6 Jahre Vermögensaufbau: das sind meine Erfahrungen!

Depotupdates Thorben, Neuigkeiten 3 Kommentare

Meine erste Aktie habe ich bereits Ende 2011 gekauft, ohne jegliches Hintergrundwissen, Verständnis oder Erfahrungen im Vermögensaufbau. Es war mehr oder weniger eine Handlung aus dem Affekt. Ich hatte Urlaub, nicht viel zu tun und wie aus dem Nichts kam mir der Gedanke, ich könnte ja mal ein paar Aktien kaufen. Viele Jahre zuvor hatte mein Großvater ein Depot auf meinen Namen eröffnet, über das er einen Fonds-Sparplan für mich besparte. Dem ersten Kauf stand also nichts entgegen und so kaufte ich meine ersten Aktien, Aktien der Deutschen Post, für 200€ bei 12€ Ordergebühren.

Was damals ziemlich naiv angefangen hat, wurde schnell zu einem interessanten Hobby. In den ersten beiden Jahren habe ich viel experimentiert, viele Fehler gemacht und damit auch viel Lehrgeld bezahlt. Eine Zeit lang habe ich teils blind ein Musterdepot der Zeitschrift „Der Aktionär“ abgebildet, welches sogar erstaunlich gut lief. Teilweise habe ich auch Aktien an einem Tag gekauft und direkt am nächsten Tag wieder verkauft, weil ich mir dann doch nicht mehr sicher gewesen bin. Auch wenn ich insgesamt recht glimpflich durch die Anfangszeit gegangen bin, sind diese Fehler heute noch eine wichtige Erfahrung, die ich sehr schätze und für die ich dankbar bin.

Im Sommer 2014 habe ich mich dann dazu entschlossen einen „seriösen“ Vermögensaufbau betreiben zu wollen; der Startschuss zu meinem aktuellen Depot. Langfristig und nachhaltig ausgerichtet, eigenständig und selbst reflektierend umgesetzt, mit der nötigen Ausdauer, Disziplin und Konsequenz. Das sind meine wichtigsten Erfahrungen aus 6 Jahren Vermögensaufbau:

„Investiere nur in eine Aktie, deren Geschäft du auch verstehst.“

Warren Buffett

Schon der Altmeister Warren Buffett hat gepredigt, dass man eine Aktie nur dann kaufen sollte, wenn man deren Geschäft auch wirklich versteht. Er sollte es als einer der erfolgreichsten Investoren wissen. Und es stimmt. Ich investiere nur noch in Unternehmen, von denen ich glaube das Geschäftsmodell verstanden zu haben und das ich gut einschätzen kann. Dazu betreibe ich im Vorfeld viel Zeit für ein tiefgreifendes und vollumfängliches Research, das ihr nun auch durch die Veröffentlichung unserer Aktienanalysen einsehen könnt. Ich habe festgestellt, dass ich Anlageentscheidungen auf einem viel höheren Niveau treffe, wenn ich gut über ein Unternehmen informiert bin. Auch mental bin ich viel gelassener, wenn ich gut über ein Unternehmen informiert bin und gerate in schwierigen Situationen, wie aktuell in der Corona-Krise, nicht in Panik. Im Gegenteil. Man kennt seine Unternehmen, deren Potenziale sowie Schwachstellen und kann sich auftuende Chancen konsequent nutzen. Wenn ich mich hingegen nur oberflächlich mit einem Unternehmen auseinandergesetzt habe, waren die Ergebnisse tendenziell eher Glücksspiel und mental war ein solches Investment eher belastend. Ein gutes Beispiel dafür ist die Aktie von Applied Optoelectronics.

Erfahrungen Vermögensaufbau - Beispiel Applied Optoelectronics

Diese erschien durch sein KGV erstaunlich günstig, war hoch Profitabel und grundsätzlich in einer interessanten Branche tätig. Zudem hatte das Unternehmen ein wahnsinniges Gewinnwachstum vorzuweisen. Wegen der vermeintlich günstigen Bewertung habe ich mich schnell zu einem Kauf hinreißen lassen, obwohl ich nie so richtig verstanden habe, was diese im Detail machen. Wo ist der Burggraben? Warum sind deren Produkte besser als die der Konkurrenz? Wie weit ist der Markt bereits erschlossen? Schnell fing mein Kopf an dieses Investment zu hinterfragen und so habe ich relativ bald nach meinem Kauf mit gemischten Gefühlen wieder verkauft. Gerade noch rechtzeitig, ehe die Aktie bis heute über 80% an Wert verloren hat. Für mich ein mahnendes Beispiel dafür, wie wichtig es ist, das Geschäft seiner Investments auch tatsächlich zu verstehen.

„The idea of diversification makes sense to a point if you don’t know what you’re doing […]“

Charlie Munger

Dieses Zitat von Charlie Munger klingt zunächst ziemlich harsch, trifft jedoch auf meinen Investment-Ansatz zu. Tiefgreifendes und umfangreiches Wissen sind Kern meiner Anlagestrategie und so macht es für mich wenig Sinn, in zu viele Unternehmen gleichzeitig zu investieren. Der Zeitaufwand für ein hinreichendes Research lohnt sich kaum, wenn das jeweilige Unternehmen anschließend mit lediglich 1-2% Depotanteil ins Depot wandert. Selbst wenn sich der Wert eines Unternehmens verdoppeln sollte, würde das Depot nur um diese 1-2% steigen. Ich habe bislang sehr gute Erfahrungen damit gemacht, einen eher fokussierten Depotaufbau voranzutreiben. So habe ich ausreichend Zeit für „meine“ Unternehmen und das notwendige Research. Zudem glaube ich daran, dass sich die Qualität des Depots durch den fokussierten Depotaufbau erhöht, da man sich eben für einige wenige entscheiden muss und keine „Depotleichen“ unnötig mit sich herumträgt. Problematisch ist hingegen, wenn sich eines der Core-Investments schlecht entwickelt, da dieses dann natürlich das ganze Depot hinunterzieht. Aktuelles Beispiel wäre dahingehend eine Wells Fargo oder Walt Disney, die beide signifikante Depotanteile haben und durch Corona operativ stark beeinträchtigt sind. Da ich die Unternehmen jedoch gut kenne, belastet mich das nicht sehr stark und kann mögliche Entscheidungen diesbezüglich ohne große Emotionen treffen.

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“Es ist bei weitem besser, ein herausragendes Unternehmen zu einem anständigen Preis zu kaufen, als ein anständiges Unternehmen zu einem herausragenden Preis.”

Warren Buffett

Wieder eine Aussage des Altmeisters, die ich so voll und ganz unterschreibe. Ich habe in den vergangenen 6 Jahren unterschiedliche Investments getätigt und im Kern musste ich feststellen, dass die vermeintlichen „Schnäppchen“ nicht zu Unrecht derart günstig waren. Häufig gibt es dort operative Probleme, mit denen diese Unternehmen kämpfen müssen und bei denen eine Besserung oft erst in Jahren zu sehen ist, wenn überhaupt. Mit solchen „Value-Plays“ lassen sich grundsätzlich durchaus gute Renditen erzielen, jedoch bedarf es oft sehr viel Geduld und mentale Stärke, diese auch durchzuhalten, wenn alles andere steigt und steigt. Ich bin mittlerweile gerne dazu bereit bei qualitativ herausragenden Unternehmen ein angemessenes Premium zu zahlen, da diese in der Regel trotz der höheren Bewertungsmultiples eine bessere Performance erzielen. Es gilt der Grundsatz: Qualität geht vor Preis. Mahnendes Beispiel ist für mich mein damaliges Investment in Gilead Sciences:

Erfahrungen Vermögensaufbau - Beispiel Gilead Sciences

Das Unternehmen war optisch sehr günstig bewertet, hoch profitabel, verfügte über eine starke Bilanz und gute Cashflows. Der Aktienkurs / die Bewertung von Gilead ist damals wegen des rückläufigen Hepatitis Geschäfts stark unter Druck geraten. In den Jahren zuvor hatte man durch sein Hepatitis Medikament gut verdient, jedoch hat es die Krankheit nahezu vollständig geheilt, weshalb zukünftig keine bis geringe Umsätze in diesem Bereich zu erwarten waren. Mein Gedanke damals war, dass deren restliches Geschäft noch immer genügend Gewinne einbringen würde und das Unternehmen somit angemessen bewertet war. Jeglicher Euro, der durch das Hepatitis Geschäft zukünftig erzielt werden würde, wäre ein Bonus gewesen, den ich nicht eingeplant hatte bei meinem Investmentcase. Gilead würde durch die guten Cashflows und deren starke Bilanz ohne Probleme einen Konkurrenten und damit weiteres Wachstum kaufen oder aus der eigenen Pipeline schöpfen können. Passiert ist hingegen nichts und so habe ich 2017 die Geduld verloren und meine Position verkauft. Seitdem sind 3 Jahre vergangen und noch heute befindet sich der Aktienkurs auf dem Niveau meines Verkaufs und auch die Aussichten haben sich nicht wirklich verbessert.

„Time in the market is better than timing the market“

unbekannt

Diese Börsenweisheit ist für mich von großer Bedeutung. Wie ich bereits angesprochen habe, sind hohe Bewertungen oft der Grund, weshalb man ein potenzielles Investment nicht tätigt. Man steht an der Seitenlinie und sieht dabei zu, wie die gewünschte Aktie weiter steigt und steigt. Natürlich sollte man eine Aktie keinesfalls zu jedem Preis kaufen, jedoch kann sich eine hohe Bewertung womöglich auch dadurch rechtfertigen, dass ein Unternehmen bilanziell gut aufgestellt ist, über eine gute Marktposition verfügt und über viele Jahre nachhaltiges Wachstum zu erwarten ist. In einem solchen Fall würde das Unternehmen in die teure Bewertung hineinwachsen und ein direkter Kauf rentiert sich womöglich auf der Zeitachse. Eine Microsoft erscheint mir beispielsweise seit nun mehr 5 Jahren zu teuer für einen Nachkauf, allerdings war diese Bewertung durch das hervorragende Wachstum durchaus gerechtfertigt. Mein Versuch des Markt-Timings hat nicht funktioniert.

Letztlich gilt das nicht nur für einzelne Aktien, sondern auch ganz allgemein für den Aktienmarkt. Als ich 2014 mit dem Depotaufbau begonnen habe hieß es von vielen Leuten, dass man zu dem Zeitpunkt nicht mit dem Investieren beginnen solle. Der Aktienmarkt sei bereits seit vielen Jahren gut gelaufen und ein Crash würde bald kommen. Das sei immer so gewesen in der Geschichte. Da wir jedoch nicht wissen können, wann ein solcher Crash kommt oder wann bzw. ob eine Aktie nun steigt oder fällt, hat es sich meiner Meinung nach als richtig erwiesen, im Markt investiert zu sein. Auch die Corona-Krise hat wieder gezeigt, dass niemand weiß was an der Börse geschieht. Wer seine Aktien verkauft hat, um niedriger wieder einzusteigen, wird wohl auf dem falschen Fuß erwischt worden sein, als der Aktienmarkt wieder direkt auf alte Niveaus gestiegen ist. Viele haben ihre Anteile nicht unbedingt verkauft, deren Cashquote für besondere Fälle wurde aber auch nicht berührt, da mit noch niedrigeren Kursen gerechnet wurde. Für mich gilt daher mehr denn je: wenn ich ein qualitativ hochwertiges Unternehmen finde, investiere ich dort zu einer für mich angemessenen Bewertung und versuche nicht, den absoluten Tiefpunkt zu erwischen. Über die Zeit relativiert sich eine etwaige Hochbewertung, in die ein gutes Unternehmen langfristig voraussichtlich hineinwachsen wird.

Wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun.

Jean-Baptiste Poquelin, alias Molière

Abschließen möchte ich mit einem Zitat, was nicht direkt mit der Börse oder dem Vermögensaufbau in Verbindung steht und beinhaltet aus meiner Sicht dennoch einen wichtigen Grundsatz. Jeder Erfolg beginnt damit, ins Handeln zu kommen. Eine Entscheidung zu treffen. Wer ins Handeln kommt wird Fehler machen. Warren Buffett hat Fehler gemacht, Bill Gates hat Fehler gemacht und auch Jeff Bezos hat Fehler gemacht. Und doch zählen sie zu den erfolgreichsten Menschen unserer Zeit. Sie haben gehandelt, machten Fehler und haben aus diesen gelernt und nie aufgegeben. Zu Beginn steht die Entscheidung zu handeln, etwas tun zu wollen. Jeder von uns ist verantwortlich für das was wir tun und ebenso für das, was wir nicht tun. Mir hat es persönlich sehr geholfen, den ersten Schritt gemacht zu haben und trotz vorerst mangelndem Wissen mit dem Investieren anzufangen. Nur so konnte ich viele wichtige Erfahrungen sammeln oder aus Fehlern lernen und bin so letztlich auch als Mensch gewachsen. Eine meiner wichtigsten Erfahrungen aus den letzten 6 Jahren Vermögensaufbau: Fang an, triff Entscheidungen und sei selbst verantwortlich für deinen Erfolg.

Mich wurde nun natürlich interessieren, welche Erfahrungen ihr bislang bei eurem Vermögensaufbau machen konntet. Nach welchen Grundsätzen richtet ihr euer Depot bzw. euren Vermögensaufbau aus? Schreibt dazu doch gerne einen Kommentar.

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Thorben Grabinski

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3 Kommentare zu “6 Jahre Vermögensaufbau: das sind meine Erfahrungen!”

  1. Wunderschön beschrieben! Man kann eine Aktie vor sich haben und hat super Kennzahlen und der Kurs will und will sich nicht bewegen. Man kann eine Aktie vor sich haben, die man als Überbewertet einstuft und sie steigt und steigt. Und man kann eine Aktie vor sich haben, die gesunde Zahlen hat und als unterbewertet gilt und sie sinkt und sinkt.

    Was lernen wir daraus? SO funktioniert es nicht!

    Trotzdem machen die meisten genau DAS. Sie versuchen die Zukunft anhand von Prognosen vorherzusagen. Neues Produkt wurde gelauncht – deshalb muß die Aktie steigen, weil viel verkauft werden wird – FALSCH! Wasserstoff ist der Brennstoff der Zukunft, deshalb wird eine Wasserstoffaktie durch die Decke gehen . FALSCH! Cannabis wird legalisiert werden, deshalb werden die Cannabisaktien explodieren – FALSCH! Die Corona Krise treibt den Onlinehandel voran, es gibt mehr Bestellaufkommen, deshalb wird die Deutsche Post Aktie steigen – FALSCH!

  2. Lieber Torben,

    ich beschäftige mich seit über 25 Jahren mit dem Thema Vermögen ausbauen und sichern. Dein Blog gefällt mir. Weiter so, denn wir lernen leider alle in der Schule viel zu wenig über Geld und Finanzen. Dabei ist es Eigenverantwortung und auch du hilfst den Menschen zu einer besseren finanziellen Bildung.

    Beste Grüße
    Jörn Dickmann

    1. Hallo Jörn,

      vielen Dank für dein tolles Feedback! Ich freue mich wirklich darüber! Schön, wenn die Bemühungen unseres Blogs so positiv wahrgenommen werden. Inhaltlich kann ich dir nur zustimmen: Finanzen sollte man schon viel früher, in der Schule, lernen. Das wäre eine „Bereicherung“ für uns alle! 😀

      Viele Grüße zurück,
      Thorben

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