Ansys: Aktienanalyse

Analysen, Ansys 6 Kommentare

Das aus den USA stammende Unternehmen Ansys ist der Marktführer für Simulationssoftware für diverse industrielle Entwicklungsprozesse aus den Bereichen Aviation, Automotive, Energy und vielen mehr. Mit ihren über 4000 Mitarbeitern entwickeln und vertreiben sie Software zur numerischen Lösung von mathematischen Problemen, unter anderem aus den Bereichen der Strukturmechanik, Fluidmechanik, Akustik, Thermodynamik und Elektromagnetismus. Ihre Kunden können durch Ansys Software Produkte und Prozesse entwickeln und testen, bevor sie teure Prototypen bauen müssen und so Zeit und Geld sparen. Steigender Kostendruck, komplexere Produkte und regulatorische Anforderungen machen Ansys Produkte auch weiterhin unverzichtbar und Trends wie IoT, Machine Learning und die Digitalisierung sorgen auch zukünftig für Wachstumspotenziale. Zudem erfahrt ihr in der Aktienanalyse, wie Ansys Software bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie helfen kann.

Ansys Aktienanalyse Factsheet

Die herausragende operative Entwicklung von Ansys und deren Zukunftsperspektiven haben jedoch bereits viele Marktteilnehmer wahrgenommen, was gerade in der Vergangenheit für deutliche Kurssteigerungen sorgte, so dass diese selbst beim jüngsten Crash deutlich weniger Kursverluste zu verzeichnen hatten als der restliche Markt. Seit 2009 konnten Anleger so eine Rendite von 779% erzielen! Was Ansys in der Zukunft für Kurspotenzial besitzt, betrachten wir in der Aktienanalyse.

Ansys Aktienkurs seit 2009

Qualitativer Teil Ansys Aktienanalyse

Produkt- und Marktposition

Simulationssoftware ist aus dem heutigen Leben nicht mehr wegzudenken. In einer Zeit, in der Bauteile kontinuierlich kleiner und Endprodukte technisch immer komplexer werden, muss jede Komponente bestmöglich auf das Gesamtprodukt abgestimmt sein, hohen Belastungen standhalten und möglichst effizient funktionieren. Durch diese technische Komplexität wirken zudem meist nicht nur mechanische Kräfte auf ein Simulationsobjekt, so dass vorab geprüft werden muss, wie sich die Bauteile unter verschiedenen Temperaturen, Stromflüssen und weiteren Belastungen verhalten und gegenseitig beeinflussen. Damit man schließlich nur zeitliche und finanzielle Ressourcen in vielversprechende Prototypen investiert, muss man vorab über möglichst präzise und schnelle Simulationen mögliche Fehlkonstruktionen ausschließen. Bei individuellen Einzelfertigungen kann die Produktion von Prototypen aufgrund von Kosten sogar ausgeschlossen sein, wodurch möglichst ausführliche und präzise Simulationen noch mehr an Bedeutung gewinnen.

Der Gesamtmarkt für Simulationssoftware zur Lösung dieser Probleme hatte laut Mordor Intelligence im Jahr 2019 ein Marktvolumen von 8,24 Mrd. USD und soll bis zum Jahr 2025 auf über 19 Mrd. USD wachsen, was einer Verdreifachung entspricht.

Ansys Aktienanalyse Simulation Market Share

Ansys als Marktführer im Bereich der Industriesimulation bietet mit seinen Hauptprodukten Ansys Workbench und Ansys Classic umfangreiche Softwareplattformen für alle relevanten Physiken an. Mit 1,5 Mrd. USD Umsatz bzw. 20% Marktanteil sind sie der Platzhirsch im Simulationsmarkt, der mit über 15% pro Jahr wächst. Ansys selbst gibt in ihren Präsentationen leicht niedrigere Werte über das Marktvolumen an und unterteilt den Gesamtmarkt in drei Bereiche nach der aktuellen Geschäftsreife.

Ansys Aktienanalyse Marktwachstum nach Kategorien
Quelle: Ansys Q4 2019 Investor Presentation

Foundation steht dabei für etablierte Simulationsanwendungen, mit dem sie bereits viele namenhafte Stammkunden aus verschiedenen Industrien versorgen. Hierbei handelt es sich beispielsweise um verschiedene physikalische Belastungssimulationen von Bauteilen, welche bereits seit Jahren unverzichtbar sind. Ein Bauteil, was die Belastungen in der Simulation nicht übersteht, muss gar nicht physisch getestet werden und spart somit Zeit und Geld. Ansys bietet hier eine gefüllte Toolbox, um Bauteile mit Belastungen aller Physiken zu testen.

Ansys Kunden
Quelle: Ansys Q4 2019 Investor Presentation

Anhand der Kunden kann man zudem deutlich erkennen, dass die USA und Europa, besonders mit Deutschland und Frankreich, zu den wichtigsten Vertriebsregionen zählen.

Ansys Aktienanalyse Umsatz nach Regionen

Allein in diesen beiden Regionen erzielt man zusammen ca. 2/3 des Gesamtumsatzes.
Ansys möchte in diesem Bereich besonders durch eine Ausweitung ihres Kundenstamms und ihres Produktportfolios wachsen. Man verbessert das Produktportfolio beispielsweise durch schnellere und effizientere Simulationsalgorithmen, welche Zeit bei der Simulation sparen oder die Präzision der Simulationen erhöhen. Da diese Lösungen bereits stark etabliert sind, rechnen sie in diesem Bereich mit 8% jährlichem Marktwachstum, was unter dem Gesamtmarktwachstum liegt.

Generell mag das Themengebiet der Simulationsanbieter noch abstrakt klingen. Deshalb könnt ihr nun zum besseren Verständnis ein Video zu einem sehr aktuellen Anwendungsfall von Ansys Software, Bekämpfung der Corona-Pandemie, ansehen.

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Somit kann Simulationssoftware auch zur Analyse und Auswertung von Krisenmaßnahmen zur Reduktion der Covid-19 Infektionen verwendet werden und eine faktenbasierte Datenlage schaffen. Ein weiteres Beispiel wäre die Skalierung einer Impfstoffproduktion, wenn ein Wirkstoff vorliegt. Durch eine Simulation können zeitintensive Anpassungen der Produktionslagen schon vorab berechnet werden, um möglichst schnell eine zuverlässige Impfstoffproduktion aufzubauen. Auf ihrem Youtube-Kanal findet man zudem noch viele weitere Anwendungsbeispiele, die den Nutzen ihrer Produkte visuell verdeutlichen.

Die Bereiche New adjacencies und Emerging high growth solutions sind bezüglich der Wachstumsraten mit über 15% jährlich sehr interessant, spielen vom Volumen jedoch noch eine untergeordnete Rolle. Ein Beispiel aus dem ersten Bereich wäre die Digital-Twin-Technologie von Ansys, die schon jetzt zur digitalen Abbildung von Produktionsanlagen eingesetzt wird, damit potenzieller Wartungsbedarf durch Vorabsimulationen rechtzeitig erkannt wird. Im Bereich Emerging high growth solutions positioniert man sich momentan durch Kooperationen mit Airbus und BMW im Bereich der autonomen Mobilität, worauf ich später noch genauer eingehen werde.

Anders als einige Peers ist Ansys ein reiner Anbieter von Simulationssoftware. Das heißt, dass 3D-Modelle der Bauteile und Simulationsobjekte vorher in einer anderen Software (CAD) erstellt werden müssen und schließlich in die Ansys Workbench eingeladen werden. Deshalb verfügen ihre Produkte über eine Vielzahl von Schnittstellen zu den gängigsten CAD-Programmen, so dass ein Import problemlos möglich ist. Stattdessen punkten sie, wie bereits beschrieben, mit ihrer breiten Toolbox an Simulationswerkzeugen aus allen Bereichen der Physik, welche innerhalb ihrer Plattformen modular lizensiert werden können.

Quelle: Ansys Q4 2019 Investor Presentation

Ihre Produkte bieten sie entweder als dauerhafte Lizenz an, welche einmalig bezahlt werden muss oder als Miet-Lizenz für einen bestimmten Zeitraum, der typischerweise gleich mehrere Jahre beträgt. Miet-Lizenzen werden direkt mit Serviceverträgen verkauft, da diese wichtige Updates und Support enthalten und man dem Kunden eine stets aktuelle Software garantieren möchte. Bei dauerhaften Lizenzen müssen diese Dienstleistungen zusätzlich erworben werden, was jedoch zum Kaufzeitpunkt meist für mehrere Jahre erworben wird. In den letzten Jahren stellte Ansys eine erhöhte Nachfrage im Bereich der Miet-Lizenzen fest, welche trotzdem gleich über mehrere Jahre abgeschlossen werden und somit für planbare Einnahmen sorgen. Kunden profitieren hier von der direkten Integration neuer Features, wie der Ansys Cloud, auf die ich später eingehen werde.

Das starke Marktwachstum in Kombination mit den planbaren Lizenz- und Supportdienstleistungen sind eindeutige Stärken von Ansys, welche sich im Verlauf der Analyse auch in der Umsatz- und Gewinnentwicklung wiederfinden werden.

Konkurrenz

Der Markt für Simulationssoftware konzentriert sich auf wenige Anbieter, welche jeweils einen bestimmten Branchenfokus haben. Dies lässt sich mit den hohen Eintrittsbarrieren begründen, da die Erstellung einer Simulationssoftware tiefgreifendes mathematisches Verständnis aus einer Vielzahl von Fachbereichen benötigt, welche flexibel miteinander kombiniert werden müssen. Industrieunternehmen hätten in den seltensten Fällen ausreichend Kapazitäten und Know-How, um langfristig eine eigene Lösung zu entwickeln, welche im Idealfall minimal besser zu den eigenen Bedürfnissen passt, ohne die deutlich höheren Kosten einer Eigenentwicklung erst zu betrachten. Präzise oder schnelle Algorithmen zu implementieren ist zudem nicht das größte Problem. Wichtig ist, dass der Tradeoff zwischen Geschwindigkeit und Präzision möglichst gering gehalten wird und in ein stabiles Framework verpackt ist, welches eine Bandbreite von individuellen Problemen lösen kann und zudem anwenderfreundlich ist. Dazu setzen viele Anbieter, angeführt von Ansys, auf eine intuitive Bedienoberfläche, so dass der Einstieg auch ohne Expertenwissen möglich ist.

Ansys bietet quasi als einziges Unternehmen eine umfassende Toolbox in den Bereichen Strukturmechanik, Fluidmechanik, Akustik, Thermodynamik und Elektromagnetismus. Trotzdem gibt es auch in diesem Sektor einige größere Konkurrenten:

  • Ansys (Ansys Workbench, Ansys Classic)
  • Autodesk (Autodesk CFD)
  • Dassault Systemes (Abaqus)
  • Siemens PLM (NX, Tecnomatrix)
  • COMSOL
  • Mathworks (Matlab, Simulink)

Diese Anbieter lassen sich in drei verschiedene Kategorien unterteilen. Autodesk, Dassault Systemes und Siemens PLM gehören zur Kategorie der Anbietern von CAD-Software, welche wie eingangs erwähnt zur Erstellung von 3D-Modellen einzelner Bauteile oder vollständiger Produkte wie Maschinen, Flugzeugen oder ähnlichem verwendet werden. Ansys als reiner Anbieter von Simulationssoftware ist somit abhängig von 3D-Modellen, die mittels anderer Software entwickelt werden und als Basis für die Simulation dienen. Deshalb bieten sie eine Vielzahl von Schnittstellen an, um den Import der Modelle so unkompliziert wie möglich so gestalten. Die CAD-Anbieter haben den großen Vorteil, dass Modellentwicklung und Simulation in der gleichen Software, bzw. über unternehmenseigene Schnittstellen durchgeführt werden kann, was für den Kunden einen gewissen Komfort und Konsistenz bei der Bedienung bedeutet.

Quelle: Ansys Q4 2019 Investor Presentation

Comsol ist auch ein reiner Anbieter von Simulationssoftware und durch ihr Lizenzmodell stark in öffentlichen Einrichtungen wie Universitäten verbreitet. Zudem ist ihre Software tendenziell offener gegenüber Individualisierungen, was gerade in der akademischen Forschung sehr beliebt ist. Trotzdem haben sie bei der Vermarktung an Unternehmen gewisse Schwächen im Vergleich zu Ansys, was auch an den unterschiedlichen Anforderungen von Forschungseinrichtungen und Unternehmen liegen mag.

Mathworks ist mit ihren Produkten Matlab und Simulink in eher anderen Bereichen tätig. Mit Matlab bieten sie eine eigene Programmiersprache an, die mehr auf das selbstständige Entwickeln abzielt und dafür hilfreiche Tools und Implementierungen zur Verfügung stellt. Es wird also eher verwendet, um sich ein eigenes Framework für Anwendungen aufzubauen, welche dann meist eher in einzelnen Abteilungen verwendet werden. Branchentechnisch sind sie damit stark bei Finanzinstituten wie Banken und Versicherungen vertreten. Auch ich habe während meines Studiums viel Zeit mit Matlab verbracht und besonders deren Methoden zur Matrizenverarbeitung geschätzt. Sie stehen meiner Meinung nach jedoch stärker in Konkurrenz zu anderen Open-Source Programmiersprachen wie R und Python, da sie in der Regel kein fertiges Tool anbieten, sondern die Grundlagen, um sich eines zu entwickeln.

Quelle: Ansys Q4 2019 Investor Presentation

Laut Peerless Media wird Ansys von ihren Kunden nach vielen Kriterien deutlich auf Platz 1 gerankt. Man spricht ihnen das höchste Know-How in verschiedensten Physikbereichen zu, sie liefern den besten Service und die beste Produktqualität. Ansys Produkte haben sich somit zu einer Marke mit zugehörigem Qualitätsstandard entwickelt, so dass sie von ihren Kunden als klare Nummer 1 wahrgenommen werden.

Diese Dominanz setzt sich auch quantitativ fort, wenn man die Kennzahlen der börsennotierten Peers mit Ansys vergleicht. Als reiner Anbieter von Simulationssoftware gibt es bei den Pure Players im digitalen Engineering mit Dassault Systemes und Autodesk noch größere Anbieter als Ansys, welche neben der Simulation hauptsächlich die zugehörige CAD-Software, sowie weitere ergänzende Tools liefern. Cadence konkurriert als Spezialist für CAD-Software für Mikroelektronik ebenfalls mit Teilbereichen der genannten Unternehmen und ist wie Ansys spezialisierter aufgestellt, weshalb ich sie in den Vergleich einbezogen habe.

Ansys Aktienanalyse Factsheet Peergroup
Cadence Earnings wurden um Sondereffekte in 2019 angepasst

Ansys liegt sowohl beim Umsatzwachstum als auch bei der operativen Marge und dem Umsatz je Mitarbeiter deutlich vorne und ist, gerade unter Berücksichtigung der Unternehmensgröße, das wohl Unternehmen, welches von den genannten am konservativsten finanziert ist und somit eine deutliche Schlagkraft für weitere Übernahmen hat. Auch in der Vergangenheit tätigten sie wohl gezieltere Übernahmen konnten diese scheinbar besser integrieren als ihre Peers, was man an der Verschuldung und Margen- und Gewinnentwicklung sieht. Der höhere Umsatz je Mitarbeiter liefert zudem einen gewissen Wettbewerbsvorteil, was die Bezahlung ihrer Mitarbeiter betrifft. Ansys kann im Kampf um die besten Mitarbeitern noch höhere Gehälter zahlen, um diese langfristig an sich zu binden.

Im Bereich des Digital Engineerings ist Ansys somit für mich die klare Nummer 1, da sie nicht nur in der Branche als Marktführer gesehen werden, sondern diese Position auch operativ deutlich zeigen und selbst sehr starke Peers von den Kennzahlen deutlich hinter sich lassen.

Strategie

Im Vergleich zu vielen anderen Unternehmen ist Ansys bei der Kommunikation ihrer Strategie sehr klar und hat für sich 4 Schwerpunkte definiert – die Wertschöpfung ihrer Übernahmeaktivitäten, Ausbau ihrer Simulationsplattform, Positionierung in Zukunftsfeldern und die Integration von Ansys Technologie in andere Plattformlösungen.

Ansys Strategie
Quelle: Ansys Q4 2019 Investor Presentation
Wertschöpfung durch Übernahmen

Ansys ist nicht zuletzt durch ergänzende Übernahmen zu dem Marktführer für Simulationssoftware aufgestiegen und plant auch weiterhin rege M&A Aktivitäten. Allein 2019 hat man 5 größere Übernahmen getätigt, mit denen man sowohl ihr Kernproduktportfolio erweitert als auch für zukünftiges Wachstum positioniert hat.

Quelle: Ansys Q4 2019 Investor Presentation

Beispielsweise liefert Granta wichtige Daten und Tools zur Optimierung der eingesetzen Werkstoffe. Mit DfR verstärkt man sich im Bereich der immer wichtiger werdenden elektrischen Komponenten. Die aus Weimar stammende Dynardo hat sich auf die Optimierung der Vor- und Nachbearbeitung bei elektrischen Komponenten spezialisiert und rundet damit diverse Produkte wie zum Beispiel Ansys Mechanical direkt ab.

Anders als beispielsweise beim Finanzdatenanbieter FactSet werden die übernommenen Unternehmen nicht nur in die bestehenden Produkte integriert, sondern als zusätzlich lizensierbare Module in den Ansys-Produkten zur Verfügung gestellt, welche somit durch die breite Kundenbasis direkt für zusätzliche Umsätze sorgen können.

Ausbau ihrer Simulationsplattform

Ansys verfolgt mit ihren Produkten eine klare Plattformstrategie, auf der sie ihre Kunden binden wollen. Durch Übernahmen wie der von Granta ist man zudem nicht nur die Simulationssoftware, sondern liefert zusätzlich passende Daten für die Berechnung und erweitert somit der Wertschöpfungskette von Ansys Plattformen. Daten spielen auch in Bereichen wie Machine Learning eine wichtige Rolle. Auch mit solchen Technologien versucht man seine Plattform abzurunden, um letztlich Simulationsergebnisse zu verbessern. Mit Ansys Minerva versucht man zudem ein Teammanagement-Tool zu etablieren, über das ein Großteil der Produktentwicklung koordiniert und durchgeführt werden kann.

Durch den höheren Dateninput und immer präziseren Simulationsprozessen steigt zwangsläufig auch der Bedarf an Rechenkapazität. Ansys hat dafür auf Basis von MS Azure die Ansys Cloud entwickelt, in der alle Funktionalitäten mit der benötigten Rechenkapazität zur Verfügung stehen.

Mit diesen und weiteren Initiativen versucht man in verschiedene Bereiche der IT-Infrastruktur ihrer Kunden vorzudringen, um die komplexe Produktentwicklungs-Pipeline so effizient wie möglich zu gestalten.

Kooperationen

Ansys geht zudem Partnerschaften mit führenden Softwareunternehmen und Kunden ein, die ihr Know-How fest in andere Plattformtechnologien integrieren.

  • Microsoft – Selbst der weltweit größte Softwareanbieter greift auf Ansys Digital-Twin-Technologie zurück, um ihre Tools im Bereich Predictive Maintenance zu verbessern
  • SAP – Ansys Digital-Twin-Technologie wird ähnlich wie bei Microsoft in SAPs Predictive Maintenance Modulen verwendet, um die Echtzeitwartung von Komponenten zu verbessern
  • Autodesk – Auch Konkurrenten können Partner sein, um die beste Software aus Design und Simulation zu verbinden
  • BMW – Ansys und BMW wollen eine Tool-Pipeline für autonome Fahrzeugtechnologien entwickeln
  • Airbus – Zusammen mit Airbus möchte man ein Ansys-Produkt aufbauen, welches dabei helfen soll, sichere und autonome Flugzeugtechnologien zu entwickeln

Neben diesen Partnerschaften existieren noch viele weitere, die alle verdeutlichen wie anerkannt das Know-How von Ansys ist. Zudem entstehen dabei Produkte, welche direkt oder indirekt unter dem Namen von Ansys vertrieben werden können, so dass man sich schon jetzt frühzeitig in zukunftsweisenden Themenbereichen wie autonome Mobilität und Predictive Maintenance stark positionieren kann.

Positionierung in Zukunftsfeldern

Die Positionierung in Zukunftsfeldern wird in größten Teilen durch die vorher genannten Punkte abgedeckt. Durch die Übernahmen sichert man sich externes Know-How, welches man direkt in die Plattformen per Modul integrieren kann. Durch ausgewählte Kooperationen kann das eigene Know-How mit den der Partner kombiniert werden, um neue Produktlösungen zu entwickeln, in denen Ansys noch nicht stark vertreten ist, oder erst Produktlösungen entwickeln muss. All diese Maßnahmen sorgen dafür, dass Ansys langfristig seinen Fußabdruck deutlich ausweiten kann, um so auch zukünftig steigende Umsätze zu erzielen. Zeitgleich profitiert man von dem cleveren System der Übernahmen und Kooperationen, die auch jetzt schon durch neue Module oder Lizenzgebühren für Umsatzwachstum sorgen und ihre Position als Marktführer stärken.

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Quantitativer Teil Ansys Aktienanalyse

Umsatz- und Gewinnentwicklung

Umsatzentwicklung nach Produktkategorie

Das Umsatzwachstum von Ansys lag innerhalb der letzten 10 Jahre bei 11,4% jährlich. Durch ihr Lizenzmodell haben sie selbst während und nach der Finanzkrise ihre Umsätze sogar leicht steigern können. Diese Krisenresistenz lässt auch zukünftig auf eine solide Umsatzentwicklung hoffen und verdeutlicht die Notwendigkeit ihrer Produkte, welche in sonst sehr zyklischen Branchen Anwendung finden. Der Anteil von Umsätzen aus dem Bereich Maintenance & Service legte deutlich zu, was jedoch zum Großteil auf eine Umklassifizierung der Umsatzzuordnung im Jahr 2018 zurückzuführen ist. Ansys vertreibt sowohl dauerhafte Softwarelizenzen als auch sogenannte lease licenses, bei denen man sich den Zugang zur Software über einen bestimmten Zeitraum sichert. Diese werden immer zusammen mit Wartungs- und Schulungsleistungen in einem Gesamtkontrakt verkauft. Seit 2018 teilt man deswegen die Umsätze aus diesen Verträgen zu jeweils 50% auf die Bereiche Software licenses und Maintenance & services auf.
Schulungsleistungen erzielten dabei nur 55 Mio. USD Umsatz und somit weniger als 4% des Gesamtumsatzes, wobei man in den letzten Jahren mit über 30% wachsen konnte. Die wenigen Schulungsangebote seitens Ansys waren einer der wenigen Kritikpunkte an ihren Produkten. Ansys reagierte darauf und die starken Wachstumsraten zeigen, dass ihre Kunden diese Dienstleistungen gerne annehmen.

Umsatzwachstum nach Produktkategorie

Betrachtet man das Umsatzwachstum nach Bereichen, so erkennt man deutliche Schwankungen im Bereich der Softwarelizenzen, wohingegen Maintenance & Service weniger schwankende Wachstumsraten aufweist. Dies hat mit der Umsatzberechnung der beiden Bereiche zu tun. Schließt ein Unternehmen einen Mehrjahresvertrag über Software und Wartung ab, so werden die Lizenzumsätze direkt für die gesamte Vertragslaufzeit gebucht, wohingegen Wartungsumsätze nach erbrachter Leistung und somit auf mehrere Jahre verteilt werden.

Ansys Aktienanalyse Gewinnentwicklung

Auch die Gewinnentwicklung kann bei Ansys überzeugen, da hier fast ein Gleichschritt zur Umsatzentwicklung herrscht. Trotz Übernahmen und weiterem Wachstum kann man seine Marge stabil halten, so dass die Gewinne mit 14,5% sogar stärker als der Umsatz gesteigert werden konnten. Der Sprung in 2018 ist auf die Steuerreform unter Trump zurückzuführen, auf die wir später genauer eingehen werden.

Auffallend bei Ansys ist hingegen das relativ niedrige Niveau des CAPEXs über die vergangenen Jahre.

Ansys Capex vs. Abschreibungen

In jedem Jahr lagen die Abschreibungen deutlich über den CAPEX, was tendenziell eher für zukünftig sinkende Umsätze spricht, wenn die eigenen Produkte nicht ausreichend betreut werden. Als Softwareunternehmen liegen jedoch oft weniger physische Assets vor. Stattdessen investiert Ansys verstärkt in die Forschung und Weiterentwicklung ihrer eigenen Produkte, was 2019 über 15% des Gesamtumsatzes entspricht.

Quelle: Ansys Q4 2019 Investor Presentation

Diese Strategie hatte man auch in der Vergangenheit verfolgt und besonders in den letzten Jahren forciert, so dass man allein 2019 5 strategische Übernahmen tätigte, von denen in denen nur die R&D Ausgaben in dem oberen Graphen enthalten sind. Die Kaufpreise für diese 5 Unternehmen betrugen 2019 fast 800 Mio. USD, was in etwa dem eigenen M&A Volumen von 2009 bis 2018 entspricht. Diese hohen Investments zeigen, dass Ansys mit allen Mitteln versucht ihre Marktposition weiter zu stärken, was in der Vergangenheit äußerst effizient und profitabel war. Somit kann man davon ausgehen, dass die jüngst getätigten Übernahmen und R&D Investitionen zu deutlich steigenden Umsätzen beitragen werden.

Cashflowentwicklung

Cashflowentwicklung und Aktienrückkäufe

Aufgrund des insgesamt niedrigen CAPEX entwickelten sich der operative und freie Cashflow fast im Gleichschritt mit ca. 11% Wachstum pro Jahr. Da die Forderungen gegenüber Kunden deutlich angestiegen sind, legten die Cashflows zuletzt nicht so stark wie die Gewinne zu.

Da Ansys bisher aufgrund ihrer Wachstumsmöglichkeiten keine Dividende ausbezahlt, kauft man mit überschüssigem Kapital eigene Aktien zurück. Dies bringt Ansys eine höhere Flexibilität, da solche Programme wie in 2019 leichter reduziert werden können, wenn erhöhter Kapitalbedarf besteht. Zusätzlich ist die Vergütung auf Aktienbasis zu einer wesentlichen Komponente der Gehaltszahlungen für die eigenen Mitarbeiter geworden. Trotzdem konnte man in den meisten Jahren mehr Aktien zurückkaufen als für Vergütungsprogramme benötigt wurden und somit effektiv die Anzahl der ausstehenden Aktien reduzieren. Durch gestiegene Aktienkurse und geringeren Rückkäufen gelang dies im abgelaufenen Geschäftsjahr jedoch nicht mehr, so dass man insgesamt die Aktienmenge erhöhte und somit Anteile verwässerte. Diesen „Makel“ besitzen jedoch viele Tech-Konzerne, da diese mit der direkten Beteiligung am Unternehmenserfolg die besten Mitarbeiter motivieren und an sich binden wollen. Folglich kann diese Politik in Maßen sogar sehr zielführend sein und sich positiv auf die Unternehmensentwicklung auswirken.

Bilanzkennzahlen

Bilanzkennzahlen

Seit 2009 hat Ansys ihr Bilanzvolumen in etwa verdoppelt, wobei das Eigenkapital im Vergleich zur Verschuldung stärker gesteigert werden konnte. Ansys steht somit finanziell solider dar als in 2009. Wegen der zahlreichen Übernahmen hat sich jedoch der Goodwill deutlich erhöht und beträgt in etwa 2/3 des Eigenkapitals. Da der Softwaresektor jedoch eher für kurze Bilanzen bekannt ist, ist das nicht weiter auffällig. Ansys hat bereits in der Vergangenheit bewiesen, dass ihr Goodwill eine hohe Ertragskraft besitzt, so dass auch neu übernommene Unternehmen meist direkt zum Umsatz beitragen konnten und ihre Technologie über die Ansys-Plattformen sogar skaliert werden konnte.

Bei der Analyse der Verschuldung bestätigt sich dieser äußerst solide Eindruck erneut.

Ansys Aktienanalyse Verschuldung

Es gibt wohl nur eine handvoll Unternehmen ihrer Größe, die eine vergleichbare Ertragskraft mit Wachstum kombinieren können und trotzdem so konservativ finanziert sind. Seit 2009 hatte man im keinem Jahr, nach Abzug des Cashs, finanzielle Verbindlichkeiten. Zwischen 2012 und 2018 war man sogar vollständig schuldenfrei. Somit ist man durch die solide Bilanz und die starken Cashflows finanziell für anorganisches Wachstum gut aufgestellt, so dass weiterhin Wachstumsraten über Marktdurchschnitt möglich wären.

Profitabilität

Ansys Margenentwicklung

Die operative Marge liegt aktuell mit 34% leicht unter dem 10-Jahresdurchschnitt von 37%, was beides außerordentlich hohe Werte sind, wie wir bereits bei der Peergroupanalyse festgestellt haben. Selbst für den margenstarken Softwarebereich gibt es nur zwei weitere Unternehmen (Adobe und Microsoft), welche eine so hohe Profitabilität im Zusammenhang mit Marktkapitalisierung und Wachstum aufweisen können. Weltweit gibt es nur eine handvoll Unternehmen, welche über einen so langen Zeitraum ähnlich hohe Margen erzielen konnten. Allein das spricht für die operative Exzellenz von Ansys.

Die Nettomarge konnte über die vergangenen Jahre deutlich zulegen und beträgt aktuell 30%, was noch beachtlicher ist. Die Steigerung ist hauptsächlich auf gesunkene Steuerzahlungen zurückzuführen, welche mittlerweile bei minimalen 13,6% des Vorsteuergewinns liegt. Dies liegt zum einen an den um 14 Prozentpunkte gesunkenen Steuersatzes in den USA, allerdings spielen die Kosten aus ausländischen Übernahmen (3,8 PP), die Vergütung mit Aktien (3,1 PP) und die Anerkennung von R&D Aufwendungen (2,1 PP) ebenfalls große Rollen bei der Ermittlung der Steuerquote. Je nach Übernahmevolumen kann der erste Faktor somit wegfallen. Insgesamt blieben dann jedoch Steuerquoten von unter 20%, ausgehend von 21% Unternehmenssteuern, weiterhin möglich, da Ansys ihre Vergütungs- und Forschungspolitik sehr wahrscheinlich fortsetzen wird.

Kapitalrenditen Ansys

Bei den Kapitalrenditen zeichnet sich im Vergleich zu den Margen auf den ersten Blick nur ein gutes Bild. Eine Eigenkapitalrendite von 13% ist durchaus im guten Bereich, allerdings längst nicht so hervorragend wie Margen jenseits der 30%. Da Ansys jedoch eine sehr aktive M&A Politik verfolgt, hat sich ein beachtlicher Anteil an Goodwill aufgebaut, der Eigen- und Gesamtkapital deutlich erhöht und somit die Kapitalrenditen senkt. Ihre Übernahmen wurden jedoch fast ausschließlich aus Eigenmitteln finanziert, so dass insgesamt keine Bilanzverschlechterung stattfand. Dies relativiert die auf den ersten Blick „nur“ guten Kapitalrenditen.

Renditeerwartung

Für meine Renditeerwartung betrachte ich drei verschiedene Szenarien.

Renditeerwartung Annahmen

Das neutrale Szenario orientiert sich dabei an den Durchschnittswerten der letzten Jahre, die im Verlauf der Ansys Aktienanalyse sichtbar wurden. Die Annahmen der beiden anderen Szenarien wurden anhand der besonders positiven – respektive der negativen – Jahre definiert, wodurch ich insgesamt für mich mögliche Kursziele berechnet habe.

Renditeerwartung Ergebnis

Meine erwartete jährliche Rendite schwankt zwischen -3,6% im Bear case bis zu 15,4% im Bull case. Unter den Annahmen des neutralen Szenarios rechne ich mit einer Rendite von 6,8% jährlich. Insgesamt ist die erwartbare Rendite nach meinen Annahmen somit eher moderat. Dies liegt insbesondere an der bereits relativ hohen Bewertung von Ansys, welche selbst im Corona-Crash nicht unter den 40-fachen Jahresgewinn gefallen sind. Somit könnte man argumentieren, dass meine Annahmen bezüglich des Gewinnmultiples oder auch des Umsatzwachstums sehr moderat gewählt wurden. Um mir jedoch einen Puffer zu schaffen, verwende ich für alle Fälle eher konservative Annahmen, damit eher positive Überraschungen möglich sind.

Zusammenfassung

Chancen und Risiken

  • Hohe Eintrittsbarrieren – Ansys ist in einem Markt mit sehr hohen Eintrittsbarrieren tätig, da über viele Jahre sehr viel mathematisches und technisches Know-How aus vielen Bereichen notwendig ist, um auch nur ansatzweise eine ähnliche Software aufbauen zu können. Selbst Unternehmen wie Microsoft und SAP kooperieren lieber mit Ansys und nutzen deren Technologie, als selbst in diesen Markt einzusteigen. Dies sichert langfristig hohe Margen und konzentriert das Wachstum bei den etablierten Peers.
  • Krisenresistenz – Auch wenn ein Großteil der Kunden von Ansys aus eher konjunktursensiblen Branchen stammt, sind ihre Umsätze davon nicht direkt betroffen, wie man es während der Finanzkrise 2008/09 sehen konnte. Ihre Software bleibt auch in Krisenzeiten essenziell, da sich die Konkurrenz und somit der Kampf um das beste Produkt in Krisenzeiten intensiviert, so dass man auf Ansys Produkte zur Entwicklung nicht verzichten kann. Ihre Produkte werden meist als langjähriges Abonnement abgeschlossen, so dass Ansys auch in schlechteren Zeiten mit Lizenzeinnahmen rechnen kann. Zudem bietet man mittlerweile Simulations-Lösungen an, welche den laufenden Betrieb sichern und somit noch weniger verzichtbar sind.
  • Solide Bilanz – Obwohl Ansys in 2019 Übernahmen im Volumen von ihrem halben Umsatz getätigt haben und auch davor rege Unternehmen gekauft haben, sind sie immer noch kaum verschuldet und weisen eine Netto-Cashposition aus. Dies liegt insbesondere an ihrem ertragsstarken Geschäftsmodell, was auch in Zukunft Luft für Übernahmen lassen sollte, ohne die Bilanz signifikant zu schwächen.
  • Vergütungsmodell – Als einen der wenigen Kritikpunkte könnte man die relativ hohe aktienbasierte Vergütung anführen. Wie bei anderen Tech-Konzernen ist dies jedoch ein wohl notwendiges Übe,l um im ständigen „war of talents“ an der Spitze mitspielen zu können.
  • Unternehmensbewertung – Da Ansys wohl der wahrgewordene Traum vieler Investoren ist, stieg der Aktienkurs in den letzten Jahren noch mal deutlich stärker als die operativen Kennzahlen. Trotzdem konnte man Ansys selbst in für ihre Verhältnisse schwachen Jahren selten unter dem 30-fachen Jahresgewinn kaufen, so dass man hier gegebenenfalls in den sauren Apfel der Höherbewertung beißen muss.
  • Marktführer – Ansys wird im Unternehmenskontext als die klare Nummer 1 im Simulationsumfeld wahrgenommen und genießt dadurch eine hohe Reputation bei ihren Kunden und Peers. Durch ihre Position fällt es ihnen leichter in verwandte Gebiete vorzudringen und diese über ihre bereits existierenden Plattformen zu skalieren. Ihre hohen organischen und anorganischen Investitionen werden zudem sehr wahrscheinlich dafür sorgen, dass diese Vormachtstellung weiter zementiert wird.

Fazit

Ansys konnte sich durch ihre hohe Produktqualität und clevere Investitionen als der Marktführer im Bereich für Simulationssoftware positionieren. Durch die hohen Markteintrittsbarrieren ist es selbst für etablierte Peers sehr schwierig in angrenzende Simulationsbereiche vorzudringen. Ansys punktet hier durch ihre breite Marktdurchdringung und deckt so alle relevanten Simulationsfelder mit ihrer intuitiv bedienbaren Nutzeroberfläche ab, was in unserer Aktienanalyse gezeigt wurde. Selbst die renommiertesten Software-Konzerne wie Microsoft oder SAP setzen auf das Know-How von Ansys und kooperieren mit Ansys, um Funktionalitäten in ihre Software aufnehmen zu dürfen. Durch organische und anorganische Investitionen stärkt man zudem nicht nur das eigene Kerngeschäft, sondern investiert auch in angrenzende und aufstrebende Zukunftstechnologien.

Diese Exzellenz setzt sich auch quantitativ fort. Neben Microsoft und Adobe vereint Ansys Wachstum, hohe Margen und finanzielle Stabilität wie kein anderes Unternehmen.

Dies haben jedoch viele Investoren in den letzten Jahren erkannt und den Aktienkurs von Ansys deutlich in die Höhe katapultiert, was jedem Investor vor dem Kauf bewusst sein sollte. Dies ist auch der Grund, weshalb ich bisher erst eine Einstiegsposition eröffnet habe.

Felix Alexander Müller

Zur Veröffentlichung hält mindestens einer der Autoren Aktien des analysierten Unternehmens.

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6 Kommentare zu “Ansys: Aktienanalyse”

  1. – Aus gleichem Grund habe ich vor vielen Jahren nur eine Einstiegsposition eröffnet, *g* … 😉
    Deren top Reputation (und damit eine Preissetzungsmacht) finde ich in meinem Ingenieurs-Umfeld bestätigt.

    >> Abschreibungen deutlich über den CAPEX, was tendenziell eher für zukünftig sinkende Umsätze spricht, wenn die eigenen Produkte nicht ausreichend betreut werden <<
    Liegen die Abschreibungen längere Zeit deutlich über den capex, deutet das entweder auf einen (temporär ergebnisförderlichen) Investitionsstau [‚Produkte nicht ausreichend betreut‘] oder auf eine verbesserte bzw. gute Anlageneffizienz hin. Ersteres impliziert nicht zwangsläufig ’sinkende Umsätze‘, wiewohl das Risiko sinkender Umsätze darüber (über eine etwaig nachlassende Produktqualität und/oder Lieferzuverlässigkeit) steigt.

    Richtig ist, dass Software-Hersteller gemeinhin rel. niedrige capex/Umsatz-Relationen aka hohe free cashflows aufweisen und in deren capex F+E-Kosten einfließen, soweit diese aktiviert und nicht gleich als (ergebnismindernder) Aufwand verbucht werden. Eine solche Aktivierung hat Ansys 2019 promoviert, was man bei der Ergebnisinterpretation, ebenso natürlich wie die Aquisitionen als eigentlicher Grund dessen, zu bedenken hat (allerdings hält sich die Aktivierung bei Ansys m.E. immer noch im guten Rahmen).

    >> effektiv die Anzahl der ausstehenden Aktien reduzieren <<
    – Nur dann sind Aktienrückkäufe für den Aktionär »sicher« zielführend. [Sofern die nicht via Kredit(ausweitung) bewerkstelligt werden, dessen Kosten über der ggf. eingesparten Ausschüttung liegt; freilich]
    Wobei man auch dann ? haben kann, kauft ein Unternehmen seine Aktien historisch teuer zurück.

    Verwässert ein Unternehmen aquisitionsbedingt sein Aktienkapital, kommt’s auf die Aquisitionsexpertise des Topmanangements an. Positiv dabei sicher (weiterhin) fehlender Größenwahn, Konzentration auf Stärkung des Kerngeschäfts, und eine möglichst durchgängig positive Aquisitionshistorie.

    Per datum ist Ansys in den vorgenannten Punkten über Zweifel erhaben. Aber, wie schon ad Disney geschrieben, ist eine verstärkte Aquisitionstätigkeit in reifen Markthaussen (mit gemeinhin hohen Unternehmensbewertungen) m.E. grundsätzlich mit ? zu behaften; zumal, wenn sich darüber in der Bilanz überdurchschnittlich »Luft« (= goodwill) anhäuft. [Ich selbst neige dazu, solche Unternehmen auch bei aller bisherigen top Leistung in einer Kaufagenda nicht vornean zu stellen]

    Ob bzw. inwieweit Ansys in dieser Krise unter reduzierten IT-Budgets in der Industrie leiden wird, bleibt »eigentlich« abzuwarten, aber man darf, einen weiteren Forderungsanstieg mal außen vor, angesichts der Ansys-Resilienz in der letzten Baisse sowie der heute im Raum stehenden Finanzhilfen für die Ansys-Adressen pragmatisch-optimistisch sein.

    Davon zu trennen ist eine Kursanfälligkeit, die angesichts der in dieser Krise unverzüglich lancierten Geld(sind)flut aber geringer sein mag als noch 2008/09 (als man nicht gleich kompromisslos alles ‚retten‘ wollte), als Ansys trotz operativer »Durchlieferung« vom top zum low binnen 9 Monaten immerhin das Doppelte als jüngst binnen 4 Wochen vom top zum low abgab. Das war dann freilich eine top Kaufgelegenheit, die uns dieses Mal verwehrt bleiben könnte.

    1. Hallo Investival,

      danke auch an dieser Stelle für deinen ausführlichen Beitrag! Mir drängt sich gleichermaßen das Gefühl auf, dass Kurse unter 200$ vermutlich erstmal nicht erreicht werden, sofern Ansys auf einem ähnlichen Niveau liefern kann.
      Dazu sollten insbesondere die von dir thematisierten Übernahmen beitragen, weile teilweise in 2019 noch nicht voll konsolidiert wurden. Dein Eindruck zu den eher teuren Übernahmen wird durch die Übernahmepreise, welche nur schwer einzeln zu berechnen sind, bestätigt. Für Granta und Helic werden beispielsweise ~260 Mio.$ für ca. 30 Mio. $ Umsätze genannt, was einem Umsatzmultiple von ~10 entspricht – für nicht börsennotierte Gesellschaften relativ hoch. Sofern man dem Management vertraut, wird auch hier die Integration langfristig zum Erfolg von Ansys beitragen. Ich bilde mir jedoch gerne selbst eine Meinung und sehe bei Ansys im Vergleich zu anderen Plattformanbietern echte Synergieeffekte. Ansys integriert die Angebote der übernommenen Unternehmen nicht einfach nur als neue Funktionalität in ihre Plattform, sondern bietet diese als meist kostenpflichtiges Modul an, wodurch diese Produkte gleich einem deutlich breiteren Publikum zur Verfügung stehen. Somit könnten selbst hohe Multiples gerechtfertigt sein, wenn eine entsprechende Skalierbarkeit über die Plattformen möglich ist.

      Viele Grüße
      Felix

  2. Ansys kenne ich selbst aus dem Studium und deshalb, was FEM-Simulationen angeht auch als Anwender. Sowohl das klassische Ansys als auch die Workbench.
    Ich sehe den riesigen Vorteil in der jahrelangen Expertise bzw. dem Best-in-Class-Ansatz von Ansys. Ansys konnte stets mit guten Schnittstellen und sehr zuverlässigen Simulationen überzeugen und hat sich hier einen Burggraben aufgebaut. Gerade die Konkurrenz ist hauptsächlich für Design bekannt – während Ansys ein reiner Simulationsexperte ist.

    Den Vergleich zu Mathworks sehe ich genauso. Wobei Matlab definitiv auch im Ingenieursbereich eine Größe ist mit den Erweiterungen/Toolboxen Simulink und Stateflow. Aber die werden hauptsächlich in der Regelungstechnik verwendet.
    Mein FEM-Professor hatte auch in einigen Vorlesungen über die schlechte Konkurrenz gesprochen. Das ist natürlich nur eine Meinung mit Bias, aber er hat eine sehr große Expertise in dem Bereich und ist z.B. mit Catia zufrieden.

    Ich würde sagen bei Ansys ist der einzige Kritikpunkt die Menge an Akquisitionen und gerade im Semiconductor-Bereich. Das ist eine Branche, die ich als zweischneidiges Schwert sehe, da sie stark wächst, aber auch sehr volatil ist. Ansys hat hier aber einen natürlichen Vorteil, da sie subscriptions beziehen und gerade in wirtschaftlich angespannten Lagen den Kunden Kostenvorteile bringen, weil digitale Simulationen immer günstiger sind als physische Aktionen.

    Alles in allem bin ich sehr positiv eingestellt für Ansys und könnte mir sogar vorstellen, dass sie durch die sehr spontanen Lockdowns ein paar mehr Lizenzen vergeben haben. Den Aktienkurs finde ich trotzdem zu teuer. 200 USD wäre der Preis, wo ich mich zum Nachkauf nochmal erwärmen könnte 🙂

    Viele Grüße

    Benjamin

    1. Hi Benjamin,

      danke für das Teilen deiner Erfahrungen mit Ansys! Ingenieure schon während des Studiums an eine Software zu gewöhnen ist meiner Meinung nach langfristig ein wichtiger Erfolgsfaktor, sofern man denn vernünftige Produkte wie Ansys abliefert.

      Matlab selbst wollte ich auch gar nicht die Kompetenz in diesem Bereich absprechen, aber ich habe es eher als Programmierumgebung kennengelernt, in der man selbstverständlich auch Simulationen durchführen konnte, wo man jedoch vorher erst sein Modell aufsetzen muss.

      Zum Semiconductor-Bereich: Das ist natürlich nach wie vor ein wahnsinniges Wachstumsfeld. Das Ansys nun in monetär extrem lockeren Zeiten noch mal stärker Übernahmen forciert hat, sehe ich auch allein wegen der Übernahmepreise kritisch. Das Exposure im Semiconductor-Sektor dürfte jedoch, wie du bereits andeutest, deutlich weniger risikobehaftet sein als der zugrundeliegende Sektor. Ansys liefert wie in anderen Industrien die Haken und Schaufeln, welche auch in schlechten Jahren benötigt werden. Trotzdem ist das ein Punkt, den man berücksichtigen sollte.

      Zu 200$ würde ich wahrscheinlich auch noch ein paar Stücke zukaufen 🙂

      Viele Grüße
      Felix

  3. Ich bin auf verschiedenen Aktien-Tools schon mehrfach über Ansys gestoßen, habe sie aber trotz der beeindruckenden Geschäftsentwicklung nie genauer angesehen, weil mir die Bewertung einfach zu hoch war…
    Aufgrund der aktuellen Kurseinbrüche am Aktienmarkt habe ich sie wieder von der Watchlist aufgegriffen und noch einmal genauer angesehen. Um so erfreulicher war es, dass ich deine Analyse entdeckt habe. Meiner Meinung nach ist es dir perfekt gelungen, dieses komplexe Thema übersichtlich und verständlich zu veranschaulichen – besser könnte man dieses Unternehmen nicht analysieren.
    Ich freue mich auf die nächsten Analysen!

    Liebe Grüße
    Konstantin von finanzfunk.net

    1. Hi Konstantin,

      danke für dein Feedback! Günstig ist Ansys auf keinen Fall – waren sie in der Vergangenheit aber fast nie. Ich persönlich warte aktuell auch lieber auf Gelegenheiten solche Aktien günstiger zu kaufen.

      Danke auch für dein Newsletter-Abonnement! Dadurch wirst du unsere neuen Analysen nie verpassen 😉

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