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Wir erklären dir hier alle wichtigen Begriffe der Aktienbewertung, damit du dich im Fachjargon der Finanzwelt besser zurechtfindest und aussichtsreiche Investments erkennst und verstehst.

Aktienrückkäufe

Aktienrückkäufe bezeichnen den Prozess, in dem ein Unternehmen seine eigenen Aktien an der Börse oder über andere Wege zurückkauft. Im Idealfall werden diese dann vom Unternehmen vernichtet, so dass sich die gesamte Aktienanzahl verringert. Durch die geringere Anzahl an ausstehenden Aktien erhöht sich der prozentuale Besitzanteil der übrigen Aktionäre. Wenn ein Unternehmen ursprünglich 100 Aktien emittiert hat und davon 10 zurückkauft und vernichtet, so symbolisiert eine der übrig gebliebenen Aktien nun den Gegenwert von ca. 1,1% des Unternehmen im Vergleich zu 1% wie es vor dem Rückkauf der Fall war. Erwirtschaftet dieses Unternehmen vor und nach dem Aktienrückkauf einen Jahresgewinn von 1000€, so stehen dem Besitzer nach dem Rückkauf 11€ dieses Gewinns zu im Vergleich zu 10€ vor dem Rückkauf. Dies sollte also tendenziell den Wert der übrigen Aktien erhöhen.

CAGR

Die Compound Annual Growth Rate gibt über einen vorher gewählten Betrachtungszeitraum die durchschnittlich jährliche Rendite an, was bedeutet, dass von ein Zinseszinseffekt wirkt. Im Folgenden werden wir eine GAGR von 10% an einem Beispiel erklären. Angenommen ein Unternehmen erzielt Umsätze in Höhe von 100 Mio. €. Das Unternehmen wächst innerhalb der nächsten zwei Jahre mit einer CAGR von 10%, wenn der Umsatz zwei Jahre später bei 121 Mio. € liegt.

Umsatz nach einem Jahr = 100 * (1+0,1) = 110

Umsatz nach zweiten Jahr = 110 * (1+0,1) = 121

Wie man sieht, macht sich im zweiten Jahr der Zinseszinseffekt bemerkbar.

CAPEX

CAPEX steht für capital expenditure und misst die Investitionsausgaben in langfristige Anlagegüter wie z.B. Maschinen, Geschäftsausstattung und Immobilien. Anhand des CAPEX kann man, in Kombination mit weiteren Informationen, Aussagen über den Kapitalbedarf und mögliches Wachstum treffen. Schwankungen im Zeitverlauf können Hinweise über die zukünftige Ertragslage geben. Zudem sollte man diese Kennzahl im Branchenkontext betrachten. Industrieunternehmen verfügen generell über hohe CAPEX-Werte, da sie ständig in neue Technologien und Anlagen investieren müssen. In so einem Fall könnte eine drastische Reduzierung auf Liquiditätsprobleme oder schlechte Zukunftsperspektiven hinweisen. Eine Erhöhung hingegen kann auf eine Ausweitung durch Produktionskapazitäten hindeuten.

EBIT

EBIT steht für earnings before interest and taxes und ist eine Kennzahl, die das Betriebsergebnis ohne die Betrachtung von Steuern und Zinsen angibt. Auf Basis des EBITs lassen sich somit Kennzahlen berechnen, mit der Unternehmen unabhängig von der Finanzierungsform und der lokalen steuerlichen Gesetzgebung miteinander verglichen werden können. Das EBIT kann unter anderem wie folgt berechnet werden:

EBIT = Jahresüberschuss + Steueraufwendungen - Steuererträge + Zinsaufwendungen - Zinserträge

Wichtig anzumerken ist, dass im EBIT auch außerbetriebliche Erträge und Aufwendungen enthalten sind, wodurch es sich vom operativen Ergebnis unterscheidet.

EBITDA

EBITDA steht für earnings before interest and taxes, depreciation and amortization und beschreibt das Betriebsergebnis ohne die Betrachtung von Steuern, Zinsen und Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte und Sachanlagen. Die Berechnung kann auf Basis des EBITs erfolgen:

EBITDA = EBIT + Abschreibungen des Anlagevermögens - Zuschreibungen des Anlagevermögens

Das EBITDA wird vor allem häufig von sehr kapitalintensiven Unternehmen kommuniziert, da anders als beim EBIT die hohen Abschreibungen das Ergebnis nicht belasten. Im Fall von einmaligen Sonderabschreibungen mag ein Blick auf die EBITDA-Entwicklung angebracht sein.

Eigenkapital

Das Eigenkapital ist die Differenz der gesamten Vermögensgegenstände und Verbindlichkeiten eines Unternehmens und gibt das bilanzielle Reinvermögen an, welches den Eigentümern zusteht.

Eigenkapital = Bilanzsumme - Verbindlichkeiten

Anders als Verbindlichkeiten, geht man beim Eigenkapital davon aus, dass dieses dem Unternehmen unbefristet zur Verfügung steht oder bis die Unternehmung liquidiert wird. Auf Basis des Eigenkapitals werden weitere Unternehmenskennzahlen zur Ertragskraft und Stabilität berechnet.

Eigenkapitalrendite

Die Eigenkapitalrendite ist eine Profitabilitätskennziffer, bei der die Unternehmensgewinne dem eingesetzten Eigenkapital gegenüber gestellt werden:

Eigenkapitalrendite = Netto Gewinn / Eigenkapital

Eigenkapitalrenditen von über 20% gelten in der Regel als herausragend und sind Zeichen für eine hohe Ertragskraft. Bei 1.000.000€ Eigenkapital und 20% Eigenkapitalrendite hat eine Firma dementsprechend eine Ertragskraft von 200.000€ pro Jahr. Damit ist klar, dass hohe Eigenkapitalrenditen gegenüber niedrigeren zu bevorzugen sind.
Es ist besonders wichtig, dass bei der Betrachtung der Eigenkapitalrendite nicht nur die Kennziffer an sich bewertet wird, sondern auch das zugrunde liegende Eigenkapital. Erhöht sich das Eigenkapital, beispielsweise durch die Rückzahlung von Verbindlichkeiten, kann das bei gleichbleibenden Gewinnen zu niedrigeren Eigenkapitalrenditen führen. Umgekehrt gilt das selbe Prinzip.

Gesamtkapital / Bilanzsumme

Das Gesamtkapital ist die Summe aus Eigen- und Fremdkapital eines Unternehmens und gibt den Wert der gesamten Vermögensgegenstände wieder, entsprechend den Wert, mit dem eine Unternehmung operiert.

Gesamtkapital = Eigenkapital + Fremdkapital

Das Gesamtkapital ist gleichbedeutend der Bilanzsumme. Auf Grundlage des Gesamtkapitals werden weitere Unternehmenskennzahlen berechnet, die Auskunft über Rentabilität und Stabilität geben.

Gesamtkapitalrendite

Die Gesamtkapitalrendite oder auch Return on Assets (RoA) ist ein Maß für die gesamte Profitabilität der Unternehmensassets. Dabei werden alle Vermögensgüter des Unternehmens dem EBIT oder EBT gegenübergestellt:

Gesamtkapitalrendite = EBIT / Assets

Die Gesamtkapitalrendite ist in der Regel niedriger als die Eigenkapitalrendite, da hier auch das Fremdkapital berücksichtigt wird, für das die Renditeanforderungen niedriger liegen als für das Eigenkapital. Niedrige Gesamtkapitalrenditen deuten auf ein kapitalintensives Geschäftsmodell hin. In der Regel sind höhere Kapitalrenditen zu bevorzugen. Unternehmen mit höheren Kapitalrenditen sind jedoch normalerweise auch höher bewertet.

Operatives Ergebnis

Das operative Ergebnis (engl. operating income) gibt das Ergebnis an, welches aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit erzielt wird. Ausgehend vom Umsatz kann das operative Ergebnis wie folgt berechnet werden

operatives Ergebnis = Umsatz - Vertriebskosten - Betriebskosten (OPEX)

Oft wird es mit dem EBIT gleichgesetzt, was in einigen Fällen jedoch nicht korrekt ist. Das operative Ergebnis enthält im Vergleich zum EBIT keine außerbetrieblichen Erträge oder Aufwände, welche beispielsweise Verkäufe von Unternehmensbereichen oder Restrukturierungsaufwände sein können.

Operative Marge

Die operative Marge ist ein Maß zur Bewertung der Profitabilität eines Unternehmens. Durch die Vernachlässigung von Steuern kann mit dieser Kennzahl die operative Performance von Unternehmen, die in verschiedenen Regionen tätig sind, besser miteinander verglichen werden. Effekte wie die Steuersenkungen in den USA werden somit nicht berücksichtigt. Sie berechnet sich wie folgt:

Operative Marge = Operatives Ergebnis / Umsatz

Oft wird die operative Marge teilweise auch als EBIT-Marge bezeichnet. Je nach Unternehmensaktivitäten können diese jedoch voneinander abweichen, wenn beispielsweise Kosten oder Erlöse durch Übernahmen entstanden sind.

Enterprise Value

Der Enterprise Value bezeichnet die Summe der Marktwerte des gesamten Eigenkapitals und der Schulden, also

Enterprise Value = Marktwert Eigenkapital + Marktwert Schulden.

Dieser Wert gibt an, welchen Betrag ein Investor für die Übernahme des gesamten Unternehmens und zur Ablösung der Gläubiger aufwenden müsste. Man verwendet diesen Wert meistens in Relation zum EBIT, da dies das Verhältnis zwischen dem gesamten Kaufpreises und den damit verbundenen jährlichen Erträgen angibt.

Marktkapitalisierung

Die Marktkapitalisierung gibt den Gegenwert des gesamten Eigenkapitals eines börsennotierten Unternehmens an. Sie berechnet sich wie folgt:

Marktkapitalisierung = Anzahl ausstehende Aktien * Aktienkurs

Bei mehreren Aktienkategorien entspricht die gesamte Marktkapitalisierung der Summe der einzelnen Marktwerte der Aktiengattungen, welche mit derselben Formel berechnet werden.

Zinsdeckungsgrad

Der Zinsdeckungsgrad (engl. interest cover ratio) gibt an wie oft der operative Gewinn bzw. das EBIT zur Deckung der Zinsaufwände ausreicht. Teilweise wird auch das EBITDA referenziert. Je höher dieser Wert ist, desto konservativer ist das Unternehmen finanziert

Zinsdeckungsgrad = EBIT / Zinsaufwand

Zinsdeckungsgrad = EBITDA / Zinsaufwand

Da Zinsen steuerlich anrechenbar sind und vorrangig zu Gewinnausschüttungen stehen, betrachtet man EBIT (oder EBITDA) und keine Nettokennzahl wie den Jahresgewinn. In Zeiten von Niedrigzinsen ist diese Ratio jedoch mit Vorsicht zu genießen, da sich sogar viele Konzerne fast ohne Zinsaufwand refinanzieren können und so diese Kennzahl verzerren.