Depotupdate: Unsere Käufe und Verkäufe in Q2 2019

und

Depotupdates 5 Kommentare

Da wir mehrfach gefragt wurden, ob wir nicht unsere Depotbewegungen veröffentlichen können, haben wir uns überlegt, diese pro Quartal zusammenzufassen.

Felix‘ Depotveränderungen

Anders als in Q1 2019 habe ich mich im zweiten Quartal aufgrund des starken Anstiegs eher zurückgehalten. Ich habe hauptsächlich weitere Unternehmen analysiert und meine Watchlist aktualisiert. Trotzdem fanden zwei Zukäufe statt, welche in jüngster Vergangenheit positive Zahlen veröffentlich haben.

Zukäufe

Hotel Chocolat: Nach unserer Analyse von Hotel Chocolat ist mir bewussten geworden, dass die bereits hohe Bewertung durch ein enormes Wachstumspotenzial bei ihren internationalen Aktivitäten gerechtfertigt ist. Obwohl sie noch recht jung an der Börse sind, erzielen sie bereits Gewinne und solide Cashflows. Zudem wachsen sie sehr kontrolliert und mussten dafür bisher keine Schulden aufnehmen. Zudem sind die Gründer nach wie vor mit einer größeren Position am Unternehmen beteiligt und zahlen sich selbst ein relativ geringes Gehalt aus.

Medistim: Unsere Analyse von Medistim haben wir erst kürzlich veröffentlicht, jedoch sind wir hier bereits seit April investiert. Unsere Analyse findest du hier. Medistim ist in einer Medtech-Nische aktiv, in der es praktisch keine Konkurrenz für ihr Produkt gibt. In Europa ist ihre Technologie für bestimmte Operationen der empfohlene Standard, weshalb dort fast jede dieser Operationen mit ihrem Equipment durchgeführt wird. Gerade in den USA verspricht man sich stärkeres Wachstum durch ein wachsendes Bewusstsein bei den Verantwortlichen und dem Austausch mit Ärzten vor Ort. Vorteilhaft ist auch, dass ihre Nische für viele Peers zu klein ist, um dort verstärkt zu investieren. Somit wird man sehr wahrscheinlich noch über einige Jahre eine Art weltweite Monopolstellung besitzen.
Medistim ist außerdem schon seit mehreren Jahren hoch profitabel und kann trotz knapp zweistelligen Wachstums einen Großteil des Gewinns als Dividende ausschütten.

(Teil-)Verkäufe

Altria: Ich habe einen Teil meiner Altria Aktien in die von British American Tobacco getauscht. Unsere Analyse zu British American Tobacco findest du hier. Beide sind grundsätzlich in der gleichen Branche aktiv. Altria hat jedoch durch die größeren Zukäufe bei JUUL und Chronos ihre Bilanz relativ stark beansprucht, ohne dafür direkte Cashflows zu erhalten. Man spekuliert hier auf bestimmte Marktentwicklungen und hat dafür sehr hohe Aufschläge zu teilweise ungünstigen Zeitpunkten bezahlt. Den 35% Anteil an JUUL hat man beispielsweise vor der Diskussion um E-Zigaretten in den USA gekauft und dabei JUUL mit dem 38-fachen Jahresumsatz bewertet. Da JUUL grundsätzlich ein äußerst stark wachsendes Unternehmen mit einem anscheinend guten Produkt ist, kann man eine gewisse Höherbewertung rechtfertigen. Mir scheint jedoch, dass das Management von Altria unbedingt diesen Zukauf vermelden wollte und somit einen Preis bezahlt hat, der meiner Meinung nach die Chancen und Risiken von JUUL nicht adäquat bewertet.
Die Verschuldung bei BAT ist auf der anderen Seite natürlich auch nicht zu verachten, welche ebenfalls durch M&A Aktivitäten entstanden sind. Hier hat man allerdings im Gegenzug direkte Umsätze und Cashflows erhalten, mit denen man die Verschuldung wieder abbauen kann. Zudem ist man geografisch besser diversifiziert und erzielt hohe Umsätze in Asien und Afrika, wo das Marktpotenzial im Vergleich zu den westlichen Ländern noch bei Weitem nicht ausgeschöpft ist. Als Europäer darf man dies bei Betrachtung der Entwicklung der Raucherzahlen in Deutschland nicht vernachlässigen, da sich dort die Geografien immens unterscheiden. Insgesamt begründe ich de Reduzierung von Altria also mit einer Risikoreduzierung des Depots bei gleichem erwarteten Ertragspotenzial.

Performance seit 01.01.2019

Meine Performance im ersten Halbjahr von 2019 betrug 16,8% seit Jahresanfang.

Thorbens Depotveränderungen

Bei mir hat es im zweiten Quartal einige Veränderungen innerhalb des Depots gegeben. Auffällig waren dabei insbesondere die beiden Verkäufe, da ich meine Unternehmensanteile in der Regel über sehr langfristige Zeiträume halte und nur bei sich deutlich verschlechternden Rahmenbedingungen Verkäufe in Erwägung ziehe. Kommen wir aber zunächst auf meine Zukäufe:

Zukäufe

Medistim: Auch ich habe im April in die norwegische Firma Medistim investiert. Bei unseren Recherchen über Medistim wurde relativ schnell klar, dass es sich bei dieser Firma um ein sehr hochwertiges Unternehmen mit beeindruckender Marktposition handelt. Neben den von Felix bereits erwähnten Gründen, die für einen Kauf sprechen, hat mir besonders die Größe des Unternehmens gefallen, die noch viel Spielraum nach oben lässt und somit langfristiges Kurspotential bietet.

Wells Fargo: Wells Fargo ist eine amerikanische Großbank, die sich überwiegend auf das Privatkundengeschäft konzentriert. Entgegen anderer Banken verzichtet Wells Fargo auf riskantes Investmentbanking, wodurch Wells Fargo die Finanzkrise, im Vergleich zu seinen Peers, relativ gut überstanden hat. Aktuell hat Wells Fargo jedoch mit einem Skandal zu kämpfen, bei dem Mitarbeiter Scheinkonten für Kunden eröffnet haben, um die eigenen Provisionen zu erhöhen. Wells Fargo arbeitet diesen Skandal derzeit auf und hat Schritte unternommen, die ein solches Vorgehen in Zukunft verhindern sollen. Auch das Management wurde ausgewechselt. Im Zuge dieses Skandals hat Wells Fargo von den Behörden als Strafe auferlegt bekommen, dass das Unternehmen zunächst nicht wachsen darf, ehe der Sachverhalt komplett und abschließend aufgeklärt wurde. Natürlich ist es immer negativ, wenn ein Unternehmen nicht frei in seinen Investitionsentscheidungen ist, allerdings kann sich das bei Wells Fargo langfristig auch als Vorteil herausstellen, da das Unternehmen sich nun auf die wirklich wichtigen und ertragreichen Geschäftsbereiche konzentrieren muss. Wells Fargo kann von dem Skandal demnach sogar auf der längeren Timeline profitieren.
Wells Fargo verdient auch trotz des Skandals weiterhin sehr viel Geld und gibt dieses über Dividenden und Aktienrückkäufe an die Aktionäre zurück. Besonders die Aktienrückkäufe dürften sich in Zukunft positiv für die Aktionäre erweisen, da diese den eigenen Anteil am Unternehmen auch ohne weitere Zukäufe erhöhen. Der Gewinn teilt sich demnach auf weniger ausstehende Aktien auf, was den Gewinn pro Aktie erhöht. Wells Fargo setzt dieses Rückkaufprogramm sehr gut ein und ist beispielhaft, wie ein solches funktionieren sollte. Die Aktien werden zu einer sehr günstigen Bewertung zurückgekauft wodurch Wells Fargo mehr Wert erhält, als dafür gezahlt werden muss und finanziert das gleichzeitig aus laufenden Cashflows und nicht, wie sonst öfter zu beobachten, mit Fremdkapital, welches extra für diesen Zweck aufgenommen wurde. Aus meiner Sicht bietet sich aktuell eine gute Investitionsgelegenheit, die ich mit einem Kauf genutzt habe.

Novo Nordisk: Ich habe bei Novo Nordisk mehrere Nachkäufe vorgenommen und so meine bestehende Position stark vergrößert. Wir haben uns dieses Unternehmen, welches als Weltmarktführer in der Diabetes-Pharmazie etabliert ist, erst vor kurzem genauer angesehen und analysiert. Diese Analyse hat aufgezeigt, dass derzeit ein attraktives Chancen-Risiko-Verhältnis vorliegt. Ich selbst bin von dem Unternehmen, deren Management und vor allem deren Ausblick überzeugt und werde daher meine Position immer wieder, bei Kursen von unter 330 DKK, aufstocken. Ziel ist ein Depotanteil zwischen 10 und 15 Prozent.

British American Tobacco: BAT ist gegen Ende des 2. Quartals wieder ein wenig zurückgekommen und diesen Kursrückgang habe ich genutzt, um meine bereits bestehende Position weiter auszubauen. In der Analyse über British American Tobacco habe ich bereits darüber geschrieben, dass die zugrunde liegende Bewertung aus meiner Sicht zu negative Szenarien berücksichtigt. Da ich ein Verbot auf Menthol-Zigaretten vor 2021 für unrealistisch halte, ein Verbot außerdem vermutlich nur einen Transfer von Menthol- auf alternative Tabakprodukte bedeuten würde und letztlich die Tabakindustrie schon seit Jahrzehnten verstanden hat, mit solchen Hürden umzugehen, betrachte ich die derzeitige Bewertung eher als lukrative Chance und nicht als zu großes Risiko.

(Teil-) Verkäufe

Starbucks: Bei Starbucks habe ich einen kompletten Verkauf meiner bestehenden Position vorgenommen. Aus meiner Sicht ist Starbucks ein sehr gutes Unternehmen, bei dem sich in der letzten Zeit jedoch einige Faktoren bzw. Rahmenbedingungen verschlechtert haben. Ob es sich dabei um kurzfristige oder doch eher um langfristigere Faktoren handelt, wird sich erst noch herausstellen müssen.
Zum einen wäre da die sehr hohe Bewertung. Diese ist in den letzten Monaten stark angestiegen und ist überwiegend auf teure Aktienrückkäufe durch das Unternehmen zurückzuführen und nicht, wie sonst üblich, durch eine hohe Nachfrage seitens der Investoren. Lassen die Rückkäufe mit den derzeitig hohen Volumina wieder nach, sinkt daraus resultierend die Nachfrage an Starbucks Aktien und sorgt so vermutlich für fallende Kurse.
Wie ich bereits weiter oben im Beitrag geschrieben habe, halte ich Aktienrückkäufe grundsätzlich für eine sehr gute Sache, wenn sich diese denn in einem gesunden Rahmen bewegen und entsprechend vernünftig umgesetzt werden (Beispiel Wells Fargo). In diesem Fall kauft Starbucks jedoch eigene Aktien zu einer sehr hohen Bewertung zurück, finanziert diese über Kredite und sorgt so, in Verbindung mit der Vernichtung der eingezogenen Aktien, für eine deutliche Verschlechterung der Bilanz.
Schlussendlich kommen dann noch mögliche Auswirkungen durch den Handelskonflikt zwischen den USA und China auf Starbucks zu. Die Chinesen könnten sich beispielsweise eher auf heimische Produkte, wie die von Luckin Coffee, konzentrieren. Da der Chinesische Staat großen Einfluss auf die Bevölkerung ausübt, könnte dies sogar so vorgegeben werden, beispielsweise durch deren soziales Punktesystem, in dem negative Punkte für den Einkauf bei Starbucks vergeben werden.
Die hohe Bewertung, die Verschlechterung der Bilanz sowie die sich eintrübenden Aussichten in dem für Starbucks wichtigen Markt China lassen mich von meinem Investment vorerst Abstand nehmen. Bei sich normalisierenden Rahmenbedingungen werde ich mir ein Re-Investment vorbehalten.

Eurofins: Eurofins ist Anfang Juni Opfer eines Hacker Angriffs geworden. Auch drei Tage nach der Attacke gab es von Eurofins kein Update über die Geschehnisse oder deren Auswirkungen.
Aus meiner damaligen Sicht würde sich ein solcher Angriff, je nachdem wie lange Eurofins benötigt den Normalzustand wiederherzustellen, negativ auf das operative Geschäft auswirken. Gerade das Konzernergebnis kann von diesen Auswirkungen, durch die relativ niedrige Marge, besonders betroffen sein und dürfte damit auch Einfluss auf den Aktienkurs haben.
Eurofins hat diese Überlegungen mittlerweile bestätigt, erst drei Wochen nach dem Angriff kam die Meldung, dass die Geschäftsprozesse wieder normal laufen. Die Auswirkungen auf das Geschäftsergebnis werden im August mit der Veröffentlichung des Halbjahresberichts bekannt gegeben. In der aktuellen Meldung wird jedoch schon darauf hingewiesen, dass das zweite Quartal besonders betroffen sein wird:

[…]“the impact of this attack on our financial results may unfortunately be material escpecially for Q2. […]“ https://www.eurofins.com/media-centre/press-releases/2019-06-24/

Ich habe meine Position in Eurofins um die Hälfte reduziert, da diese bereits einen Großteil meines Depots ausgemacht hat und ich so das Risiko etwas reduzieren wollte. Ich gehe davon aus, dass sich der Kurs durch die aktuellen Geschehnisse kurzfristig negativ entwickeln wird. Langfristig bin ich jedoch von dem Unternehmen und seinen Möglichkeiten überzeugt und behalte mir daher vor, mein Investment bei günstigeren Kursen wieder auszubauen.

Performance seit 01.01.2019

Meine Performance im ersten Halbjahr 2019 betrug 14,8%, nach Gebühren und Steuern auf realisierte Buchgewinne oder Dividenden. Meine derzeitige Depotaufstellung könnt ihr euch hier anzeigen lassen.

Felix Alexander Müller

Co-Gründer von junge-investoren.de

Mathematiker (B.Sc.)

Kontakt: felix@junge-investoren.de
Felix Alexander Müller

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Thorben Grabinski

Co-Gründer von junge-investoren.de

Musiker (B.Mus.)

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Thorben Grabinski

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5 Kommentare zu “Depotupdate: Unsere Käufe und Verkäufe in Q2 2019”

  1. Mit einem Investment in den ms etf hättet ihr etwa 20 % inkl Dividenden erwirtschaftet, lohnt sich die Anlage in einzelaktien wenn man den Index nicht schlägt? Mfg

    1. Hallo Gerry,

      da es sowohl Zu- als auch Verkäufe gab, kann man diese Rechnung leider nicht so einfach gestalten, da Steuern und die Depotgröße auch noch einen nicht zu vernachlässigenden Einfluss haben. Zudem wirst du feststellen, dass unsere Depots sehr defensiv ausgerichtet sind, was natürlich in aktuellen Marktphasen ohne die sehr beliebten Techs sich bemerkbar macht. In der zweiten Jahreshälfte von 2018 lag unsere Performance zum Beispiel deutlich über der Indexperformance. Uns interessiert da eher die Performance über einen längeren Zeitraum und damit sind wir aktuell sehr zufrieden. Trotzdem sollte man sich selbst diese Frage jedoch regelmäßig beantworten.

  2. Hey Gerry,

    vielen Dank für deinen Kommentar. Ich möchte Felix in seiner Aussage bestätigen, dass ein Vergleich der Performance nicht über solch kurze Zeiträume angestellt werden sollte. Ich persönlich treffe diese Entscheidung beispielsweise über den kompletten Zeitraum, den ich an der Börse aktiv bin und in Einzelaktien investiere. Meine Performance vergleiche ich dann nicht nur mit dem MSCI-World, sondern zusätzlich noch dem S&P 500 und dem DAX.
    Ein solcher Vergleich ist jedoch nur dann sinnvoll, wenn auch sämtliche Feinheiten bei der Betrachtung berücksichtigt werden. Die Performance, die Felix und ich angeben, ist nach Steuern und Gebühren. Die Performance eines Index ist im Gegensatz dazu Brutto, also ohne Steuern und Gebühren.
    Des Weiteren ist der MSCI-World sowie der S&P 500 lediglich auf Kursbasis aufgebaut und berücksichtigt keine Dividendenausschüttungen, um die man die Performance wieder bereinigen muss.
    Schlussendlich kann und sollte man seine Investments und die daraus resultierende Performance natürlich regelmäßig prüfen, um für sich letztlich auch das beste Ergebnis zu erzielen.

    Seit Beginn meines Depotaufbaus (31.07.2014) habe ich gegenüber dem S&P 500, dem MSCI World und dem DAX eine Überperformance erzielen können, womit sich aus meiner Sicht auch der Aufwand lohnt. Das muss am Ende aber jeder für sich selber überprüfen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Thorben

  3. Vielen Dank für die Antwort,

    @thorben das Dividenden im msci World Index nicht enthalten sind ist mir bewusst, deswegen habe ich extra geschrieben einen etf auf den msci, da dürfte dann ja der Performance entsprechen die man als privatanleger erzielt solange man nicht zwischendurch verkauft und wieder kauft.

    Sonst sind wir da einer Meinung und ich wünsche euch weiterhin viel Erfolg darin den Index zu schlagen 🙂
    Mfg

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