Fabasoft: Unternehmensanalyse 2019

und

Analysen, Fabasoft 0 Kommentare

Das europäische Unternehmen Fabasoft bietet Software- und cloudbasierte Dienstleistungen für digitales Dokumenten-, Prozess- und Aktenmanagement. Die Lösungen unterstützen Unternehmen bei der Archivierung, Strukturierung und Suche digitaler Geschäftsunterlagen und richten sich damit überwiegend an öffentliche Einrichtungen oder Unternehmen mit hohem Verwaltungsaufwand.

Fabasoft hat in den vergangenen 10 Jahren mit über 1.500% Kursperformance eine hervorragende Entwicklung genommen, wobei der Kursverlauf erst in den vergangenen Jahren so richtig an Dynamik gewonnen hat. Wir werden anhand unserer Analyse aufzeigen, wie sich das Unternehmen als solches entwickelt hat, wo weitere Potenziale liegen und welche Szenarien wir bei einem möglichen Investment für realistisch halten.

Qualitative Analyse

Produkt- und Marktposition

Fabasoft ist mit seinen Produkten im Bereich der elektronischen Aktenführung tätig, welche sowohl lokal als auch in der Cloud stattfinden kann. Ihr Branchenfokus liegt dabei auf Compliance-lastigen Branchen wie beispielsweise dem Gesundheitssektor oder dem öffentlichen Bereich, für die man eigene Produkte, wie die E-Gov Suite, oder Features, wie das Medical Cockpit entwickelt hat, um möglichst maßgeschneiderte Produkte anbieten zu können.

Fabasoft Folio

Fabasoft Folio ist eine Softwarelösung für die digitale Verwaltung von sämtlichen Geschäftsunterlagen, die im Kern eine sichere Datenerfassung, -ordnung und -aufbewahrung ermöglicht. Diese Daten stehen zugriffsberechtigten Personen unabhängig von Ort und Zeit zur Verfügung und können über unterschiedliche Endgeräte abgerufen werden. Eine lokale Installation ist grundsätzlich nicht nötig. Vom Funktionsumfang kann man dieses Produkt am besten mit Google Docs vergleichen, mit denen sie somit in Konkurrenz stehen. Fabasoft bietet mit seiner Software eine barrierefreie Lösung, welche die Nutzung sowohl auf einer Windows-Plattform oder auf einer Open-Source-Plattform (Linux) ermöglicht. Über die zahlreichen Schnittstellen kann Fabasoft Folio unproblematisch in die bestehende IT-Landschaft eines Unternehmens integriert werden. Der Kunde kann mit diesem Tool quasi seine eigene Cloud aufsetzen, da die Daten auf der eigenen Hardware gespeichert und verarbeitet werden.

Fabasoft E-Gov Suite

Fabasoft bietet mit ihrer E-Gov Suite Produktlösungen rund um die elektronische Aktenführung für den öffentlichen Sektor an und basiert auf Fabasoft Folio. Diese ist speziell auf die besonderen Erfordernisse des öffentlichen Dienstes ausgerichtet und wird schon in vielen Einrichtungen eingesetzt, um die Effizienz von Verwaltungsvorgängen zu optimieren. Zu diesen Einrichtungen gehören unter anderem die Bundesämter für Justiz und Finanzen, die als „Piloten“ das System „E-Akte-Bund“ testen. Wichtig ist hierbei eine lückenlose Dokumentation und Datensicherheit im Falle von ungewünschten Änderungen durch Benutzer. Gerade Trends wie das papierlose Büro im öffentlichen Sektor gewinnen durch seine offensichtlichen Vorteile wie bessere Zugangsmöglichkeiten, Strukturierung und Archivierung immer mehr an Bedeutung. Möglicherweise haben es amerikanische Unternehmen da im europäischen Raum durch die jüngsten politischen Konflikte schwieriger, da es in Europa Tendenzen gibt, heimische Unternehmen zu bevorzugen. Datenschutzrechtliche Gründe spielen dort auch eine Rolle.

Fabasoft Cloud

Die Fabasoft Cloud ist das Cloud-Pendant von Fabasoft Folio. Es ermöglicht sowohl die Verwaltung als auch den barrierefreien Austausch von digitalen Geschäftsunterlagen und trägt damit zu einem signifikant verbesserten Workflow bei. Daten können bei Bedarf über die internen Strukturen hinaus zur Verfügung gestellt werden, was insbesondere bei der Abwicklung und Organisation von größeren Projekten hilft. Die Zugriffs- und Organisationsrechte werden zentral von Administratoren verwaltet, die auch sogenannten „Teamrooms“ bilden, in denen die Beteiligten eines Projektes koordiniert werden. Die Daten werden sowohl mittels Zwei-Faktor-Authentifizierung als auch durch Anmeldung mit einer digitalen Identität gesichert und vor unberechtigten Zugriffen geschützt. Die Fabasoft Cloud ist so konstruiert und entwickelt worden, dass die Plattform an die jeweiligen Bedürfnisse und Geschäftsprozesse angepasst werden kann und damit ein optimal abgestimmtes Ergebnis liefert. Darüber hinaus gibt es für einige Anwendungsfälle bereits fertige Lösungen, die als sogenannte „Cloud-Apps“ zur Verfügung stehen. Darunter zählt beispielsweise die Fabasoft Personalakte. Zudem erfüllen sie die aktuellen Sicherheitsstandards und speichern ihre Daten innerhalb von Europa, was für einige Kunden durchaus ein Grund pro Fabasoft sein kann, um Datenspeicherung oder Verarbeitung in den USA zu vermeiden.

Fabasoft Secomo

Fabasoft Secomo ist eine Lösung zur End-to-End Verschlüsselung digitaler Dokumente. Dieses Produkt wurde in Kooperation mit der Universität Graz entwickelt. Es kann sowohl separat als auch in Kombination mit der Fabasoft Cloud in die Unternehmensstrukturen implementiert werden und ist mehr als Add-On zu den anderen Fabasoft Produkten zu verstehen.

Mindbreeze InSpire

Fabasoft ist mit 76% an Mindbreeze beteiligt. Aufgrund ihres hohen Wachstums und der schnell steigenden Umsatzrelevanz für Fabasoft gehen wir auf dieses Unternehmen mit seinen Produkten etwas ausführlicher ein.

Mindbreeze InSpire ist ein Tool zur Ver- und Aufarbeitung von strukturierten und unstrukturierten Daten für das Wissensmanagement von Unternehmen. Es kann zum Betrieb von unternehmensinternen Wikis (Intranets) eingesetzt werden, um beispielsweise Googles Search Appliance abzulösen, wodurch Mindbreeze viele Kunden gewonnen hat. Mindbreeze bietet über diesen Funktionsumfang hinaus jedoch einige Features an.
Anders als andere Tools zum Wissensmanagement wertet Mindbreeze nicht nur die zugeführten Daten aus, sondern versieht sie mit weiteren Metadaten, was den Suchablauf deutlich verbessert. Diese können beispielsweise bei eingescannten Dokumenten das Eingangsdatum oder eine bestimmte Fallnummer sein. Gerade im medizinischen Bereich sieht Mindbreeze enormes Potenzial und entwickelt dafür eigene Anwendungen und Produktfeatures, welche jedoch auch für andere Branchen eingesetzt werden können. Wer ihre Produkte besser verstehen möchte, kann hier sowohl Kunden, als auch Fallstudien von Mindbreeze finden. Ihre Software wird beispielsweise verwendet, um Daten von Flugzeugbauteilen aus verschiedensten internen und externen Datenbanken zusammenzuführen, zu vereinheitlichen und schließlich durchsuchbar zu machen, um den Rechercheaufwand deutlich zu reduzieren. Mindbreeze ist also deutlich mehr als ein ordinäres Unternehmens-Wiki.

Zudem ist laut eigenen Aussagen eine Installation inklusive fortlaufendem Betrieb für die Kunden sehr einfach. Mindbreeze liefert ihren Kunden Hard- und Software, welche durch die vielen Datenkonnektoren sehr gut und vor allem schnell in die Systemlandschaft der Unternehmen integriert werden kann. Im Vergleich zu GSA ist der Wartungsaufwand deutlich geringer, so dass auch hier Kosten im Vergleich zur Konkurrenz gespart werden können, was ihnen auch von ihren Kunden so bestätigt wird.

Unter ihren Kunden finden sich etliche namenhafte Unternehmen wie Lufthansa, Telekom, Daimler, Siemens oder auch Wells Fargo und die FDA. Aktuell wird ihre Kundenbasis also hauptsächlich von deutschen und europäischen Kunden dominiert. Durch ihre relativ neue Niederlassung in den USA versucht man dies jedoch zu ändern, um auch international zu wachsen. Laut eigenen Aussagen war diese Expansion bisher ein voller Erfolg, was ihre Wachstumsraten jenseits der 50% auch zahlenmäßig unterstützen. Im Vertrieb arbeiten sie dazu mit Partnerunternehmen zusammen, welche regelmäßig von Mindbreeze geschult werden, um potenziellen Kunden das Produkt bestmöglich vorstellen zu können.
Die Zufriedenheit der Kunden scheint nach den öffentlich verfügbaren Informationen zudem sehr hoch zu sein, wie man beispielsweise hier bei Gartner nachlesen kann.

Wie bereits eingangs beschrieben, sind 24% des Unternehmens nicht im Besitz von Fabasoft. Diese gehören dem Management von Mindbreeze und verbleiben dort als Anreiz für eine weiterhin erfolgreiche Geschäftsentwicklung von Mindbreeze.

Fabasoft Mindbreeze Enterprise

Fabasoft Mindbreeze Enterprise ist die Einbindung von Mindbreeze InSpire in die Fabasoft-Produktlandschaft. Wie man bei Mindbreeze nachlesen kann, sind sich beide Produkte recht ähnlich, wobei diese Anwendung selbstverständlich auf die Fabasoft Produkte optimiert ist. Sie ermöglicht gezielte Volltextsuchen und Anbindung von weiteren Datenquellen in der e-Gov. Suite und dem Fabasoft Folio, wobei man von dem Suchmaschinen Know-How von Mindbreeze profitiert. Zudem wird sie auf die bereits bestehende Fabasoft-Hardware aufgespielt, wohingegen Mindbreeze InSpire eigene Hardware benötigt.
Gerade die Machine Learning Features von Mindbreeze sind hier jedoch nur abgespeckt enthalten. Da Fabasoft seinen Anteil an Mindbreeze erhöht hat, gehen wir jedoch davon aus, dass diese Features zukünftig auch verfügbar sein werden.

Xpublisher

Fabsoft hat erst kürzlich eine Mehrheitsbeteiligung (60%) an der Xpublisher GmbH erworben. Xpublisher entwickelt als Softwarehersteller spezialisierte Anwendungen für die moderne Medienlandschaft, die sich im Kern ebenfalls auf die Verwaltung von Inhalten (Concent- & Media-Asset-Management) sowie die Optimierung von Geschäftsprozessen (Workflow Management) fokussieren. Damit passt Xpublisher hervorragend in das bestehende Produktportfolio von Fabasoft, welches sowohl in der Breite als auch in der Tiefe gestärkt wird. Die Produktlösungen von Xpublisher sind folglich auch in der Fabasoft Cloud erhältlich. Die beiden Gründungsgesellschafter bleiben mit 40% an Xpublisher beteiligt und werden auch zukünftig die Entwicklung des Geschäfts vorantreiben.

Konkurrenz

Bei der Peergroup-Analyse werden wir Fabasoft getrennt von Mindbreeze analysieren, da wir bei Mindbreeze zukünftig deutlich mehr Internationalisierungspotenzial als auch verschiedene Peers sehen.

Fabasoft

Fabasoft kämpft mit ihren Cloud- und Datenmanagementprodukten natürlich gegen die großen Tech-Konzerne wie Microsoft, Google und vielen kleineren Peers an und muss versuchen, sich aus der Masse hervorzuheben. Im Vergleich zu Mindbreeze werden wir sehen, dass die operativen Margen tendenziell niedriger sind, was auf höhere Konkurrenz schließen lässt. Trotzdem kann Fabasoft gerade in den Punkten Sicherheit und lokaler Datenspeicherung punkten. Sie bieten mit ihren Produkten verschlüsselte End-to-End Datenspeicherung in Europa mit allen aktuellen Zertifizierungen an, was besonders für europäische Kunden interessant ist.

Trotzdem muss man wahrscheinlich sagen, dass ihre Produktlösungen zwar gut sind und ihre Kunden sehr zufriedenstellen, sie sich jedoch nicht durch bahnbrechende Innovationen oder Umfang hervorheben.

Bei Softwarelösungen für öffentliche Einrichtungen kämpft Fabasoft grundsätzlich gegen andere Peers, wie man dem folgenden Artikel über einen verlorenen Großauftrag in der Schweiz entnehmen kann. Wie man dort sieht können auch langfristige und erfolgreiche Kundenbeziehungen aufgrund von teilweise realitätsfernen Berechnungsmethoden im öffentlichen Sektor verloren gehen. Wenn man jedoch Aufträge gewonnen hat, werden diese tendenziell über einen sehr langen Zeitraum geschlossen, was Einnahmen stabilisiert, aber auch die Ablösung von Konkurrenten erschwert.

Mindbreeze

Die Peergroup von Mindbreeze ist ähnlich stark wie die von Fabasoft und überschneidet sich teilweise, wie man in der folgenden Grafik erkennen kann:

Mindbreeze kämpft mit ihrer Insight Engine gegen etablierte Peers wie Google, Microsoft und IBM. Zudem gibt es starke aufstrebende Player wie Lucidworks, welche sich ebenfalls langsam bei internationalen Unternehmen etablieren können.

Da sich jedoch Google zum Beispiel mit ihrer Search Engine (GSA) aus diesem Markt verabschiedet hat, gab es gerade für junge Unternehmen wie Mindbreeze gute Wachstumschancen, sofern sie eine unkomplizierte Lösung anbieten können. Mindbreeze kann und konnte dort besonders durch ihre einfache Implementierung in die bereits bestehende Softwarelandschaft punkten, bei zeitgleich moderaten Kosten. Dies in Kombination mit einer intuitiven Nutzeroberfläche, welche intelligente Suchergebnisse liefert, hat dafür gesorgt, dass Mindbreeze von Gartner wiederholt als einer der Leader im Markt für Insight Engines bezeichnet wird. Ihre Referenzen sprechen an dieser Stelle deutlich für sie, so dass sie beispielsweise gegenüber Lucidworks sowohl umsetzungstechnisch als auch reputationsmäßig einen guten Vorsprung besitzen.

Strategie

Fabasofts Strategie stützt sich hauptsächlich auf ihr bereits bestehendes Produktportfolio, welches durch zwei wesentliche Entwicklungen geprägt wird:

  1. Der Übergang zur Cloud
  2. Strategische Unternehmensbeteiligungen mit Synergiepotenzial

Fabasoft bietet mit seinen Produkten Fabasoft Folio und E-Gov Suite lokale Möglichkeiten zum Datenmanagement an. Hierbei müssen die Kunden die Hardware von Fabasoft kaufen und in ihre Systeme integrieren. Die gleichen Produktlösungen sind jedoch mittlerweile in der Cloud erhältlich und können nach modernsten Verschlüsselungsverfahren sicher übertragen und abgespeichert werden und verlassen dabei, wie bereits beschrieben, nie den europäischen Kontinent. Zudem erhofft man sich gleichmäßigere und planbare Umsätze durch die Cloudanwendungen, da eigene Hardware beim Kunden nicht mehr notwendig ist.

Ergänzend dazu kauft Fabasoft strategische Unternehmensbeteiligungen wie an Xpublisher oder Mindbreeze, welche Produkte in verwandten Gebieten anbieten, die zusätzlich als Add-On in die bereits bestehenden Fabasoft Produkte integriert werden können und so das Angebot ergänzen. Bisher verblieb dabei immer eine gewisse Beteiligung bei den Gründern der Unternehmen. Fabasoft möchte hier Anreize schaffen, um den Erfolg der Beteiligungen zu sichern. Zudem bieten gerade Beteiligungen, wie die an Mindbreeze, das Potenzial größer zu werden als Fabasoft selbst. Hier bleiben wir gespannt, wie das Management seine Ankündigungen wahr macht, um weitere ähnliche Investments zu tätigen. Wie wir folgend sehen werden ist die Kriegskasse ausreichend gefüllt.

Quantitative Analyse

Umsatz- und Gewinnentwicklung

Die Geschäftsentwicklung von Fabasoft kann grob in zwei Abschnitte eingeteilt werden. Die Umsatz- und Gewinnentwicklung verlief in den Jahren 2008/2009 bis 2016/2017 recht moderat. Insbesondere auf Ebene der Unternehmensgewinne ist während dieses Zeitraums keine klare Tendenz oder Wachstum erkennbar. Die Gewinne schwanken innerhalb eines kleinen Korridors. Ab dem Geschäftsjahr 2017/2018 ist dann eine erhebliche Verbesserung bei der Umsatz- und Gewinnentwicklung zu verzeichnen, bei der Umsatz und Gewinn deutlich zweistellig gesteigert werden konnten. Anhand weiterer Grafiken werden wir folgend erkennen, dass sich dieses kürzliche Wachstum auch signifikant auf die anderen Kennzahlen auswirken wird, so dass wir von einem „Transition Point“ in 2017/2018 ausgehen können, auf dessen Ursprung wir gleich näher eingehen werden.

Anhand dieser Grafik möchten wir das Umsatzwachstum veranschaulichen. Zunächst ist über den ganzheitlichen Zeitraum eine ansteigende Tendenz zu beobachten, woraus wir eine grundsätzlich positive Nachfrage an den Produktlösungen Fabasofts ableiten. Das moderate Umsatzwachstum in den Geschäftsjahren bis 2016/2017 resultiert aus der Unbeständigkeit der Wachstumsraten. Starkes Wachstum wird oft nicht bestätigt; in Folgejahren sind stagnierende, manchmal sogar rückläufige Umsätze zu beobachten. Einer der Gründe für die vorliegende Volatilität könnte das Geschäftsmodell von Fabasoft in Verbindung mit der zugrundeliegenden Unternehmensgröße sein. Fabasoft richtet sich mit seinem Produktportfolio an Großkunden. Der Gewinn oder Verlust einer dieser Großkunden hat wegen des hohen Auftragsvolumens erhebliche Auswirkungen auf die jeweilige Umsatz- und Gewinnentwicklung.

Ab 2017/2018 gewinnt das Umsatzwachstum dann deutlich an Dynamik, was auf eine erhöhte Nachfrage an Fabasofts Produkten schließen lässt, jedoch auch auf die hervorragende Entwicklung der Mindbreeze-Beteiligung zurückzuführen ist, wie wir nun sehen werden:

*Mindbreeze Zahlen sind vor konzerninternen Eliminierungen und haben damit nur eine begrenzte Aussagekraft

Wir haben bei der Betrachtung der Umsatz- und Gewinnentwicklung bereits gesehen, dass sich das Wachstum in den vergangenen zwei Jahren erheblich verbessert hat. Wir sehen anhand dieser Grafik, dass sich der Umsatzanteil der Mindbreeze GmbH in den vergangenen Jahren signifikant erhöht hat und damit einen zunehmend tragenden Charakter für die Entwicklung des Gesamtkonzerns erhält. Das Umsatzwachstum von Mindbreeze liegt deutlich über dem des Gesamtkonzerns und ist damit maßgeblich verantwortlich für die positive Entwicklung der vergangenen zwei Jahre. Diese Grafik hat jedoch nur begrenzte Aussagekraft, da die Finanzinformationen vor konzerninternen Eliminierungen veröffentlicht wurden. Das bedeutet im Kern nichts anderes, als dass es unter Umständen konzerninterne Verflechtungen gibt, die nicht bereinigt wurden, so dass diese Umsätze auch Fabasoft zuzuordnen wären. Hierbei wären konkrete Umsatzzahlen von Fabasofts Mindbreeze Produkt und Mindbreezes eigenen InSpire Produkten interessant zu sehen, da beide Produkte laut ihrer eigenen Website über recht ähnliche Features verfügen. Da Mindbreeze jedoch nicht vollständig im Besitz von Fabasoft ist, besteht zumindest aus Fabasofts Sicht ein gewisser Anreiz die Umsätze in der Muttergesellschaft zu halten, so dass man davon ausgehen kann, das Mindbreeze durchaus über ein sehr starkes Eigengeschäft verfügt. Zudem zeigt diese Grafik die zunehmende Wichtigkeit von Mindbreeze innerhalb des Fabasoft Konzerns, so dass man Fabasoft auch als Möglichkeit betrachten kann, um in Mindbreeze zu investieren.

Mindbreeze wird unserer Meinung nach zudem als Stabilisator für Unternehmensumsätze wirken, wenn man sich folgende Grafik ansieht:

Der Anteil an wiederkehrenden Umsätzen ist innerhalb der letzten Jahre von unter 50% auf über 60% gestiegen. Dies kommt sowohl von Fabasofts positiver Entwicklung, was den Verkauf ihrer Software anbelangt als auch von der starken Entwicklung von Mindbreeze. Nach Einführung von InSpire bei Kunden erhält man regelmäßige Lizenzzahlungen für ihre Software, welche meist planbar und langfristig sind.

Selbst wenn ein Unternehmen einen Wechsel plant, braucht dieser meist mehrere Jahre bis zur endgültigen Durchführung wie man bereits an der GEVER-Ablösung des Bund Schweiz erkennt. Hier hatte Fabasoft im Jahr 2014 überraschenderweise einen Großauftragsgeber verloren, wobei wir die Ursachen nach eigener Recherche nicht genau spezifizieren konnten. Die endgültige Ablösung wird jedoch erst 2020 stattfinden, was zeigt wie lang so ein Wechsel in der Regel dauert.
Trotzdem gewann Fabasoft an anderer Stelle Aufträge im öffentlichen Sektor der Schweiz.

Cashflows

Betrachten wir nun folgend die Entwicklung der Cashflows:

*Mindbreeze Zahlen sind vor konzerninternen Eliminierungen und haben damit nur eine begrenzte Aussagekraft

Zunächst lässt sich anhand der Grafik erkennen, dass sich die Cashflows gegenüber der Umsatzentwicklung volatiler verhalten. In den Jahren 2008/2009 bis 2016/2017 verlaufen die Cashflows wellenförmig mit einer steigenden Tendenz. Fabasoft investiert kontinuierlich hohe Summen in die Forschung und Entwicklung, deren Auswirkungen bzw. deren Erfolge jedoch immer erst in den Folgejahren sichtbar werden, womit sich die Volatilität u.a. erklären lässt.

Der operative Cashflow ist über den Zeitraum bis 2016/2017 mit einem CAGR von 20,68% p.a. gewachsen. Betrachten wir die Jahre ab 2016/2017 ist wieder eine stark ansteigende Dynamik zu beobachten; das CAGR für den operativen Cashflow liegt in den beiden Geschäftsjahren bei 60,55% pro Jahr. Wir haben in dieser Grafik wieder Zahlen von Mindbreeze eingefügt, die deren Einfluss innerhalb des Gesamtkonzerns ausdrücken sollen; diese haben jedoch, wie bereits erwähnt, veranschaulichenden Charakter. In 2015/2016 hat Mindbreeze nur einen unbedeutenden Anteil zu den Cashflows beigetragen. In nur sehr kurzer Zeit hat sich dies nun geändert und spätestens ab 2017/2018 trägt Mindbreeze wesentlich, knapp 50%, sowohl zum operativen als auch zum freien Cashflow bei. Damit wird der von uns beobachtete „Transition Point“ bestätigt. Letztlich zeigt diese Grafik in Verbindung mit der vorhergehenden Betrachtung, dass sich die Umsätze von Mindbreeze deutlich früher positiv auf die Cashflows auswirken; mit einem Umsatzanteil von knapp 25% wird knapp die Hälfte des operativen Cashflows erzielt. Auf die Rentabilität kommen wir später genauer zu sprechen.

Aus unserer Sicht dürfte sich die zu beobachtende Dynamik der letzten beiden Jahre fortsetzen. Die kontinuierlich steigende Nachfrage an digitalen Verwaltungslösungen spielt Fabasoft in die Karten, die ihre Produkte nun kostengünstig skalieren können. Die Produktentwicklung ist insgesamt nicht abgeschlossen, Fabasoft arbeitet natürlich fortlaufend an der Verbesserung und Ausweitung des Produktangebots, dennoch sind die großen Kostenblöcke für die Forschung und Entwicklung der heutigen Produkte in den vorausgehenden Jahren bereits getätigt worden. Wir gehen davon aus, dass die Cashflows deshalb zukünftig überproportional von den steigenden Erträgen profitieren können.

In dieser Grafik haben wir die Cashflows ins Verhältnis mit den ausgezahlten Dividenden und den Aktienrückkäufen gesetzt. Dabei ist relativ deutlich zu erkennen, dass Fabasoft bisher keine kontinuierliche Ausschüttungspolitik verfolgt hat und erst in den Jahren ab 2012/2013 eine nachhaltige Dividende zahlt. Diese schwankt jedoch von Jahr zu Jahr und lässt keine klare Tendenz erkennen. Die Ausschüttungsquote hat sich in den vergangen zwei Jahren erheblich reduziert und lässt somit Raum für potenzielle Dividendensteigerungen oder etwaige Aktienrückkäufe.

Grundsätzlich sind wir jedoch daran interessiert, dass Fabasoft seine Cashflows primär für weitere Investitionen und die Stärkung des Produktportfolios nutzen sollte und nur sekundär für mögliche Dividendenausschüttungen.

Zudem wurden im Geschäftsjahr 2017/18 Aktien im Wert von ca. 12 Mio. € ausgegeben. Fabasoft selbst möchte damit potenzielle Wachstumsmöglichkeiten nutzen, wie beispielsweise die Kapitalerhöhung bei Mindbreeze in Höhe von 1 Mio. €. Bisher wurden die übrigen Kapitalreserven jedoch nicht verwendet, so dass der Cashanteil weiter angewachsen ist. Als Aktionär erschließt sich diese Kapitalerhöhung also nicht, da bisher kein zusätzliches Kapital benötigt wurde und zudem von Seiten des Vorstands keine konkreten Andeutungen gemacht wurden, so dass dadurch nur die Anteile der Altaktionäre verwässert wurden. Möglicherweise stand eine vollständige Übernahme von Mindbreeze im Raum, welche dann jedoch nicht durchgeführt wurde. Dies sind aber nur Vermutungen unsererseits. Der Vorstand verfügt zudem über weitere Möglichkeiten in Höhe von 4 Mio. € Grundkapital Aktien auszugeben. Beim aktuellen Aktienkurs entspricht dies ungefähr 80 Mio. €. Wir hoffen jedoch, dass es bei der Option bleibt und das Management vorher das organische Wachstumspotenzial ausschöpft, sowie die relativ hohen Barreserven vorher verwendet und sich nicht zu übertriebenen Übernahmen hinreißen lässt.

Bilanzkennzahlen

Wie schon bei den anderen Kennzahlen können wir bei der Betrachtung der Bilanzkennzahlen das gleiche Muster erkennen. In den ersten acht Jahren unserer Grafik stagniert die Bilanzsumme, das Eigenkapital ist sogar leicht rückläufig, was überwiegend auf eine Kapitalherabsetzung in den Jahren 2009/2010 und 2010/2011 zurückzuführen ist. Schlagartig steigt sowohl die Bilanzsumme als auch das Eigenkapital ab 2017/2018 stark an und verdoppelt sich nahezu innerhalb von 2 Jahren. Diese Entwicklung ist auf der einen Seite auf eine Kapitalerhöhung im Geschäftsjahr 2017/2018 von über 11 Mio. Euro zurückzuführen, auf der anderen Seite auf die positive Geschäftsentwicklung und die in Verbindung stehende Zuführung des Jahresgewinns in die Gewinnrücklagen. Gewinnrücklagen stärken die eigene Bilanz und sind insbesondere bei solch kleinen Unternehmen wie Fabasoft zu begrüßen. Nichts desto trotz hätte Fabasoft natürlich auch die Möglichkeit, überschüssige Gewinne anhand von höheren Dividenden an die Aktionäre auszuschütten. Obwohl die Bilanzsumme über den gesamten Verlauf stärker als das Eigenkapital gewachsen ist, ist dies nicht auf die Zunahme von Fremdkapital zurückzuführen. Fabasoft hat derzeit keine Finanzverbindlichkeiten in der Bilanz stehen; sämtliche bilanzierten Verbindlichkeiten sind ausstehende Zahlungen gegenüber anderen Unternehmen. Wie wir gleich anhand einer weiteren Grafik erkennen werden, hat Fabasoft ein hervorragendes finanzielles Fundament.

Diese Grafik zeigt die Entwicklung der Bilanzsumme gegenüber den liquiden Mitteln des Unternehmens. Da Fabasoft über keinerlei zinstragenden Verbindlichkeiten verfügt, können die liquiden Mittel auch als sogenanntes Net-Cash gesehen werden. Die liquiden Mittel entwickeln sich nahezu parallel mit der Bilanzsumme und liegen dabei sogar über dem vorhandenen Eigenkapital. Die liquiden Mittel sorgen insgesamt nicht nur für eine solide Basis, sondern ermöglichen auch Investitionen in die Zukunft bei maximaler Flexibilität. Des Weiteren können durch die recht hohen Cashbestände zukünftige Cashflows gegebenenfalls für weitere und/oder höhere Dividendenzahlungen genutzt werden, auch wenn wir eine interne Mittelverwendung, beispielsweise für die Expansion von Mindbreeze oder für Investitionen in andere Produkte, begrüßen werden.

Die Eigenkapitalquote hat in den vergangenen 10 Jahren leicht abgenommen, befindet sich insgesamt jedoch auf einem sehr guten Niveau. In Anbetracht der nicht existenten zinstragenden Verbindlichkeiten sowie der hervorragenden Kapitalbasis bietet sich bei Fabasoft ein grundsolides Fundament, auf dem die zukünftige Ausweitung des Geschäfts vorangetrieben werden kann und ggf. auftretende Risiken aufgefangen werden können.

Rentabilität

*Mindbreeze Zahlen sind vor konzerninternen Eliminierungen und haben damit nur eine begrenzte Aussagekraft

Wieder können wir ein ähnliches Muster bei der Betrachtung der Rentabilitätskennziffern gegenüber den bisherigen Kennzahlen feststellen. Die Margen befinden sich in den frühen Jahren 2008/2009 bis 2012/2013 auf einem sehr niedrigen Niveau und erreichen dabei nicht immer einen positiven Wert und damit die Profitabilität. Ab 2013/2014 verbessern sich die Margen nachhaltig und befinden sich spätestens ab 2017/2018 auf einem, aus unserer Sicht, attraktiven Niveau. Wieder lässt sich erkennen, dass die Margenverbesserung großteils auf der positiven Entwicklung von Mindbreeze fußt. Mindbreeze verfügt trotz noch relativ geringer Umsätze über eine herausragende Profitabilität und zeigt den inneren Wert dieser Beteiligung. Eine EBIT-Marge in Höhe von 36,6% und eine Netto-Marge in Höhe von 27,5% sieht man bei solch kleinen Unternehmen und insbesondere bei solch geringen Umsätzen und dem extremen Wachstum selten. Selbst im Vergleich zu etablierten Unternehmen lassen sich solche Margen nicht häufig finden und sind deshalb auch ein besonderes Merkmal für Qualität und Alleinstellungsmerkmale, da sich anderweitig nicht solche Margen erzielen lassen würden. Wir gehen davon aus, dass sich die Margen auch in Zukunft weiter verbessern sollten. Die Gründe dafür haben wir bereits bei der Betrachtung der Cashflows genannt und sind hauptsächlich auf die Skalierbarkeit der Produkte ausgelegt.

In unseren Analysen favorisieren wir Unternehmen mit einer Eigenkapitalrentabilität von über 20%. Diese hat Fabasoft zwar erst im vergangenen Jahr 2018/2019 erreicht, wäre wohl aber ohne die Kapitalerhöhung bereits in 2017/2018 erreicht worden. Grundsätzlich muss die Eigenkapitalrentabilität immer im Verhältnis zum Eigenkapital betrachtet werden, da es sich um eine variable Kennziffer handelt. Wie wir bereits gesehen haben besitzt Fabasoft als Konzern eine relativ hohe Eigenkapitalquote, weshalb die Eigenkapitalrentabilität mit 23,3% in 2018/2019 abermals positiv gewertet werden sollte. Auch die Gesamtkapitalrendite befindet sich auf einem sehr guten Niveau und erreichte zuletzt über 17%. Damit bestätigen sich die hervorragenden Profitabilitätskennzahlen von Fabasoft und unterstreichen darüber hinaus auch die Qualität des Produktangebots.

Renditeerwartung

Wie bereits bei unseren vorherigen Analysen betrachten wir drei verschiedene Szenarien mit den folgenden Annahmen:

Das Wachstum betrachten wir dabei wie folgt: Wir gehen davon aus, dass Mindbreeze deutlich höhere Wachstumszahlen als Fabasoft aufweist, welche jedoch in den nächsten Jahren weiter abfallen werden. Wir nehmen an, dass sie ihren Umsatz im neutralen Szenario jährlich um 5 Mio. € plus 5% des Vorjahresumsatzes steigern können. Dies begründen wir mit der Umsatzsteigerung vom letzten Jahr, welche im Bereich von 5 Mio. € liegt und der Annahme, dass sie ihre Umsätze nicht exponentiell steigern können. Zusammen ergibt sich damit ein Umsatzwachstum für Mindbreeze von ca. 35% p.a. im neutralen Szenario.

Daraus ergeben sich schließlich folgende Umsatzzahlen und Aktienkurse:

Neutrales Szenario: Bei dem neutralen Szenario erhalten wir dann auf Basis des Aktienkurses von 24€ eine jährliche Rendite von 5,1% + Dividende.

Negatives Szenario: Im negativen Szenario ergibt sich unter unseren Annahmen eine Rendite von ca. -7,0% + Dividende.

Positives Szenario: Im konservativ optimistischen Fall ergibt sich eine jährliche Rendite von 9,1% + Dividende.

Aufgrund unserer eher konservativen Annahmen sieht die erwartete Rendite eher niedrig aus. Daran kann man erkennen, dass der Markt bereits einiges von Fabasoft erwartet, was sich auch an einem KGV Multiple jenseits der 40 zeigt. Wer in Fabasoft investiert, muss sich dem also bewusst sein. Wir bewerten die vorgestellten Unternehmen lieber vorsichtig, um böse Überraschungen zu vermeiden und das Kurspotenzial eher zu unterschätzen und damit unsere Renditeziele sicher zu erreichen.

Zusammenfassung

Chancen und Risiken

  • Beziehungen EU < > USA: Die großen Technologiekonzerne und Clouddienstleister wie Amazon, Microsoft oder Google kommen überwiegend aus den Vereinigten Staaten von Amerika. Diese haben mittlerweile eine signifikante Vormachtstellung inne. Digitale Prozesse wären ohne deren Software nur sehr begrenzt denkbar, wenn nicht sogar unmöglich. Damit besteht eine hohe Abhängigkeit gegenüber dieser Unternehmen, respektive dem Handeln der amerikanischen Regierung. Erst kürzlich wurden Restriktionen gegen Huawei ausgesprochen, deren Ursprung auf politischer Ebene fußen. Mit Fabasoft bietet sich nun für europäische Unternehmen / Regierungen die Möglichkeit, die Digitalisierung von Verwaltungsunterlagen und -prozessen in Zusammenarbeit mit einem Dienstleister umzusetzen, der seinen Firmensitz innerhalb der EU hat. Der Kunde kann dabei die Auswahl treffen, ob er die Datenzentren von Fabasoft nutzt oder ob die Systeme von Fabasoft in deren IT-Infrastruktur integriert werden. Dabei wird höchster Wert auf eine sichere Verschlüsselung gelegt.
  • Notwendigkeit der Digitalisierung: Viele Unternehmen haben Bedarf an Kosten- und Effizienzoptimierung durch Cloudlösungen, welche die teils erheblichen Verwaltungsprozesse digitalisieren. Unterlagen werden mit Hilfe von künstlicher Intelligenz katalogisiert, archiviert und gesichert und können über detaillierte Suchfunktionen jederzeit gefunden und aufgerufen werden. Die digitalen Akten verschlanken jedoch nicht nur die Administration, sondern ermöglichen auch einen Zugewinn an vorhandenem Wissen, welches durch die jeweiligen Produktlösungen gehoben werden kann. Ein gutes Beispiel dafür ist das Gesundheitswesen. Patientenakten stehen den berechtigten Personen, wie behandelnden Ärzten oder Pflegern zur Verfügung, werden anschließend katalogisiert und archiviert und können später bei Bedarf wieder aufgerufen werden, sei es zur Nachsorge oder um das Vorgehen in einem bestimmten Fall nachzulesen. Hierfür bietet Fabasoft ein eigens entwickeltes Produkt an, das Medical Cockpit.
  • Mindbreeze: Mit Mindbreeze hat sich Fabasoft bei einem erstklassigen Unternehmen beteiligt, welches bereits sehr früh mit kleinen Umsätzen eine hohe Profitabilität erzielt. Das Unternehmen bietet eine Produktlösung, für die es einen hohen Bedarf respektive Nachfrage gibt, was für hohe Wachstumsraten bei Mindbreeze sorgt. Die hohen Margen und die frühe Profitabilität lassen auf ein qualitativ hochwertiges Produkt mit entsprechender Preissetzungsmacht schließen. Gartner hebt sie erneut als einer der Market Leader im Bereich für Insight Engines hervor. Namhafte Kunden, wie beispielsweise Siemens, die Telekom, Lufthansa oder Wells Fargo unterstreichen deren Qualität und zeigen, dass die Produktlösung auf der ganz großen Bühne bestehen kann.
  • Datensicherheit: In der heutigen Zeit der zunehmenden Digitalisierung ist die Frage nach Datensicherheit immer ein dominierendes Kernelement bei der Auswahl etwaiger Produktlösungen. Unternehmen müssen sich darauf verlassen können, dass interne/sensible Daten vor unberechtigten Zugriffen geschützt sind. Durch den mittlerweile sehr hohen Marktwert solcher Daten, haben Angriffe auf diese deutlich zugenommen und schon öfter so manches Unternehmen in Schwierigkeiten gebracht. Es ist daher Essentiell für Anbieter von Cloudlösungen, dass deren Produkte hohe Sicherheitsstandards erfüllen und auch Vertrauen in diese vermitteln. Vorteile in diesen Sicherheitsaspekten sind oft entscheidende Argumente gegenüber potenzieller Kunden, sich für eine Produktlösung zu entscheiden. Umgekehrt wäre es ein großes Übel, sollte sich eine Lösung als nicht sicher erweisen. Der damit verbundene Imageverlust kann nur schwer wieder korrigiert werden.
  • Umkämpfter Cloud-Markt: Das Cloud-Business ist ein sehr umkämpftes Geschäft; bereits früh haben sich große Unternehmen wie Microsoft, Amazon oder Alphabet positioniert und haben eine dominierende Marktstellung inne. Nichtsdestotrotz gibt es immer wieder auch kleinere Unternehmen, die innerhalb einer bestimmten Nische ein herausragendes Produkt entwickeln und speziell in diesem Bereich einen Mehrwert schaffen, der den etablierten Unternehmen voraus ist. Amazon, Microsoft, Alphabet oder auch SAP bieten eher Lösungen für die breite Masse an, während viele Unternehmen jedoch speziell auf deren Bedarf entwickelte Lösungen brauchen. Diese sind meist für die großen Unternehmen zu klein oder zu wenig lukrativ, so dass Unternehmen wie Fabasoft profitieren können. Somit agiert Fabasoft zwar in einem sehr kompetitiven Markt, hat aber durchaus das Potenzial innerhalb einer Nische das Kernprodukt zu liefern und eine dominierende Stellung einzunehmen.
  • Abhängigkeit von Großkunden: Die Clouddienste von Fabasoft richten sich in erster Linie an Unternehmen oder öffentliche Einrichtungen mit einem hohen Verwaltungsaufwand, zu denen unter anderem Ämter oder auch diverse Forschungs- und Gesundheitseinrichtungen gehören. Die daraus resultierenden hohen Umsatzvolumina haben einen erheblichen Einfluss auf die gesamte Entwicklung des Unternehmens, sowohl positiv als auch negativ. Im Geschäftsjahr 2018/19 wurde ein Großteil der Umsätze mit sogenannten „Government“-kunden im deutschsprachigen Raum erzielt. Zu diesen Kunden zählt auch die Bundesrepublik Deutschland, welche die E-Akte mittlerweile auf mehreren Ebenen, wie dem Bundesamt für Justiz, einsetzt. In der Schweiz mussten sie im Jahr 2014 jedoch einen herben Rückschlag einstecken, welcher sich ab dem nächsten Geschäftsjahr finanziell bemerkbar machen könnte.
  • Öffentlicher Auftraggeber: Öffentliche Einrichtungen sind meist an knappe und teils schwankende Budgets gebunden und haben bei der Auftragsvergabe oft hohe rechtliche Hürden zu nehmen, die sich in langen und komplexen Entscheidungsprozessen widerspiegeln. So entstehen für Fabasoft Unsicherheiten, die gegebenenfalls die Umsetzung und Planung von neuen Projekten verzögern oder sogar gefährden können. 2017 hat sich beispielsweise die Regierungsbildung nach der Bundestagswahl als schwierig erwiesen und erst mit einiger Verzögerung konnten die Haushaltsbudgets von der dann neu gebildeten Regierung genehmigt werden.
  • Liquidität an den Börsenplätzen: Fabasoft zählt mit seiner niedrigen Marktkapitalisierung zu den sogenannten Mikro- bis Smallcaps und ist sowohl bei institutionellen Anlegern als auch bei Kleinanlegern eher unbekannt. Die Handelsumsätze an den jeweiligen Börsenplätzen sind dadurch relativ gering. Käufe oder Verkäufe mit hohen Volumina können sich ggf. stark auf den Kurs auswirken, wenn die Nachfrage bei positiven News nicht bedient werden kann oder bei negativen News niemand die Anteile abnehmen möchte. Der potenziell hohen Volatilität sollte man sich bei einem Investment bewusst sein.

Fazit

Wir sind im Laufe unserer Analyse zu der Überzeugung gelangt, dass Fabasoft mit seinem Geschäftsmodell und deren Produktportfolio ein durchaus interessantes Themenfeld bedient. Die Nachfrage an Produktlösungen für digitale Verwaltungsprozesse ist groß, welche insbesondere bei öffentlichen Einrichtungen stetig an Bedeutung gewinnen. Diese können Abläufe erheblich vereinfachen und sorgen für eine effizientere Nutzung von teilweise eh schon knapp bemessenen Ressourcen. Fabasoft ist mit seinen Produktlösungen gut aufgestellt und kann die Nachfrage entsprechend bedienen und hat unserer Meinung nach als europäisches Unternehmen zudem einen Heimvorteil gegenüber den BigTechs aus den USA.

Wirklich interessant ist Fabasoft als Investment jedoch wegen der 76 prozentigen Beteiligung an der Mindbreeze-GmbH. Mindbreeze liefert eine herausragende Branchenlösung zum Thema Wissensmanagement, die sich in einer frühen Profitabilität, hohen Rentabilität sowie hohen Wachstumsraten widerspiegelt. Wir sehen erhebliches Potenzial in Mindbreeze und trauen dem Unternehmen zu, innerhalb deren Nische das „state of the art“ Produkt zu liefern. Mindbreeze steht bereits für 25% der Umsätze von Fabasoft und sogar für knapp 50% der Cashflows. Weiteres Wachstum wird sich erheblich auf die Zahlen des Gesamtkonzerns auswirken, weshalb wir uns einen Kauf, trotz der hohen Bewertung und unter Berücksichtigung der Risiken, vorstellen können. Trotzdem sollte man berücksichtigen, dass die aktuelle Bewertung die hohen Erwartungen deutlich zeigen, so dass hier gerade nach dem Run seit Jahresbeginn ein gewisses Korrekturpotenzial besteht. Allerdings deutet der Anstieg in den letzten Tagen auf eine erfreuliche Geschäftsentwicklung hin, welche in den kommenden Tagen schließlich veröffentlicht wird.

Felix Alexander Müller

Co-Gründer von junge-investoren.de

Finanzmathematiker (M.Sc.)

Kontakt: felix@junge-investoren.de
Felix Alexander Müller

Thorben Grabinski

Co-Gründer von junge-investoren.de

Musiker (B.Mus.)

Kontakt: thorben@junge-investoren.de
Thorben Grabinski

Vor und zur Veröffentlichung dieses Beitrags hält mindestens einer der Autoren Aktien des analysierten Unternehmens.

Angaben gemäß §34b WpHG
Vom Betreiber dieser Webseite sowie von deren Autoren gehandelte Aktien, ETFs, P2P-Kredite und Fonds sind immer mit Risiken behaftet. Alle Texte sowie die Hinweise und Informationen stellen keine Anlageberatung oder Empfehlung dar. Sie wurden nach bestem Wissen und Gewissen aus öffentlich zugänglichen Quellen übernommen. Alle zur Verfügung gestellten Informationen (alle Gedanken, Prognosen, Kommentare, Hinweise, Ratschläge etc.) dienen allein der Bildung und der privaten Unterhaltung. Eine Haftung für die Richtigkeit kann in jedem Einzelfall trotzdem nicht übernommen werden. Sollten die Besucher dieser Seite sich die angebotenen Inhalte zu eigen machen oder etwaigen Ratschlägen folgen, so handeln sie eigenverantwortlich.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.