren“ (auch dort schließe ich Marvin gerne wieder mit ein) wollen zeigen, wie man den Vermögensaufbau bereits in jüngeren Jahren beginnen und dabei fokussiert und versiert vorgehen kann. Das umfasst auch unseren Blick auf vielversprechende Small- und Midcaps, von denen wir als junge Investoren auf der Timeline profitieren dürften.

      Marvin ist uns bei Instagram wirklich positiv aufgefallen, da er immer wieder spannende Unternehmen vorstellt, die uns zum Teil noch nicht bekannt gewesen sind. Auch er legt den Fokus auf vielversprechende Wachstumsunternehmen, was unserer Meinung nach absolut Sinn macht. In unserem Interview mit ihm wollten wir erfahren, wie er diese Unternehmen findet und diese für sich bewertet. Vielleicht hätten wir diese Investments an sich auch kritisch hinterfragen sollen, jedoch ging es uns ganz allgemein darum, mehr über ihn und seine Strategie zu erfahren.

      Ich persönlich hätte zum Beispiel vermutet, dass er durch sein Studium viel direkteren Kontakt zu möglichen Medtech- oder Pharmaprodukten kommt, was bislang ja gar nicht so der Fall ist. Das wird in Zukunft noch kommen und dann kann Marvin vielleicht noch größeren Nutzen daraus ziehen. Peter Lynch hat es vorgemacht und da gebe ich dir absolut recht: es ist sehr zielführend, bereits im persönlichen Umfeld die Augen offen zu halten und sich nicht nur auf irgendwelche Stockscreener zu versteifen.

      Viele Grüße,
      Thorben

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